„Inklusion beginnt im Kopf“

Europäischer Aktionstag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung 2011

5. Mai 2011, von
Markt der Möglichkeiten im Rathaus
Markt der Möglichkeiten im Rathaus

Menschen mit Behinderungen geraten immer wieder an Barrieren – Treppenstufen, fehlende Fahrstühle, zu hohe Waren im Supermarkt. Doch die größte Barriere findet sich immer noch in den Köpfen vieler Menschen, die nicht einsehen können oder wollen, dass behinderte Menschen die gleichen Rechte haben, wie Menschen, die ohne Behinderung leben. Seit 13 Jahren wird immer am 5. Mai mit dem europäischen Aktionstag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung auf die Probleme aufmerksam gemacht.

Das diesjährige Motto des Tages lautete „Inklusion beginnt im Kopf“. Initiator waren die Verbände der Behindertenhilfe und –Selbsthilfe in Kooperation mit der Aktion Mensch. Inklusion bedeutet Eingeschlossenheit und symbolisiert das Ziel, Menschen mit Behinderung besser im sozialen Umfeld zu akzeptieren. Es wird bewusst nicht der Begriff Integration verwendet, weil damit verbunden ist, dass jemand von draußen hereingeholt wird. Und Menschen mit Behinderung sind einfach ein fester Teil unserer Gesellschaft.

Fotoausstellung "normlos"
Fotoausstellung "normlos"

In Rostock war im Foyer des Rathauses, auf dem Universitätsplatz und am Abend auch im Circus FANTASIA ein vielfältiges Programm organisiert worden. Den Auftakt gab es im Foyer des Rathauses, wo ab 9 Uhr ein „Markt der Möglichkeiten“ aufgebaut war.

Viele verschiedene Institutionen und Vereine präsentierten sich der Öffentlichkeit, unter anderem die Selbsthilfegruppe Poliomyelitis, die Integrationsfachdienste, der Behindertenbeirat und die Diabetiker Selbsthilfegruppe. Schon an dieser kleinen Auswahl erkennt man die Vielfältigkeit von Behinderung, in die man meist unverschuldet hineingeraten kann.

Horst Geyer
Horst Geyer

Um kurz nach neun eröffnete Dr. Horst Geyer, Leiter der Rostocker Volkshochschule, die Fotoausstellung „normlos.“ Die Ausstellung des Vereins „barrierefreies Rostock e. V.“ hat das Ziel, zu zeigen, dass der Mensch, mit all seinen Besonderheiten, die Umwelt bestimmt. 15 Fotografien, die von Menschen mit Behinderung gemacht wurden, hat eine Jury ausgesucht und die Besucher des internationalen Aktionstages konnten für einen Publikumspreis abstimmen. Da die Motive sehr vielfältig waren – Natur, Stadt, Lebensumwelt der Menschen – fiel die Entscheidung aber sehr schwer.

Europäischer Aktionstag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung 2011 auf dem Uniplatz
Europäischer Aktionstag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung 2011 auf dem Uniplatz

Im Rathaus folgte noch eine politische Podiumsdiskussion zum Thema: „Vergiss mich nicht – Was ist eigentlich „inklusive“ Politik“. Unter der Leitung von Irene Müller, Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe Behinderter e. V., sprachen Johann-Georg Jaeger von den Grünen, Wolfgang Methling von den Linken und Ralf Grabow von der FDP miteinander. Es ging hauptsächlich um den Begriff Inklusion, seine Bedeutung für den Alltag und die besondere Bedeutung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Diese Konvention soll weltweit die Lebenssituation von Menschen mit Behinderung verbessern.

Sabrina Lembke
Sabrina Lembke

Auf dem Uniplatz präsentierten sich ab 11 Uhr ebenfalls die verschiedensten Organisationen. Die DRK-Werkstätten Rostocks, die Caritas und auch das Studentenwerk zeigten ihre besonderen sozialen Angebote. Auf der Bühne gab es ein breites Unterhaltungsprogramm mit Musik und Show.

Sowohl im Rathaus als auch auf dem Uniplatz dabei war Sabrina Lembke. Die Sozialreferentin des AStA hat selbst eine seltene, nervliche Gehbehinderung. Sie hat in den letzten Jahren aber festgestellt, dass die äußeren Barrieren in der Stadt weniger werden. „Ich komme in viele Gebäude mit dem Rollstuhl und werde auch häufiger gefragt, ob ich Hilfe brauche.“ Das größte Problem sieht sie darin, dass nur selten der Mensch hinter der Behinderung gesehen wird. „Man muss die Leute besser kennenlernen und sie ernst nehmen“, sagte die Studentin.

