Windräder vor Warnemünde - Pro & Contra

Attraktion, notwendiges Übel oder Katastrophe für den Tourismus – das geplante Forschungstestfeld für Offshore-Windenergieanlagen vor Warnemünde spaltet die Gemüter

20. August 2019, von
Podiumsdiskussion zum Forschungstestfeld für Offshore-Windenergieanlagen vor Warnemünde: Holger Matthäus (Senator für Bau und Umwelt), Andree Iffländer (Vorsitzender WindEnergy Network e.V.), Prof. Uwe Ritschel (Universität Rostock, Lehrstuhl für Windenergietechnik), Hermann Diebel-Fischer (Universität Rostock, Lehrstuhl für Systematische Theologie und Religionsphilosophie) und Matthias Fromm (Tourismusdirektor Rostock und Warnemünde)
Podiumsdiskussion zum Forschungstestfeld für Offshore-Windenergieanlagen vor Warnemünde: Holger Matthäus (Senator für Bau und Umwelt), Andree Iffländer (Vorsitzender WindEnergy Network e.V.), Prof. Uwe Ritschel (Universität Rostock, Lehrstuhl für Windenergietechnik), Hermann Diebel-Fischer (Universität Rostock, Lehrstuhl für Systematische Theologie und Religionsphilosophie) und Matthias Fromm (Tourismusdirektor Rostock und Warnemünde)

„Wenn ich am Strand bin, gucke ich entweder zur Sonne, sammle Fossilien oder gucke mir schöne Menschen am FKK-Strand an“, erklärt Holger Matthäus. Das wird sich auch nicht ändern, wenn irgendwo am Horizont etwas herumsteht, befürwortet Rostocks Bau- und Umweltsenator klar das geplante Forschungstestfeld für Offshore-Windenergieanlagen vor Warnemünde.

Viele Urlauber und Gäste schätzen jedoch den freien Horizont – „das sehen wir bei dieser Entwicklung gefährdet“, entgegnet Matthias Fromm (Tourismusdirektor Rostock und Warnemünde) und wirft den Tourismus mit über 15.000 Arbeitsplätzen und mehr als 500 Millionen Euro Bruttowertschöpfung als einen der wichtigsten Wirtschaftszweige der Hansestadt in die Waagschale.

Im Rahmen der Zwischenevaluation des Verbundprojektes „Netz-Stabil“ hatte die Universität Rostock heute Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Tourismus zu einer Podiumsdiskussion über die geplanten Windanlagen vor Warnemünde geladen.

Mit einer einzelnen großen Windanlage könne man eine Kleinstadt mit Energie versorgen, verdeutlicht Professor Uwe Ritschel vom Lehrstuhl für Windenergietechnik der Universität Rostock das Potenzial der Offshore-Technik. „Auf der anderen Seite ist da noch großer Forschungsbedarf“, begründet er die Notwendigkeit für das geplante Forschungstestfeld. Pilot- und Demonstrationsanlagen soll es vor der Warnemünder Küste ebenso geben wie begleitende Forschung, was für die Uni Rostock eine sehr gute Perspektive biete.

Mögliche Auswirkungen der Windräder vor Warnemünde (Visualisierung: Fraunhofer IGD, 2015) - inzwischen sind größere Windräder im Gespräch
Mögliche Auswirkungen der Windräder vor Warnemünde (Visualisierung: Fraunhofer IGD, 2015) - inzwischen sind größere Windräder im Gespräch

Es würde aber nicht nur um das Testfeld gehen, wirft Matthias Fromm ein, sondern auch um ein kommerzielles Offshore-Windfeld. „Hier möchten wir unsere touristischen Interessen mehr berücksichtig sehen“, fordert der Tourismusdirektor.

Für den in Warnemünde geborenen Senator Matthäus überhaupt kein Problem, denn der Blick aufs Meer war vor Warnemünde „nie frei von Technik“. Es gab immer die blinkenden Seezeichen sowie die beleuchteten Schiffe auf Reede. Als Kind habe er die gezählt und „das war immer ein toller Horizont“.

Fromm sieht jedoch nicht nur den freien Blick, sondern auch maritime Großveranstaltungen wie die Hanse Sail oder die Warnemünder Woche durch den Bau der Windräder beeinträchtigt. Die Segelreviere seien nicht betroffen, verspricht Andree Iffländer (Vorsitzender WindEnergy Network e.V.). Für ihn stehen Wertschöpfung und Chancen für die Industrie im Vordergrund.

Im Namen der Stadt erklärt Holger Matthäus die Unterstützung der Windenergie „in jeglicher Form“ – als wichtigen Bestandteil der Rostocker Energiewende. So wollen die Stadtwerke einen großen Wärmespeicher bauen, in den überschüssige Windenergie fließen könnte. Zudem gibt es einen Bürgerschaftsbeschluss und einen Auftrag an die Stadtwerke, sich finanziell an einem Windpark zu beteiligen, so der Bau- und Umweltsenator.

