AStA der Uni Rostock – Rücktritt vom Rücktritt

AStA-Vorsitzender Christian Berntsen – ich gehe, ich gehe nicht …

26. Januar 2011, von

Er liebt mich, er liebt mich nicht, er liebt mich … – wie die Geschichte weitergeht, wissen wir alle aus unserem Kindergarten- bzw. neudeutsch Kita-Zeitalter. Es hängt davon ab, ob man das vierblättrige Kleeblatt zum Zupfen gefunden hat oder nicht.

Nun ist allerdings gerade Winter. Anfang Januar lag unsere schöne Hansestadt unter einer prachtvollen weißen Schneedecke und viel Grün war nicht zu entdecken. Irgendwie müssen in der Stadt aber wohl doch einige der beliebten Kleeblätter aufgetaucht sein, zumindest beim Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) der Uni Rostock.

Am 13. Januar erklärte Christian Berntsen, Vorsitzender des AStA, etwas überraschend seinen Rücktritt zum 9. Februar. Die Pressekonferenz war schon angekündigt, wurde jedoch verschoben und nun ist er da – der Rücktritt vom Rücktritt, das zweite Blättchen wurde sozusagen gezupft.

Doch von vorne: Anlass für diesen Schritt war ein Streit über die kulturellen Veranstaltungen an der Uni und das leidige Thema Geld. Bei der Sitzung des StudentInnenrates (StuRa) am 12. Januar kam ein Angebot auf den Tisch, mittels Promotion das Budget für das Campuserwachen im Frühling um etwa 1.000 Euro zu entlasten.

Christian Berntsen (Archiv)
Christian Berntsen (Archiv)

Problem an der Sache? Es handelt sich um Tabakwerbung – zwei Promoter sollten beim Campuserwachen für die Zigarettenmarke Lucky Strike werben. Trotz einiger Bedenken stimmte der StuRa mit knapper Mehrheit für den Vorschlag. Vielleicht hatte man hier den Eindruck, die Studenten wären reif genug, um sich von derartiger Werbung nicht mehr beeinflussen zu lassen.

Da Tabak- und Alkoholwerbung an der Uni Rostock nicht gestattet sei, sah sich Berntsen nach eigener Aussage weder willens noch in der Lage, den Beschluss mitzutragen.

Nun mag dies tatsächlich der Anlass für den Rücktritt gewesen sein, wohl aber kaum der wirkliche Grund. Wurde der Beschluss zur Tabakwerbung durch den StuRa doch lediglich vorbehaltlich der Prüfung durch das Rektorat gefasst und hat es bislang nur bis zum Justiziariat geschafft.

Um Geld ging es auch bei einem weiteren Problem. Das Landeshochschulgesetz schreibt vor, dass Gelder der Studierendenschaft „Von Studenten, Für Studenten, Mit Studenten“ einzusetzen sind. Der AStA-Vorsitzende sah ein Problem darin, dass Studenten bei der kommenden Kulturwoche nicht genug Vorteile bekämen. So wurde etwa über einen Eintritt beim Poetry Slam diskutiert – im Gespräch waren ein bis drei Euro für Nicht-Studenten – doch letztendlich entschied der StuRa, die Veranstaltung mit der langen Tradition weiterhin eintrittsfrei zu belassen.

Es kriselt wohl mächtig hinter den Kulissen, innerhalb des StudentInnenrates ebenso wie zwischen AStA und StuRa. Ein wenig kommt man sich an der Rostocker Uni vor wie in der ‚großen‘ Lokalpolitik – die Bürgerschaft beschließt, der Oberbürgermeister sieht einen Rechtsbruch, geht in Widerspruch, die eigentliche Arbeit bleibt liegen.

Da traf es sich gut, dass am Freitag das Richtfest fürs neue Hörsaalgebäude der Uni Rostock gefeiert wurde und die noch größere Prominenz der Landespolitik zugegen war. Nicht nur Bauminister Volker Schlotmann (SPD) und sein Amtskollege Henry Tesch (CDU) aus dem Kultusministerium zeigten, wie man auch über Parteigrenzen hinweg konstruktiv zusammenarbeiten kann.

Christian Berntsen, Mathias Brodkorb und Wolfgang Schareck im Gespräch
Christian Berntsen, Mathias Brodkorb und Wolfgang Schareck im Gespräch

Auch Mathias Brodkorb, bildungspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, nutzte die Chance für ein paar klärende Worte mit dem AStA-Vorsitzenden – von „vertragen“ und „entschuldigen“ war hier die Rede. Nun also der Rücktritt vom Rücktritt.

Friede, Freude, Eierkuchen herrschte dann auch bei der heutigen StuRa-Sitzung. Böse Zungen mögen behaupten, dass Probleme mal wieder unter den Tisch gekehrt wurden. Im Ergebnis lehnt der StuRa das Rücktrittsgesuch von Berntsen ab – „aufgrund der bisherigen guten und konstruktiven Zusammenarbeit“, wie es heißt.

Gleichzeitig bekennt sich der StuRa zu Punkten, die eigentlich selbstverständlich sein sollten – etwa ungeachtet persönlicher Interessen zu wirken, es nicht zu persönlichen Argumentationen kommen zu lassen, die Arbeit der AStA-Mitglieder zu schätzen und zu respektieren und sich klar zu geltenden Satzungen, Ordnungen und Gesetzen zu bekennen.

Für morgen um 10 Uhr ist – mal wieder – eine Pressekonferenz angesetzt und Christian Berntsen wird demnach bleiben. Wahrscheinlich, denn die Nacht ist noch lang und das Kleeblatt hat noch ein Blatt, mindestens eins …

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