Literarisches Leben in den neuen Bundesländern

Vorstellung und Diskussion der Studie im Literaturhaus

22. Februar 2010, von
Auswertung der Studie im Literaturhaus Rostock
Auswertung der Studie im Literaturhaus Rostock

Lesen und Schreiben sind für jeden Menschen Grundvoraussetzungen für sein späteres Leben und werden daher schon von früh an geschult und geübt. Leider wird der Umgang mit der eigenen Sprache aber schnell als selbstverständlich erachtet und die weitere Vertiefung damit vernachlässigt.

Im Zeitalter von Handy und Internet spielt korrekte Sprache nur noch eine untergeordnete Rolle, da SMS und Chats ihr übriges tun, um Rechtschreibregeln aus den Köpfen der Kinder und Jugendlichen zu verbannen.

Diskussionsrunde im Peter-Weiss-Haus Rostock
Diskussionsrunde im Peter-Weiss-Haus Rostock

Mit dieser Problematik setzt sich auch die „Studie zur Literaturvermittlung in den fünf neuen Bundesländern zu Beginn des 21. Jahrhunderts“ auseinander. Die durchaus kontroverse Studie wurde Anfang 2009 vom Netzwerk der Literaturhäuser in Auftrag gegeben und von Prof. Stephan Porombka und Kai Splittgerber erarbeitet.

Im Rahmen des Projektes „Literaturhäuser in Ost und West“ wurden dabei die Literaturszene der neuen Bundesländer und die Entwicklungsmöglichkeiten der Literaturhäuser erforscht. Die Ergebnisse dieser Forschung wurden nun in der 114-seitigen Studie präsentiert und in drei öffentlichen Veranstaltungen von den Verfassern vorgestellt.

Anett Hauswald vom Koeppenhaus
Anett Hauswald vom Koeppenhaus

Nicht nur in Berlin und Dresden, sondern auch im Peter-Weiss-Haus Rostock fand eine solche Diskussionsrunde statt. Neben den beiden Verfassern Prof. Stephan Porombka und Kai Splittgerber nahm Bernd Kalauch vom NDR auf dem Podium Platz, um die Moderation zu übernehmen.

Zur aktiven Teilnahme an der Auswertung der Studie waren vor allem Autoren und Mitarbeiter der Literaturzentren aus dem ganzen Bundesland angereist. Aber auch Manfred Keiper von der „anderen Buchhandlung“ und Dr. Enoch Lemcke vom Bildungsministerium waren sich nicht zu schade dafür, sich an der Diskussion zu beteiligen.

Reiner Mnich und Katinka Friese vom Literaturhaus Rostock
Reiner Mnich und Katinka Friese vom Literaturhaus Rostock

Laut der veröffentlichten Studie gäbe es zwar viel Potential und Engagement in den Literaturhäusern, dank der Unterfinanzierung sei die Ausstattung aber erschreckend und das Reservoir an Ideen und Möglichkeiten könne nicht voll ausgeschöpft werden.

Diese Unterfinanzierung käme vor allem dadurch zustande, dass unser Bundesland sehr reichhaltig an Kultur sei und das wenige vorhandene Geld an sehr viele Institutionen verteilt werden müsse. Dadurch können diese gerade so am Leben gehalten werden, neue bewegende Projekte könnten aber nicht entwickelt werden. Gerade die Bewegung wäre heutzutage aber wichtig, damit die Literatur medientechnisch bestehen bleiben könne.

Matthias Brodkorb
Matthias Brodkorb

Anett Hauswald aus dem Koeppenhaus in Greifswald sieht die Lösung der Unterfinanzierung darin, die Förderung „fairer“ zu verteilen.

Ihrer Ansicht nach würden „Prestige-Objekte“ und Großveranstaltungen für Touristen finanziell wesentlich großzügiger unterstützt als die kulturellen Veranstaltungen für Einheimische. Dr. Enoch Lemcke widerspricht dem allerdings heftig und versichert, dass für die Literaturhäuser schon das Möglichste getan werde.

Buchhändler Manfred Keiper und Autor Klaus Meyer
Buchhändler Manfred Keiper und Autor Klaus Meyer

Manfred Keiper versteht Literatur als Kritik und Widerstand, die von der Obrigkeit natürlich mit Misstrauen betrachtet werden.

Je besser Kinder lesen könnten, desto stärker könnten sie sich später an der Demokratie beteiligen und die eigene Zukunft aufbauen. Lesen wäre also ein Kampf gegen die Perspektivlosigkeit.

Leider ist Lesen wie auch Schreiben eine einsame Tätigkeit, die sich schlecht verkaufen lässt und gegenüber den anderen Künsten ziemlich unattraktiv aussieht. Um dem entgegen zu wirken, müsste eine Vernetzung der Literaturhäuser mit anderen Institutionen stattfinden und die Kooperationsmöglichkeiten so besser ausgeschöpft werden.

