Kultur in der Universitätsstadt Rostock

Studierendenschaft erhöht Beitrag und kann so Kulturförderung beibehalten

18. November 2010, von

Was ist eigentlich Kultur? Es gibt keine allgemeingültige Definition für den Begriff. Die UNESCO bezeichnet Kultur als Gesamtheit der einzigartigen geistigen, materiellen, intellektuellen und emotionalen Aspekte, die eine Gesellschaft oder eine soziale Gruppe kennzeichnen. Der niederländische Wissenschaftler Fons Trompenaars definiert: „Ein Fisch spürt erst dann, dass er Wasser zum Leben braucht, wenn er nicht mehr darin schwimmt. Unsere Kultur ist für uns wie das Wasser für den Fisch. Wir leben und atmen durch sie.“

In einem sind sich die unterschiedlichen Definitionen von Kultur jedoch einig – darin, dass es sich um ein wichtiges Gut der Menschheit handelt. Und auch wenn Rostock manchmal auf dem Gebiet ein wenig hinterherhinkt, gibt es doch zweimal im Jahr Kultur konzentriert – in Form der Kulturwoche. Was viele jedoch nicht wissen, ist, dass es sich bei der Kulturwoche um eine Aktion der Studierendenschaft der Universität handelt. Darum hier auch erst noch mal ein kurzer Exkurs in Sachen studentische Selbstverwaltung.

Eine Sitzung des StudentINNenrats in der Ulmenstraße
Eine Sitzung des StudentINNenrats in der Ulmenstraße

Einmal im Jahr wählen die 15000 StudentInnen der Hochschule ihre Vertretung, den StudentInnenrat, kurz StuRa, sozusagen das Parlament. Der StuRa wählt dann den Allgemeinen Studierendenausschuss, kurz AStA. Der AStA stellt die Regierung der StudentInnen dar. Er ist in einzelne Referate aufgeteilt, die sich mit den Belangen der Studenten beschäftigen.

Nachdem der neue AStA gewählt wurde, stand der StuRa auf seinen letzten Sitzungen vor einer ersten großen Herausforderung – dem Haushalt für das nächste Jahr. Dabei merkte man aber auch schon auf der Sitzung, dass die Studierendenschaft ihre Außenwirkung verbessern will. Die Sitzung wurde öffentlich abgehalten und dies soll auch weiterhin passieren, um eine zeitnahe Berichterstattung zu ermöglichen.

Die missliche Lage in der Haushaltsdebatte war, dass ein komplett ausgeglichener Haushalt hermusste. Mit den bisherigen fünf Euro, die jeder Studierende mit dem Semesterbeitrag zahlt, war dies nicht möglich. Daher wurde beschlossen, den Beitrag auf sieben Euro pro Semester zu erhöhen. Diese Entscheidung wurde jedoch nicht auf die leichte Schulter genommen. Zwei Sitzungen waren nötig, eine bis 3:50 Uhr nachts und eine bis 2:30 Uhr, um alle Bedenken und Unklarheiten soweit aus dem Weg zu räumen, dass Haushalt und Beitragsordnung beschlossen werden konnten.

Ohne die Erhöhung bestand die Gefahr einer Haushaltssperre, durch welche die Studierendenvertretung fast handlungsunfähig gemacht worden wäre. Nur so können auch weiterhin studentische Medien und Interessen vertreten, soziale Belange diskutiert und Kultur gefördert werden. Für Letzteres ist im AStA in dieser Wahlperiode Kulturreferentin Caroline Heinzel zuständig.

Daniel Karstädt und Kulturreferentin Caroline Heinzel
Daniel Karstädt und Kulturreferentin Caroline Heinzel

Die 21-Jährige studiert im fünften Semester Politikwissenschaft und Anglistik. Die Studentin findet das kulturelle Angebot der Stadt ausbaufähig. „Es wiederholt sich einfach zu oft oder ist für Studenten zu teuer.“ Darum will sie auch in ihrem Referat weiterhin Möglichkeiten schaffen, dass Studenten am kulturellen Leben der Stadt teilnehmen und es auch selbst aktiv mitgestalten. So ist zum Beispiel schon ein studentischer Kunst- und Handwerksmarkt geplant und auch Ausstellungen würde Caroline gern organisieren.

Im Zentrum des kulturellen Lebens sieht sie aber auch weiterhin die Kulturwoche. Dabei ist diese natürlich auch ans Landeshochschulgesetz gebunden. Oberste Regel ist: „Von Studierenden, für Studierende und mit Studierenden.“ Und doch ist es wichtig, nicht nur Studenten als Publikum zu gewinnen. „Für mich ist die Kulturwoche eine Brücke zur Stadt. Die Studierendenschaft steht zwar im Zentrum, sie soll sich aber nicht abschotten“, sagt die Referentin. So seien auch externe Künstler wichtig, um den StudentInnen Möglichkeiten für Inspiration und Austausch zu geben. Außerdem wird durch die Kulturwoche auch die Außenwahrnehmung der Studierenden in Rostock gestärkt.

Das bestätigt auch Erfinder und Organisator Daniel Karstädt. Der Student, der jedoch hauptsächlich eine kleine Veranstaltungsfirma leitet, war auch in diesem Jahr wieder sehr zufrieden mit den zwei Kulturwochen. Jetzt im Herbst waren wieder 12 von 15 Projekten ausverkauft. „Wir haben eine Auslastung von 90 Prozent und es gab nur positiven Rücklauf in diesem Jahr. Das Konzept ist voll aufgegangen“, sagt Karstädt. Die Kulturwoche war 1999 sein Einstiegsprojekt als Kulturreferent des AStAs. Die längste Tradition hat dabei die Südamerikanische Nacht, die mit 1500 Besuchern im Jahr 2001 auch noch den Besucherrekord hält. Das größte Gastspiel in der Hansestadt war im Jahr 2006 Kurt Krömer. 1200 Leute sahen seinen Auftritt in der Scandlines Arena. Doch gab es natürlich auch Rückschläge. „Mein größter Misserfolg war die Wahl zum Mr. und Ms. Rostock. Zwar wollten wir hauptsächlich universitäre Kategorien abfragen, jedoch wurde schon während der Planung der Widerstand zu groß, das Projekt sei zu sexistisch.“

23. Kulturwoche des AStA Rostock
23. Kulturwoche des AStA Rostock

Doch wie geht es jetzt weiter mit der Kulturwoche? Durch den geretteten Haushalt wird es auch weiterhin Gelder für die Kulturwoche geben. Diese wird öffentlich ausgeschrieben und dann wird vom StuRa entschieden, wer sie organisieren wird. Und natürlich wird sich auch Daniel Karstädt wieder bewerben und durch seine große Erfahrung hat er gute Chancen, wiedergewählt zu werden. Danach muss jedoch noch das genaue Konzept vorgelegt werden – alles Schritte, die viel Zeit kosten. Auch mangelt es laut Karstädt an der Unterstützung durch die Universitätsleitung und die Stadt. Zwar bezahlt die Universität 500 Euro für Werbung, doch gibt es kaum logistische Unterstützung. Von der Stadt gibt es gar keine Mittel und das, obwohl die Kulturwoche eins der kulturellen Aushängeschilder von Rostock ist.

Egal, welche Definition für Kultur man anwendet, eins steht fest. Durch die Kulturwoche und die Kulturveranstaltungen der Studierendenschaft generell wurde der Kulturbegriff entstaubt. Und, um es mit den Worten von Daniel Karstädt zu sagen, muss man: „Einfach mal etwas Neues wagen und etwas Neues machen, um etwas Neues zu erleben!“

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