Kulturausschuss-Tagung im Peter-Weiss-Haus

Vorstellung und Konzept des Peter-Weiss-Hauses und des Literaturhauses Rostock

18. Juni 2010, von
Peter-Weiss-Haus an der Doberaner Straße
Peter-Weiss-Haus an der Doberaner Straße

Ungefähr ein Jahr liegt es zurück, dass ich zum ersten Mal vom Peter-Weiss-Haus gehört und es auch betreten habe. Beim damaligen „Tag des offenen Denkmals“ war mir das Gebäude nahe der Brauerei und dem Doberaner Platz überhaupt zum ersten Mal erst aufgefallen, davor war es wahrscheinlich irgendwie unscheinbar mit dem Hintergrund verschmolzen. Oder ich war immer viel zu sehr von der verfallenen Schönheit des Ankers direkt gegenüber eingenommen, um es zu bemerken.

Peter-Weiss-Haus Rostock
Peter-Weiss-Haus Rostock

Gestern Abend tagte dort der Kulturausschuss der Hansestadt Rostock. Auf der Tagesordnung stand neben Berichten über den Theaterneubau, das Literaturhaus und die Uwe Johnson-Gesellschaft auch eine Besichtigung des Peter-Weiss-Hauses, von dem ich mir natürlich besonders viel erhoffte.

Innenansicht Peter-Weiss-Haus
Innenansicht Peter-Weiss-Haus

Zu Beginn gab es dann gleich einen kleinen Dämpfer. Der Antrag auf den Neubau des Theaters musste erneut zurückgestellt werden, da die nötigen Gespräche noch nicht stattgefunden hatten. Na alles andere wäre jetzt auch wirklich ein wahres Wunder gewesen.

Frank Aßmann, geschäftsführender Vorstand des Peter-Weiss-Haus e.V., bekommt als erster Vortragender zunächst die Gelegenheit, das Gebäude und den Verein ausführlich vorzustellen.

Wechselnde Ausstellung im Peter-Weiss-Haus
Wechselnde Ausstellung im Peter-Weiss-Haus

Vor über 140 Jahren wurde das heutige Peter-Weiss-Haus einst als Ausflugslokal eröffnet und erfreute sich lange Zeit großer Beliebtheit. 1950 wurde es umbenannt in „Haus der Freundschaft zur Sowjetunion“ (HdF) und diente als gut genutzter Veranstaltungsort. 1977 fand die letzte Komplettrenovierung statt – der Flair dieser Zeit ist in vielen Teilen des Gebäudes noch unverkennbar, denn eine ganze Zeit lang war das Gebäude sich selbst und damit dem langsamen Verfall überlassen.

Diesen zu verhindern hat sich der 2008 gegründete Peter-Weiss-Haus e.V. zur Aufgabe gemacht. Ein überzeugendes Konzept zur zukunftsorientierten Nutzung wurde erarbeitet und das marode Gebäude größtenteils mittels Leih- und Schenkgaben gekauft.

Bücher von und über Peter Weiss
Bücher von und über Peter Weiss

In den inzwischen fast zwei Jahren der Übernahme hat sich sowohl innerlich als auch äußerlich viel im Peter-Weiss-Haus getan.

Die Hälfte der Fläche wird an gemeinnützige Vereine vermietet, wie Soziale Bildung e.V., SoBi OKJA (offene Kinder- und Jugendarbeit) und den Bund Deutscher PfadfinderInnen MV. Die Mieteinnahmen werden für den Betrieb und die Instandsetzung des Gebäudes verwendet.

Auch einige sorgfältig ausgesuchte gewerbliche Mieter dürfen in das Peter-Weiss-Haus einziehen. In diesem Zusammenhang ist in der ehemaligen Garderobe im Erdgeschoss der Bau einer Buchhandlung geplant, welcher teilweise sogar schon begonnen hat. Da Nutzung und Instandsetzung des gesamten Hauses aus Kostengründen allerdings parallel ablaufen müssen, ist der Umbau nur schrittweise möglich und wird sich wohl noch über die nächsten Jahre hinziehen.

Großer Freigarten Peter-Weiss-Haus
Großer Freigarten Peter-Weiss-Haus

Ein weiterer Mieter des Peter-Weiss-Hauses ist das Literaturhaus, über dessen Veranstaltungen dort wir ja bereits in Hülle und Fülle berichten konnten. Der Verein des Literaturförderkreises feiert im Oktober sein 20. Jubiläum und plant bereits die Finanzierung dieser Geburtstagsfete.

Eingangsbereich Peter-Weiss-Haus
Eingangsbereich Peter-Weiss-Haus

Seit 2000 war dieser Verein im Kuhtor angesiedelt, seit 2008 ist er Mitglied im Netzwerk der deutschsprachigen Literaturhäuser. Zum Jahreswechsel 2009/2010 fand der Umzug ins Peter-Weiss-Haus statt, wodurch sich dem Verein mehr Räumlichkeiten und Platz für seine zahlreichen Veranstaltungen bieten. Neben Lesungen und Aktionen (z.B. die Plakat-Aktion „Poesie in die Stadt“) wird auch Nachwuchs- und Leseförderung angeboten und gut angenommen.

Zum Schluss des Kulturausschusses stand schließlich noch die ersehnte Führung durch die Räumlichkeiten statt. Auch hier gab es sofort einen Dämpfer meiner Euphorie: Der geheimnisvolle Keller und das Obergeschoss waren vom Rundgang ausgeschlossen. :-(

Peter-Weiss-Haus
Peter-Weiss-Haus

Einiges Neues gab es trotzdem zu sehen. Im großen Freigarten, dem größten der Hansestadt, fand gerade Public Viewing statt, das auf reges Interesse stieß. Drinnen konnte man dagegen die eine oder andere Baustelle bewundern und auf große Veränderungen hoffen. So sollen im verborgenen Keller und auch im mysteriösen Obergeschoss Beherbergungen für Gäste errichtet werden, die den hohen Bedarf an Unterbringung (Seminare, Lesungen, …) decken sollen.

Im früheren Restaurant und der Großküche im hinteren Gebäudeteil soll wahrscheinlich noch in diesem Jahr ein gemütliches Café mit Bar entstehen, das zum Verweilen einlädt. Wenigstens dieser Teil war für die Besichtigung zugänglich und ließ mit viel Fantasie schon einiges erahnen.

Die letzten zwei Jahre waren für das Peter-Weiss-Haus bereits eine anerkennenswerte Erfolgsgeschichte. Hoffen wir, dass das geplante Konzept aufgeht und die Rostocker noch viel Freude im ehemaligen HdF haben werden.

Schlagwörter: DDR (22)Kultur (39)Literaturhaus (90)Peter-Weiss-Haus (65)Uwe-Johnson-Gesellschaft (8)

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