Tanzwut supp.: Vogelfrey

Am 28. April 2012 sind die Berliner Spielleute im Rostocker MAU Club zu Gast

Tanzwut kommen am 28.04.2012 in den Rostocker MAU Club
Tanzwut kommen am 28.04.2012 in den Rostocker MAU Club

Mitte des 14. Jahrhunderts reckte die Pest ihre knochige Hand gen Europa. Auf einem fahlen Pferd trabte der schwarze Tod durch die Lande und raffte das Volk dahin – ohne Ansehen der Person. Niemand ahnte, dass der Teufel im Detail steckte. Ein Flo als Urheber der herannahenden Apokalypse? Undenkbar! Da mussten ganz andere Mächte im Spiel sein.

Entsprechend heftig fielen die Reaktionen aus: Während sich die einen in Entsagung und Selbstkasteiung auf das Jenseits vorbereiteten, verließen die anderen Haus und Hof, um im Angesicht des Untergangs noch einmal so richtig zu feiern. Diese Fraktion prägte auch das Phänomen der Epilepsia Saltatoria, der Tanzwut.

Es bereitet wenig Kopfzerbrechen zu erraten, auf welcher Seite die Berliner Spielleute gleichen Namens damals zu finden gewesen wären. Natürlich hätten sie den euphorisierten Tänzern aufgespielt, wie sie es auch heute tun. Mit Erfolg: Der Begriff Tanzwut steht anno 2011 weniger für ein historisches Phänomen, als für eine phänomenale Erscheinung der Musikszene. 1999 gegründet, zählt das Septett zu den Pionieren in Sachen Verschmelzung von mittelalterlichen Instrumenten und Rock’n’Roll. Dudelsäcke, Schalmeien, E-Gitarren und Elektronik verbinden sich zu einer brodelnden Mixtur aus Teufels Küche, die die Sinne weckt und die ideale Begleitmusik ist, um die Nacht zum Tage zu machen. Nicht umsonst fand sich auf dem letzten Album "Schattenreiter" mit "Immer noch wach" ein Loblied auf das ausgedehnte Feiern und durchzechte Stunden, die der Franzose „Les nuits blanches“ und der Italiener „Le notti bianche“ nennt: Weiße Nächte.

Ist „Weiße Nächte“ ein Neubeginn? Ja und nein. Schon der Blick aufs Line-up zeigt, dass Fortbestehen und Wandel hier Hand in Hand gehen. Sackpfeifer Ardor und Gitarrist Martin Urasvan sind allen langjährigen Tanzwut-Begleitern bereits ein Begriff, Keyboarder und E-Drummer Jagbird ist ein Weggefährte Teufels aus alten Tagen. Der Zwilling am Bass und Schlagzeuger Shumon sind Neuzugänge mit Banderfahrung, Thrymr am Dudelsack verkörpert als jüngstes Bandmitglied gar die nächste Generation. Gemeinsam aber ist allen Sieben die Passion für ihre Musik. Wenn die Bühne ruft, heißt es: "Folge deinem Herzen". Hinaus auf die Bretter, die für Tanzwut die Welt bedeuten.

Vogelfrey – Hinter diesem Namen verbirgt sich eine raffinierte und eigenständige Mischung aus Mittelalter, Folklore, Rock und Metal, kurz und bündig Folk Metal genannt. Im Frühjahr 2004 in Bergedorf gegründet, hat sich das dynamische Sextett mittlerweile schon ein paar Jahre durch die Bühnen Deutschlands gespielt.

Das gleichermaßen ekstatisch getrommelte und druckvoll geknüppelte Schlagzeug Dominiks in Verbindung mit Chris‘ groovenden und wummernden Basslines und Dennis‘ peitschenden Gitarrenriffs, sowie flinken Licks und Soli, gepaart mit sanften, melodisch-anspruchsvollen Melodiebögen der Cellistin Johanna sowie des Geigers Alex und den nahezu aggressiven Rauschpfeifentönen neben der ausdrucksstarken Stimme von Frontmann Jannik, all dies ist Vogelfrey. „Selbst die Inquisition singt uns’re Lieder schon!“ Die Konzerte der Band bekommen durch stilgerecht altertümlich-anmutende Kleidung und unterhaltsame Showeinlagen den richtigen Flair. Lyrische Texte, ob melancholisch, heiter, finster oder nachdenklich, geben der Musik die zusätzliche Würze. Bei dieser Band weiß man nie, was als nächstes kommt und nicht nur alteingesessene Freunde dieses Genres kommen auf ihre Kosten. Geschickt werden Elemente verschiedenster Stilrichtungen in den unverkennbaren Sound Vogelfreys integriert. Ob stampfend-treibender Metal, sanft-mystische Ballade, straighte Rocknummer oder powergeladener Folk-Punk, alles ist möglich. Mit ihrer offenherzigen Vielfalt konnten die Mittelalter-Rocker auch schon viele Besucher in ihren Bann schlagen, die mit dieser Richtung bisher noch so gar nichts anfangen konnten. Wie es in einem der Songs heißt: „Denn an dieser, uns’rer Tafel, ist für jeden ein Platz frei! Mit Geigenklängen und Geschwafel ist die Zeit des Wartens schnell vorbei! Es gibt Feenfleisch!!!?“

  • 28. April 2012 20:00 Uhr, MAU Club

Quelle: MAU Club

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