Autogrammstunde mit Lucas Albrecht und Tom Trybull vom F.C. Hansa Rostock
Autogrammstunde mit Lucas Albrecht und Tom Trybull vom F.C. Hansa Rostock

Auch der FC Hansa Rostock beschäftigt sich mit dem Thema. Seit Anfang der Saison hat der Verein mit Uwe Schröder einen ehrenamtlichen Behindertenbeauftragten, der sich um die Belange im und um das Stadion herum kümmert.

Da war es natürlich auch selbstverständlich, dass zwei Spieler des Teams eine Autogrammstunde gaben. Lucas Albrecht und Tom Trybull schrieben sich eine Stunde lang die Finger wund und machten so vielen Fans eine Freude.

Andreas Bielack mit Pinscher Mix Odie und Siberian Husky Kira
Andreas Bielack mit Pinscher Mix Odie und Siberian Husky Kira

Eine Freude bereitet auch der Besuchshundedienst der Malteser. Insgesamt 63 Hunde besuchen mit ihren Besitzern unterschiedliche soziale Einrichtungen in ganz Rostock. Für Andreas Bielack ist es schön, Menschen eine Freude zu machen. „Die Leute lächeln, wenn sie die Hunde streicheln können oder auch mal eine Runde mit ihnen gehen.“ Mit dem Siberian Husky Kira und dem Pinscher Mix Odie versucht er mindestens einmal die Woche ein Heim zu besuchen. „Es sind ganz normale Hunde. Sie bekommen nur eine kleine Ausbildung und dann kann es losgehen“, sagte Bielack.

Insgesamt also ein sehr bunter Tag. Bleibt nur zu hoffen, dass nicht nur das Unterhaltungsprogramm, sondern auch die Botschaft dahinter im Gedächtnis bleibt.

Schlagwörter: Aktionstag (6)Behinderung (21)FC Hansa Rostock (789)Fotografie (64)Ralf Grabow (4)Rathaus (91)Universitätsplatz (82)Volkshochschule (11)

Das könnte dich auch interessieren:

2 Kommentare

  • MM sagt:

    Hmm ein vielleicht nur eingeschränkten Blick auf die Zugänglichkeit hier in Rostock kann man sich ja mal auf http://www.wheelmap.org verschaffen. Im Allgemeinen siehts wohl aber ziemlich bitter aus :(

  • Ines Grabow sagt:

    Welche Botschaft? Gejammer und Bittstellerei! Für mich ehr ein bunter Jahrmarkt zur Gewissensberuhigung der Diskriminierer! FORDERT ENDLICH EURE RECHTE EIN! Die UN- Behindertenrechtskonvention besteht seit ca. zwei Jahren und Rostocks Häuptlinge schaffen großräumig die Behindertenparplätze ab. Die Uni ist „familienfreundlich“ – Menschen mit Handicap gehören nicht zu „dieser Familie“. Nachteilsausgleiche werden zum NCHTEIL Betroffener ausgelegt.
    Die Behindertenbeauftragte der Stadt Rostock möchte (laut Fernsehbericht) „eigentlich“ eine gleichberechtigte Teilbabe erreichen. Ulbricht sagte ja auch: „Niemand hat die Absicht eine Mauer zuerrichten.“ Da ist es doch schön, dass „unsere“ Politiker MITEINANDER sprachen.
    Es gib aber Hoffnung, diese ruht auf unseren Kindern, wie der gestrige Beirag auf NDR 1 Radio MV um 10.12 Uhr unter Beweis stellte. Wie erkläre ich aber nun diesen Schülern der außergewöhnliche Warnowschule in Papendorf INKLUSION – (Eingeschlossenheit)? Sie bleiben zukünftig EINGESCHLOSSEN, weil für „Dorfkinder“ die Türen des innerstätischen Gymnasiums geschlossen bleiben. (OZ-Bericht 5.5.2011) INKLUSION BEGINNT IM KOPF?!

Hinterlasse einen öffentlichen Kommentar

Hiermit stimme ich der Veröffentlichung meines Kommentars sowie der Speicherung und Verarbeitung meiner Daten incl. meiner IP-Adresse gemäß der Datenschutzerklärung zu.