Schaltjahreskolloquium am Institut für Physik

Wenn Physiker der Universität Rostock den Finanzmarkt erklären

1. März 2012, von
Das Publikum im Hörsaal des Instituts für Physik
Das Publikum im Hörsaal des Instituts für Physik

Wer gestern Geburtstag hatte, der hat es nicht leicht. Man kann nur alle vier Jahre feiern, wird aber trotzdem jedes Jahr älter. 2012 ist wieder mal ein Schaltjahr, was das Institut für Physik der Universität Rostock traditionell zum Anlass nahm, ein besonderes wissenschaftliches Kolloquium zu veranstalten.

„Unser Weltgetriebe ist nicht perfekt synchronisiert“, erklärte Dr. Thomas Bornath zu Beginn der Veranstaltung im Institut für Physik. Ein normales Jahr hat 365 Tage, jedoch braucht die Erde noch einen Vierteltag mehr für die Umrundung der Sonne, weshalb alle vier Jahre ein zusätzlicher Tag auf dem Kalender steht. Bornath erklärte jedoch auch, dass diese Rechnung nicht hundertprozentig aufgeht und wir somit im Jahr 4800 erstmals kein Schaltjahr begehen können.

Professor Eberhard Gerdes
Professor Eberhard Gerdes

Das Interesse war sehr groß, was ja verständlich ist, wenn man vier Jahre seit dem letzten Schaltjahreskolloquium warten musste. Wissenschaftler, Studenten und Interessierte drängten sich in dem Hörsaal dicht zusammen und trotzdem mussten noch einige Gäste auf dem Flur stehen.

Im Ersten der sieben Beiträge schilderte Prof. Eberhard Gerdes, dass es nicht immer so voll war. 1952, beim ersten Kolloquium dieser Art, waren es nur vier Professoren, neun Assistenten und einige Diplomanden. Der Professor ließ die letzten 60 Jahre Revue passieren, und für Nichtphysiker war es nicht ganz leicht, zu folgen. Es ging um Vierfruchtbrotaufstriche, Exzellenzförderung, Mirkrosatelliten und Gespräche mit Gorbatschow für neue Tapeten. Am Ende schaute er auch noch einmal in die Zukunft, in Richtung des Institutsneubaus, dem die Physiker erwartungsvoll entgegensehen.

Thomas Bornath präsentiert den Finanzmarkt als Arbeitsfeld für Physiker
Thomas Bornath präsentiert den Finanzmarkt als Arbeitsfeld für Physiker

Auch die weiteren Vorträge waren zum Teil sehr schwer zu verstehen, wenn man nicht viel von Physik verstand, was jedoch bei einem wissenschaftlichen Kolloquium ganz normal ist. Zwar blickten die Forscher auch auf andere Gebiete des gesellschaftlichen Lebens, allerdings immer in Verbindung mit der Physik. So auch Thomas Bornath in seinem Vortrag „Geld und Antigeld – persönliche und andere Finanzkrisen im Lichte der Elementarteilchenphysik.“

Schaltjahreskolloquium 2012 am Institut für Physik der Universität Rostock
Schaltjahreskolloquium 2012 am Institut für Physik der Universität Rostock

Darin zeigte er, wie auch der Finanzsektor zum Arbeitsfeld von Physikern werden kann. „Ich verspreche ihnen, nach meinem Vortrag werden sie beide Welten mit ganz anderen Augen sehen“, kündigte er zu Beginn an. Und die Gäste waren wirklich begeistert, was viele spontane Jubelausbrüche im Publikum bewiesen. Besonders eine physikalische Erklärung des Rücktrittes des ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff mit einem Artikel aus der SchrödingerBILD sorgte für viele Lacher im Hörsaal.

Chris Lappe und Hannes Sobottka
Chris Lappe und Hannes Sobottka

Zwei Programmteile wurden auch von Studenten gestaltet. Chris Lappe und Hannes Sobottka hatten sich für ihren Vortrag etwas Besonderes überlegt. Sie zeigten ein physikalisches Kabarett, „quasifrei nach Herricht und Preil“. Hannes, der das Programm der beiden schrieb, entdeckte die beiden DDR-Komiker in einem Internetvideo und hatte die Idee, ihre Nummer „Mückentötolin“ auf die Physik zu übertragen. „Es ist aber schon rein akademischer Humor, wenn man nichts von Physik versteht, kriegt man einen Großteil der Witze nicht mit“, erzählt Chris. Die beiden Masterstudenten waren auch schon vor vier Jahren beim Schaltjahreskolloquium, wo es gefühlt nicht so voll gewesen sei.

Das nächste Schaltjahreskolloquium findet logischerweise in vier Jahren statt und die Physiker hoffen, dass dann der Neubau ihres Instituts in der Südstadt schon fertig ist und man die Gäste in einem ganz neuen Hörsaal begrüßen kann.

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1 Kommentar

  • Erhardt Liehr sagt:

    Den Organisatoren des Schaltjahreskolloquiums ein großes Kompliment. Es hat Spaß gemacht, dabei gewesen zu sein und es war auch ein schönes Gefühl vortragen zu dürfen.

    Wünschen wir uns allen den Fortbestand dieser Tradition, wenn auch die einmalige Kulisse des „Großen Hörsaals“ im neuen Institut vielleicht etwas fehlen wird.

    Erhardt Liehr

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