13. Shanty-Treffen zur Warnemünder Woche 2011

Insgesamt sieben Shanty-Chöre geben unterm Warnemünder Leuchtturm alte und neue Seemannslieder zum Besten

9. Juli 2011, von
Luv un Lee eröffnen als erster Shanty-Chor das 13. Warnemünder Shantytreffen
Luv un Lee eröffnen als erster Shanty-Chor das 13. Warnemünder Shantytreffen

Seemannslieder, sogenannte Shantys, haben eine sehr lange Tradition. Was früher ein Zeitvertreib während der Arbeit und die Verarbeitung von Erlebtem war, ist heute nur noch ein Hobby. Aber eines, das überall auf der Welt und auch in ganz Deutschland praktiziert wird. „Es gibt Shanty-Chöre in München, Österreich oder den USA“, räumt einer der Hauptorganisatoren, Dietmar Bellmann, ein klassisches Vorurteil aus dem Weg.

Die meisten Menschen denken bei Seemannsliedern vermutlich nur an Norddeutschland. Verständlich, bei den vielen Hafenstädten an der Nord- und Ostseeküste. Und auch die Texte, die etwa von Hamburg oder den Erlebnissen auf dem Meer handeln, lassen diesen Gedanken nahe liegen. Beim heutigen Warnemünder Shantytreffen ist jedoch ein Chor vom zweitgrößten Binnenhafen Deutschlands vertreten: die Mannheimer „Neckarmöwen“. Auch wenn sie als „Seefahrer“ aus Baden-Württemberg oft belächelt werden, ist das Shantysingen für sie eine Selbstverständlichkeit. Selbst gedichtete Liedtexte handeln daher auch nicht von den großen Weltmeeren, sondern von den Dampfern auf schwäbischem Gewässer und dem „Neckarstrand“.

Nicht nur die Singstimmen, sondern auch die traditionellen Begleitinstrumente sind beim Shanty wichtig
Nicht nur die Singstimmen, sondern auch die traditionellen Begleitinstrumente sind beim Shanty wichtig

Das Shanty-Chor-Treffen ist ein traditioneller Programmpunkt der Warnemünder Woche. Jedes Jahr dürfen sieben Gesangsvereine auftreten. Zwei davon stehen schon vor Eingang der Bewerbungen aus ganz Deutschland fest: die beiden Lokalgrößen „De Klaashahns“ (Warnemünde) und „Luv un Lee“ (Rostock). Dass es jedes Jahr genau sieben Chöre sein müssen, hat übrigens einen Grund. „Die magische Zahl für Rostock ist die Sieben und die wollen wir aufgreifen“, erklärt Jörg Bludau, Organisator des Treffens.

Noch ein zweites Vorurteil konnte an diesem Tag widerlegt werden, nämlich, dass Shanty-Chöre nur aus Männern bestehen würden. In vielen Gesangsgruppen sind zwischen den „Seemännern“ auch „Seefrauen“ zu entdecken. „So wie es heute Frauen in der Marine gibt, gibt es auch Frauen in den Chören“, berichtet Bellmann, der lange Zeit Chorleiter bei „De Klaashahns“ gewesen ist. Im nächsten Jahr wird vermutlich der „Damen-Shanty-Chor“ aus Cuxhaven auf der Warnemünder Woche auftreten. Bis jetzt gibt es in Deutschland keinen zweiten Chor mit ausschließlich weiblichen Mitgliedern.

Beim großen Finale stehen alle Shantychöre vor und auf der Bühne
Beim großen Finale stehen alle Shantychöre vor und auf der Bühne

Auch wenn man bei dem Zusammentreffen der Chöre aus unterschiedlichen Regionen einen Konkurrenzkampf vermuten könnte, ist das Shantytreffen kein Wettbewerb. Um dies zu zeigen, sollen die Chöre nicht nur nacheinander, sondern zum großen Finale auch gemeinsam singen. Dieser Programmteil ist einzigartig in ganz Deutschland und lockt zum Abend hin noch einmal viele Zuschauer an.

Auch das Publikum wird von der guten Stimmung der Gesangsvereine angesteckt
Auch das Publikum wird von der guten Stimmung der Gesangsvereine angesteckt

Spätestens bei dem Shanty-Klassiker „Sierra Madre del Sur“ kommt beim ohnehin schon begeisterten Publikum Schunkelstimmung auf. Auch Moderator Horst Marx vermutet, dass „Menschen, die sich eben noch nicht kannten, sich nun in den Armen liegen“.

Denn neben der Tradition ist beim Shantysingen vor allem die Gemeinschaft wichtig. Früher der Zusammenhalt der Seeleute, heute die Einheit des Chores und die Begeisterung der Zuhörer. „Man will die Menschen mit den Liedern erreichen“, sagt Dietmar Bellmann, der zum finalen Gruppengesang die sieben Chöre dirigiert.

Und um das umzusetzen, schwingt der ein oder andere auch schon einmal das Tanzbein mit einer Frau aus dem Publikum oder stellt sich zwischen die schunkelnde Menge.

Und nicht nur die Touristen werden heute sehr erfreut darüber gewesen zu sein, bei ihrem Urlaub an der Ostseeküste etwas (vermeintlich) typisch Norddeutsches erlebt zu haben.

Fotos vom 13. Shanty-Treffen 2011 in Warnemünde:

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