Bis zu 220 Kreuzfahrtschiffe pro Jahr im Kreuzfahrthafen Warnemünde

Qualität statt Quantität: Rostock Port will mit neuem Terminal und Landstromanlage bis zu 220 Kreuzfahrtschiffe im Jahr nach Warnemünde locken

12. Juni 2019, von
Kreuzschifffahrthafen Warnemünde
Kreuzschifffahrthafen Warnemünde

Warnemünde hat den Spitzenplatz im Wettbewerb um die meisten Kreuzfahrtschiffsanläufe in einem deutschen Hafen an Hamburg abgegeben. Auf der gestrigen Ortsbeiratssitzung gab sich Rostock-Port-Geschäftsführer Jens A. Scharner davon jedoch unbeeindruckt: „Ich glaube, es ist kein Verlieren als solches. Wir sind der Meinung, dass wir mehr auf die Qualität als auf die Quantität setzen müssen.“

Knapp 200 Anläufe von Kreuzfahrtschiffen sind in diesem Jahr geplant. Etwa 220 sind perspektivisch das Ziel. Diese Zahl liege zwar deutlich unter anderen Kreuzfahrthäfen, entspreche aber dem verträglichen Maß. „Vielmehr können wir aufgrund der Infrastruktur und der Sicherheit, die wir zu gewährleisten haben, auch gar nicht darstellen“, erklärt Scharner. Warnemünde ist nicht Hamburg. Die Elbmetropole könne ganz andere Zahlen aufnehmen. Auch ein Kreuzfahrtstandort müsse im Bezug zu seiner Umwelt betrachtet werden. „Wir wollen den einzigartigen Standort Warnemünde dazu ins Verhältnis setzen und nicht immer die nächsten Superlative anstreben.“

Nachdem sich die Planungen für einen weiteren Großliegeplatz für Kreuzfahrtschiffe im Werftbecken nicht wie von Rostock Port gewünscht entwickelt haben, konzentriert sich der Hafenbetreiber nun auf die zwei Liegeplätze am Passagierkai in Warnemünde und einen weiteren im Überseehafen. Das Ziel Werftbecken möchte man dennoch nicht aufgeben.

Für eine ungebrochene Attraktivität des Kreuzfahrthafens Warnemünde sowohl für Kreuzfahrtunternehmen als auch für die Einwohner realisiert Rostock Port gerade zwei große Baumaßnahmen: ein neues Terminal und eine Landstromanlage.

„Die Baumaßnahmen für ein zweites Terminal gehen am Liegeplatz 8 voran“, berichtet Jens A. Scharner. 2020 soll es fertig sein. Während für die diesjährige Saison noch einmal ein Zelt als Abfertigungshalle aufgebaut wurde, schreitet der Bau des benachbarten Servicegebäudes für Zoll, Bundespolizei und Gepäckabfertigung sichtlich voran. Mit dem neuen Terminal sollen die Abfertigungsbedingungen deutlich verbessert werden, sodass mit weniger Verkehr auf der Mittelmole und perspektivisch weniger Lärmemission durch Lieferfahrzeuge zu rechnen sei, so Scharner. Auch außerhalb der Kreuzfahrtsaison könne das Gebäude etwa für Veranstaltungen genutzt werden, weil es den Erfordernissen der Versammlungsstättenverordnung entspreche. Derzeit befinde sich Rostock Port in Gesprächen mit der Stadt, um dafür einen geeigneten Betreiber zu finden.

Zur Emissionsreduzierung von Schadstoffen sollen zukünftig Landstromanschlüsse beitragen. Dafür laufen gerade die Ausschreibungen. Geplant ist, dass die Anlagen nach einer Testphase Mitte 2020 nicht vor 2021 in den Regelbetrieb gehen, informiert der Hafen-Geschäftsführer. Die Diskussion um die Installation von Landstromanlagen war in Warnemünde in den letzten Jahren kontrovers geführt worden. Jetzt, wo es einen deutlichen Willen seitens der Politik gebe und Kreuzfahrtunternehmen die Landstromanlage nutzen wollen, ist auch Rostock Port bereit solche Anlagen zu errichten, sagt Scharner. Ziel sei es nun, den Druck so zu erhöhen, dass die Anlagen auch genutzt werden. Ein Austausch aller deutschen Häfen solle deshalb dazu beitragen eine transparente und rechtlich abgesicherte Regelung dafür zu finden. Die Senkung der EEG-Umlage um 80 Prozent für Landstromabnehmer sei dabei nur eine Maßnahme. Viel wichtiger sei eine Selbstverpflichtung der Reeder, dass die Schiffe für eine Landstromnutzung umgebaut werden. „Eine Verpflichtung würde allen helfen: uns als Betreiber, den Bewohnern der Hafenstädte und den Kreuzfahrtunternehmen, die ein gewisses Umweltimage verkaufen.“

Wie hoch die Belastungen durch Schiffsabgase in Warnemünde sind, sollen Interessierte noch ab diesem Monat auf der Website von Rostock Port nachlesen können. Dann sollen die Messwerte des LUNG hier veröffentlicht werden. Scharner fordert darüber hinaus dazu auf, unverzüglich zu melden, wenn Lärm- oder Geruchsemissionen auftreten. Auch dafür soll demnächst die Kontaktmöglichkeit online noch sichtbarer werden. „Mit Landstrom, alternativen Antriebsstoffen und der Reduzierung von Lärmemissionen wollen wir hier eine deutlich umweltfreundliche Schifffahrt bekommen, auch wenn sie derzeit nie vollständig emissionsfrei sein kann.“

Dennoch sei die Entwicklung der Kreuzschifffahrt in Warnemünde auf einem richtigen Weg, lobt Ortsbeiratsvorsitzender Alexander Prechtel. „Wir wollen hier nicht den Venedigeffekt haben, wo die Stimmung der Einwohner gegenüber der Kreuzfahrt gekippt ist.“

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