Offshore Windräder vor der Warnemünder Küste?

Landesraumentwicklungsprogramm beunruhigt die Warnemünder

20. August 2014, von
Blick auf die Ostsee von Wilhelmshöhe aus. Werden statt der weißen Segel bald Windräder am Hoizont zu sehen sein?
Blick auf die Ostsee von Wilhelmshöhe aus. Werden statt der weißen Segel bald Windräder am Hoizont zu sehen sein?

Wird der weite Blick über das Meer vom Strand in Warnemünde bald durch Windkraftanlagen am Horizont gestört? Das neue Landesraumentwicklungsprogramm beunruhigt die Warnemünder. Der erste Entwurf, der vor einigen Wochen vorgelegt wurde, sieht zwei Flächen als Eignungsgebiete für OffShore-Windkraftanlagen vor, direkt vor Warnemünde in 6 km Entfernung von der Küstenlinie.

Nun fürchten die Warnemünder nicht nur um die schöne Aussicht, sondern auch um ihr Segelrevier.

„Wir brauchen die großen Flächen auch in Zukunft“, betont Jörg Drenkhahn vom Handels- und Gewerbeverein, der bereits eine ablehnende Stellungnahme dazu abgegeben hat. Sowohl hinsichtlich der Hanse Sail, als auch für eine Olympiabewerbung sei das Segelgebiet von großer Bedeutung.

Die Landesregierung hat hingegen andere Ziele im Blick. Sie will mit Offshore-Windkraftanlagen die Energiewende voranbringen und regionalen Anbietern Vorteile anbieten. „Vor der Küste ist es billiger“, erläutert Ulrich Söffker (Grüne, regionaler Planungsverband, Umweltschutzverband BUND).

Gleich mehrere Konflikte gelte es nun abzuwägen. Das weite Meer erweist sich an dieser Stelle nämlich als eher begrenzt und begehrt. Nicht nur der Tourismus und Segelsport, auch der Rohstoffabbau und die Schifffahrt beanspruchen ausreichend Platz. Die vorliegende Flächenplanung würde die Fährlinie Richtung Schweden und die Zufahrt zur Reede einschränken.

Bisher wurden Offshore-Windkraftanlagen in der Ausschließlichen Wirtschaftszone, für die der Bund zuständig ist, errichtet. An der Mecklenburg-Vorpommerschen Ostseeküste ist Baltic II nordöstlich von Rügen im Bau. Baltic I ist bereits in Betrieb und bei gutem Wetter vom Darßer Seebrücke aus zu sehen. 12 bis 14 Kilometer liegt die Anlage von der Küste entfernt. Der Rotordurchmesser beträgt 120 Meter. Die einzelnen Anlagen stehen in einem Abstand von 700 bis 1000 Meter, drei hintereinander. Ein Windrad ist insgesamt 138 Meter hoch. Zum Vergleich: an Land sind die Windräder wegen des Widerstandes in Bodennähe höher, 150 bis 200 Meter.

Das Rostocker Kohlekraftwerk, das etwa 5 km von der Warnemünder Bahnhofsbrücke entfernt liegt, ist 140 Meter hoch. Pro Tag werden hier 1 Million Kilogramm Kohle verheizt, was einem CO2-Ausstoß von 2,8 Mrd. Kilogramm entspricht, einem Viertel der CO2-Gesamtemissionen Mecklenburg-Vorpommerns. „Wie kommen wir von der Kohle weg, deren Import auch Geld kostet?“, fragt Ulrich Söffker.

Windräder vor der Küste hätten den Vorteil, dass sie sehr lange relativ stabil Strom erzeugen. Dreimal so viel wie eine Anlage an Land. „Wahrscheinlich kommen wir mit 200 Anlagen mit 1000 Megawatt installierter Leistung in Küstennähe aus“, rechnet der Umweltschützer vor.

Ein weiteres Argument, welches für ihn für die Förderung von Offshore-Windkraftanlagen spricht, ist die Offshoreindustrie. Zahlreiche Firmen, die sich in Rostock angesiedelt haben, konzentrieren sich mittlerweile auf diesen Sektor.

Insgesamt geht es um zehn Flächen in der Küstenregion Mecklenburg-Vorpommerns. Ob Rerik, Warnemünde, Darß oder Rügen – überall gibt es Konflikte, überall wird die Grenze der Erträglichkeit diskutiert.

Nach der ersten Beteiligungsphase, in deren Rahmen auch die Bürgerschaft Anfang Oktober in ihrer Sitzung eine Stellungnahme abgeben wird, wird der Entwurf überarbeitet. Dann beginnt eine zweite beteiligungsrunde. Voraussichtlich Ende 2015 wird das endgültige Landesraumentwicklungsprogramm schließlich als Verordnung mit einem Kabinettsbeschluss erlassen.

Der Ortsbeirat will zu seiner nächsten Sitzung ebenfalls dazu eine Stellungnahme erarbeiten.

Zur Karte (PDF) des 1. Entwurfs des Landesraumentwicklungsprogramms

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