Lange Nacht der Wissenschaften in Rostock 2011

Warum eine Nacht für Wissenschaft manchmal viel zu kurz sein kann

29. April 2011, von

„Wissenschaft ist die Voraussicht von Wiederholungen“, sagte einmal der französische Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry. Zum 8. Mal fand nun die Wiederholung der „Langen Nacht der Wissenschaften“ statt. Die wissenschaftlichen Einrichtungen der Stadt hatten von 18 bis 23 Uhr ihre Türen geöffnet, um den Besuchern spannende Vorträge, interessante Experimente oder eine gute Show zu liefern. Um die verschiedenen Stationen gut erreichen zu können, gab es wieder Sonderbusse der RSAG. Auch ich habe mich in die Nacht gestürzt. Hier nun mein Erfahrungsbericht.

Robert Uhde
Robert Uhde

Als erste Station wählte ich das Innerstädtische Gymnasium am Goetheplatz aus, dort fand die offizielle Eröffnung statt. Durch das Programm führte der Wissenschaftler Erwin Schleuderfund. Irgendwie kam er mir bekannt vor, doch ich kam nicht drauf. Wie für eine solche Veranstaltung üblich, gab es einige Grußworte. So sprach zum Beispiel Robert Uhde. Er ist der Geschäftsführer der SPHINX ET, dem Veranstalter der Langen Nacht, der selbst vor 22 Jahren Abiturient am Innerstädtischen Gymnasium war.

Thomas Döring
Thomas Döring

Natürlich durfte auch der Schulleiter Thomas Döring das Wort an die Gäste richten. Er erzählte die wahre Geschichte von einem Studenten der Uni Stockholm, der die Aufgabe, mit einem Barometer die Höhe eines Wolkenkratzers zu ermitteln, auf viele kreative Arten löste. Dieser Student war Nils Bohr, der spätere Physiknobelpreisträger. Und auch das Innerstädtische Gymnasium hat seit diesem Jahr Preisträger in seinen Reihen. Mehrere Schüler gewannen in unterschiedlichen Fächern Preise bei „Jugend forscht“ und auch der Gesamtpreis für Schulen ging an das Gymnasium.

Die Zeit zwischen den Reden füllte Erwin Schleuderfund mit kleinen chemischen Experimenten. So stellte er aus Wasserstoffperoxid und Schweineblut Eis her und machte mit Kaliumjodid und Spülmittel eine Zahnpasta für Elefanten.

Erwin Schleuderfund macht Eis aus Schweineblut
Erwin Schleuderfund macht Eis aus Schweineblut

Der Rektor der Universität, Wolfgang Schareck, betonte noch einmal die großartigen Rahmenbedingungen. „Wir haben 200 Programmpunkte an 58 Standorten, realisiert durch 800 Mitwirkende. Und dazu ist in ganz Deutschland schlechtes Wetter und bei uns, zur 8. Langen Nacht der Wissenschaft, scheint die Sonne!“ 200 Programmpunkte? Wie sollte ich das alles schaffen? Ich entschied mich, noch vor der Rede von Sozialsenatorin Liane Melzer, die Schule zu verlassen.

windmoveEnergyTunnel
windmoveEnergyTunnel

Einen kurzen Zwischenstopp auf dem Weg zum Uniplatz legte ich am Kröpeliner Tor ein. Dort wurde ein Projekt von Christoph Ernst vorgestellt, welches Kunst und Wissenschaft verbindet. Die Installation „windmoveEnergyTunnel“ besteht aus dem 34 Meter langen Rotorblatt einer Windenergieanlage. Darauf sind 64 Elektrolumineszenzfolien befestigt, die in unterschiedlichen Farben und Rhythmen leuchten. Die Art hängt von verschiedenen Faktoren ab und man kann sogar eigene Kommentare in Lichtmuster umwandeln lassen.

Mit dem Besuch der Windenergieanlage wurde es auch draußen windiger und so trieb mich die Brise weiter Richtung Universitätsplatz. Da noch etwas Zeit vor meinem nächsten Programmpunkt war, schaute ich kurz bei der Zoologischen Sammlung rein. Dort drehte sich alles um Vögel. Die Tiere bekamen sogar einen eigenen Saal, mit Präparaten und Videos. Um 20 Uhr sollte es dann auch einen Vortrag über den Vogel des Jahres 2010, den Kormoran, geben. Da hatte ich jedoch schon leider keine Zeit mehr.

Baustelle im Foyer des Hauptgebäudes der Universität
Baustelle im Foyer des Hauptgebäudes der Universität

Denn pünktlich um 20 Uhr öffneten sich endlich wieder die Türen des Hauptgebäudes der Universität. Leider gab es jedoch keine Führung durch das Haus, wie es im Programmheft angekündigt war. Zu gefährlich wäre es gewesen und überhaupt fehle auch noch häufig der Bodenbelag in den Räumen. Aber wenigstens das Foyer konnte man besichtigen. Dort hatten Angela Hartwig vom Universitätsarchiv und Holger Kotermann vom Dezernat Technik Fotos und Pläne vorbereitet, die den Baufortschritt dokumentierten. Die auffälligste Veränderung konnte man aber auch ohne die Fotos gut erkennen. Da alte Strukturen wieder aufgearbeitet werden sollen, wurde vom Foyer wieder eine direkte Treppe ins erste Obergeschoss angelegt.