Einigkeit besteht darin, das Forschungstestfeld nicht „schlechtzureden“. Negative Presse über riesige Windräder vor der Küste würde der gesamten Wirtschaft schaden, auch dem Tourismus. Zudem stehe bislang nur das Vorranggebiet fest, das Genehmigungsverfahren sei noch gar nicht gestartet und alle Beteiligten können sich noch einbringen, so Andree Iffländer.

Und vielleicht, so der Vorschlag von Professor Hans-Günter Eckel, könnte eine „Rundfahrt durch den Windpark“ ähnlich wie jetzt schon Hafenrundfahrten zu einer ganz neuen Touristenattraktion werden.

Video der Podiumsdiskussion zum Forschungstestfeld für Offshore-Windenergieanlagen vor Warnemünde:

Schlagwörter: Erneuerbare Energien (13)Tourismus (80)Universität Rostock (335)Warnemünde (922)Windenergie (16)

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4 Kommentare

  • dr.listemann sagt:

    Für den Teufel verkaufen diese Leute auch unbesehen ihre Großmutter: Es ist nicht wirklich entscheidend, ob den in Warnemünde aufgewachsenen Holger Matthäus die Windräder stören oder nicht – ich bin selber dort groß geworden, auch älter und habe mit erleben müssen, wie Warnemünde nach 1990 relativ rücksichtslos dem Kommerz zum Opfer gefallen ist – im Ergebnis durch und durch ein Disneyland (Am Strom, Promenade, Erdbeerhof) sowie mit Neubauten befrachtet, die das Stadtbild stilistisch verschandeln (Kurpark, Hohe Düne, Güterbahnhof) – auch mit „wohlwollender Billigung“ der GRÜNEN, für die Herr Matthäus steht. Und was die Uni Rostock betrifft, so lechzen solche Einrichtungen unter dem Deckmantel des „Fortschritts“ grundsätzlich nach Fördermitteln für unsinnige „Projekte“, die die Menschheit nicht wirklich braucht, ihr aber immer wieder schönzureden versuchen wird – man ist ja „Wissenschaftler“ und weiß daher ohnehin alles besser als der Rest der Welt. Tatsächlich aber nicht, und leider wird daher diese Art von „Weltverbesserung“ wohl immer weitergehen und einen überproportionalen Tribut von unseren Nachkommen fordern – „WALL-E – Der letzte räumt die Erde auf“.

  • Sven Ehrecke sagt:

    Ja ja, diese verdammte Veränderung. Sie ist schon ein Ärgernis. Nie bekommt man nur die guten Seiten.
    meine Zustimmung findet, dass Warnemünde als touristisches Zentrum, von dem viele Warnemünder und auch Rostocker profitieren, an seine Grenzen stößt. Das ist die Geißel des Erfolges und die Grenzen des Wachstum sind immer wieder neu zu bestimmen.
    Aus meiner Sicht belasten z.B. über 150 Kreuzfahrtanläufe das Flair des Ortes mehr, als ein Testfeld für Windkraftanlagen. Die Anlage in Hohe Düne in ihrer geringen Höhe und Weitläufigkeit für mich ein durchaus gelungene Hotellösung.

    Das andere Thema ist der Beitrag unsrer Region zum Thema Energie. Und der war in der Vergangenheit sehr bescheiden. Andere Regionen haben dabei Lasten getragen, von denen wir hier im Norden sehr profitierten. Und in Gegensatz zu Bergbaulandschaften sind Windräder in einer späteren Zeit doch recht leicht zurück zu bauen. Also steht jetzt unser Beitrag in einer solidarischen Bundesgemeinschaft an. Dieser soll natürlich nicht solche Spuren hinterlassen, wie ehemalige Formen. Sehe ich jedoch auch nicht. Nur ganz ohne Spuren wird es nicht gehen.

    Letzte Anmerkung: Ob jemanden die Windräder optisch stören oder nicht, ist in der Regel eine persönliche Meinung, gestützt durch den eigenen Wissens- und Erfahrungshorizont. Dies taugt leider wenig, Fragen sachlich zu diskutieren. Denn jeder Jeck ist anders. Und was zukünftig als Attraktion gilt, ist heute nicht abzuschätzen. Keiner von uns hat eine Glaskugel.

  • Tim Werner sagt:

    Wie auch immer … Holger Matthäus outet sich als Spanner. Gut zu wissen … aber vielleicht hat er die Freikörperkultur auch nur missverstanden.

  • Robert Fischer sagt:

    Die große Aufregung liegt darin begründet, dass man es abermals versäumt hat die hiesige Bevölkerung mit einzubeziehen. Es wurde schlichtweg über den Köpfen der Rostocker/Innen hinweg entschieden. Würde es solch eine Diskussion geben, hätte man den Windpark 15km weiter östlich oder westlich von Warnemünde errichtet?

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