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3 Kommentare

  • FRank sagt:

    Dieser Artikel reizt mich zu zwei / drei Bemerkungen…

    Faire Verteilung
    – Eine faire Verteilung der Mittel mit der Gießkanne führt im heißen Sommer dazu, dass die meisten zarten Pflänzchen ganz basisdemokratisch verdursten.
    – Gleichzeitig muss aufgepasst werden, dass nicht versucht wird jedes Angebot an jedem Stand zu fördern, wenn klar ist, dass die Bevölkerungsentwicklung sich mit und ohne Förderung gegen den Standort entscheidet und entschieden hat. Dann ist es wichtiger zu versuchen, die Menschen zur Kultur oder die Kultur zu den Menschen zu bringen und sei es endlich mit DSL u.a.
    – Es gibt etliche Studien und Arbeiten, die sich massiv für die Förderung von Leuchtturmprojekten aussprechen und zwar zu Ungunsten einer fairen Verteilung. Lieber Qualität als Masse ;-)

    Lesen und Schreiben ist wichtig!!!
    Ich kenne aber kein „massenwirksames“ Projekt eines Literaturhauses für Kinder oder Jugendliche. Da kenne ich eher Rundfunkprojekte, die Kinder und Jugendliche auffordern Märchen und Geschichten einzusenden. Dieses ganze mit Beteiligung von Schulen und Schlafsackparties und im Rundfunk sowie vor Ort werden die besten eingesandten Projekte vorgelesen. Warum nicht wie die OZ, die für Kinder das Projekt Zeitung gemeinsam mit anderen Unternehmen erlebbar machen.
    Aber vielleicht liegt dieses auch an meiner Wahrnehmung der Literaturhäuser.

    Wenn die Kinder und Jugendlichen mehr auf Chat & Co. stehen, warum nicht einen Blog als Projekt gemeinsam mit einem Literaturhaus als Projekt den Schulen anbieten.

    Hier vermisse ich bei den Literaturhäusern Angebote, Ideen…. Literatur ist mehr als ein 500seitiger Roman. Vielleicht muss bei manchen Literaturhaus auch mal die Trägerschaft wechseln, wie bei der Kunsthalle Rostock.

    Beste Grüße – FRank

  • Olaf sagt:

    Nun ja, mit ausreichend Wasser bekommt man doch aber auch die zartesten Pflänzchen groß und stark, oder Frank?

    Ich stecke da leider viel zu wenig in der Materie, um mir ein Urteil erlauben zu wollen, insbesondere was die (Unter)Finanzierung betrifft, weiß aber, dass mangelnde Finanzen und vor allem die Ungewissheit, ob und welche Mittel überhaupt kommen, etlichen Vereinen ganz schön zu schaffen machen.

    Beim Literaturhaus freue ich mich einfach über die schönen Veranstaltungen – auch wenn mir derzeit leider meist die Zeit fehlt. Immerhin kann ich hier ja hinterher lesen, was ich verpasst habe ;)

    Massenwirksam ist natürlich wieder ein dehnbarer Begriff und ob manchmal nicht eine „kleine Masse“ erstrebenswerter sein mag, sei auch dahingestellt. Aber wenn Du von Wettbewerben sprichst, so gab es erst kürzlich die Siegerehrung im Prosawettbewerb und zufällig diesen Freitag auch noch die Vorstellung der Preisträger des landesweiten philosophischen Literaturwettbewerbs.

    Was die etwas kleineren Leseratten betrifft, ist – wenn mich meine Erinnerung jetzt nicht täuscht – der am Montag ebenfalls anwesende Manfred Keiper sehr aktiv – mit Leserkoffern und Vorlesewettbewerben.

    Blogs? Klar! Immer! Da triffst Du ganz meinen Nerv. Wobei selbst da die Literaturhäuser mit dem Stadtschreiber-Projekt einen sehr interessanten Ansatz gezeigt haben. Mehr? Klar. Breiter? Klar! Öffentlichkeitswirksamer? Klar! Ob es die Mittel hergeben? Keine Ahnung.

    Was die Leuchtturmprojekte betrifft, bin ich immer sehr geteilter Meinung. Es gibt durchaus gute, die als Multiplikator wirken und ganz viel nach sich ziehen. Ebenso wird aber leider auch zu oft Geld verbrannt und das dann halt im großen Maßstab.
    Klar, das Beispiel hinkt (wie alle Beispiele), aber ich erinner mich noch daran, wie viele Touristen aus aller Welt der G8-Gipfel doch anlocken sollte. Nun, Heiligendamm wurde im Anschluss an das Treffen wohl nicht gerade überrannt und ob sich je ein Ami zur Grillstätte von Merkel und Bush nach Trinwillershagen verirrt haben mag? Ähnlich skeptisch sehe ich da geförderte Filmprojekte von Polanski & Co.

    Ich fürchte, über Kulturförderung könnte man unendlich viel schreiben und diskutieren – ein sehr komplexes Thema.

  • FRank sagt:

    Hallo Olaf,
    ja das Thema ist komplex. Danke für Deine Gedanken auf meinen Eintrrag. Es gibt mir einfach zu viele Beispiele für Einrichtungen, die wollen Bestandschutz ohne sich weiter zu entwickeln, ohne sich an veränderte Rahmenbedingungen anzupassen. Egal ob Literaturhäuser, Theater, Museen, Vereine…
    Dieses funktiniert nicht, schon gar nicht bei der Bevölkerungsentwicklung, der Entwicklung des Bruttosozialproduktes in MV in den nächsten Jahren …

    Für mich ist die Kunsthalle Rostock ein gutes Beispiel. Veränderungen durch private Initiative kann besser sein als Verwaltung durch Politiker, städtische Angestellte…

    So hat jeder meine Hochachtung, der etwas unternimmt, neue Weg sucht und ich mag keine Menschen, die nur auf Missstände hinweisen und mehr Geld fordern. Missstände zu erkennen ist der erst Schritt, warum folgt kein zweiter, keine Initiative, keine Vorschläge, keine Umsetzung … ohne weitere öffentliche Mittel.

    Beste Grüße – FRank

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