Nachdem ich die staubige Baustelle verließ, war es dann auch endlich dunkel und man fühlte sich wirklich wie eine wissensbegierige Nachteule. Ich hatte jedoch ein Problem. In der Parkstraße und auch im Campus Ulmenstraße gab es einige spannende Vorträge, unter anderem zum Thema „Wie Bilder uns bewegen.“ Da die Zeit jedoch schon recht weit fortgeschritten war und die Verkehrswege zu den Orten zu weit waren, entschied ich mich schweren Herzens im Zentrum zu bleiben.

Funktionsweise einer Atomuhr
Funktionsweise einer Atomuhr

Nach einer kurzen Stärkung war ich bereit, mir die Schauvorlesung im Institut für Physik anzuschauen. Diese soll schon in den letzten Jahren ganz großartig gewesen sein und so freute ich mich auch schon sehr auf die „Rostocker Stadtphysikanten“, die in diesem Jahr eine Geschichte zu den Simpsons mit physikalischen Experimenten verbanden. Nur leider war der Andrang so groß, dass ungefähr die Hälfte aller Interessierten wieder weggeschickt werden mussten – inklusive mir.

Ein wenig geknickt, aber nicht zu enttäuscht, schaut ich mich einfach noch ein wenig im Institut um, denn auch dort gab es noch so Einiges zu entdecken. In einem Experimentarium konnte man selbst viele Sachen ausprobieren – alles unter dem Motto Zeit. So konnte man unter anderem testen, wie seine Zeitempfindung ist, Metronome ausprobieren oder sich eine Atomuhr erklären lassen. Letzteres sorgte bei mir als Geisteswissenschaftler doch eher für unverständiges Stirnrunzeln.

Wiebke Loseries
Wiebke Loseries

Ausgedacht und zusammengestellt hat die Sammlung Wiebke Loseries, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Uni, zusammen mit Studenten. „Zeit ist ein sehr weites Thema, nicht nur physikalisch, sondern auch philosophisch.“ Und nicht nur der Andrang bei der Schauvorlesung war enorm. „Die Räume waren fast immer gut gefüllt und die Leute zeigten ein reges Interesse. Das erleben wir nicht so oft und es ist noch einmal eine deutliche Steigerung zum letzten Jahr“, zeigte sie sich sehr zufrieden.

Ein letzter Vortrag stand noch an, auch am Institut für Physik. Nachdem im letzten Jahr der Laser seinen 50. Geburtstag feierte, durfte eine Präsentation der Technik auch in diesem Jahr nicht fehlen.

Vortrag Laser
Vortrag Laser

Josef Tiggesbäumker hatte einen Vortrag mit drei Abschnitten vorbereitet. An der inzwischen doch recht frischen Luft auf dem Parkplatz hinter dem Institut ging der Wissenschaftler zuerst auf den Nutzen des Lasers für die Medizin ein. Dann wurde ein Public Lasing versucht, also mithilfe von Knicklichtern und Spiegeln selbst einen Laser zu bauen, was aber nicht ganz klappte. Zuletzt wurde noch auf die Datenübertragung mit Lasern eingegangen.

Thomas Böhm und Wolfgang Schareck
Thomas Böhm und Wolfgang Schareck

Als krönender Abschluss wurde noch eine tolle Lasershow an das Institutsgebäude projiziert, die ich mir leider nicht zu Ende anschauen konnte, denn für mich stand noch ein Termin auf der Tagesordnung. Also ab ins Cinestar Capitol zur „After-Sciene-Gala.“ Dort wurde schon das erste, sehr positive Resümee gezogen und der Kommunikationspreis übergeben. Mit diesem zeichnet eine Jury einen besonders gelungenen Vortrag bei der Langen Nacht aus.

Arne Feuerschlund ber der "After-Science-Gala"
Arne Feuerschlund ber der "After-Science-Gala"

Dabei ging Platz drei an das Projekt Soundscapes Rostock von der HMT. Dabei wurde untersucht, wie Rostock klingt. Platz zwei ging an die Schüler der Werkstattschule, die im Zoo eine Präsentation über das Schwarmverhalten von Tieren zeigten. Der erste Preis blieb jedoch an der Universität und ging an Dr. Peter C. Kreuz von der Klinik für Orthopädie. Sein Vortrag „Knorpeltherapie an großen Gelenken“ begeisterte die Jury am meisten. Da der Mediziner nicht mehr persönlich anwesend war, nahm der Rektor die Wissensboje stellvertretend von Jurymitglied Thomas Böhm in Empfang.

Der Abend endete dann mit einer kurzen Artistiknummer von Erwin Schleuderfund. Und da hatte ich dann auch mein persönliches Aha-Erlebnis. Hinter dem Forscher steckte niemand anderes als der bekannte Rostocker Artist Arne Feuerschlund. Spätestens beim Balancieren einer Bierbank auf seinem Kinn war ich mir sicher.

Insgesamt habe ich also viele spannende Stationen besuchen können. Nur leider ist die Anzahl der verpassten Projekte deutlich größer. Fünf Stunden sind einfach zu wenig für so viele spannende Sachen. Daher mein Vorschlag für die Wiederholung im nächsten Jahr: Keine „Lange Nacht der Wissenschaften“ mehr, sondern am besten gleich eine ganze Woche.

 

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