10. Rostocker Klaviernacht in der HMT

Junge Pianisten der HMT boten ein abwechslungsreiches Programm

16. Mai 2010, von
10. Klaviernacht in der HMT
10. Klaviernacht in der HMT

Chopin? Liszt? Haydn? Berühmte Komponisten waren das. Ja. Aber viel mehr wusste ich bisher, man möge es mir verzeihen, leider nicht. Klaviermusik, die mag ich. Aber ein klassisches Stück habe ich mir, heute tut es mir unsagbar leid, kaum einmal angehört. Gestern konnte ich in der Rostocker Hochschule für Musik und Theater all diese Defizite ins Gegenteil verkehren und den wundervollen musikalischen Darbietungen junger Klaviervirtuosen lauschen.

Zur selben Zeit, als Werder Bremen in Berlin gegen Bayern München um den Pokal spielte und wahrscheinlich halb Deutschland daheim vor dem Fernseher saß, fand im Katharinensaal die bereits 10. Klaviernacht statt.

Als ich die Kreuzgänge des altehrwürdigen Gebäudes betrat, herrschte dort schon reges Treiben. „Der Saal wird wohl voll werden“, dachte ich. Erwartungsvoll setzte ich mich in eine der vielen Sitzreihen und freute mich auf das mir in den nächsten Stunden zuteilwerdende Klangerlebnis.

Was es mit dem kleinen Zettel, den ich beim Eintritt in die Hand gedrückt bekommen hatte und den vielen Namen, die darauf standen, auf sich habe, erklärte Prof. Matthias Kirschnereit. Zunächst aber begrüßte er alle Anwesenden herzlich.

Prof. Matthias Kirschnereit
Prof. Matthias Kirschnereit

Dann erfuhr ich, das Papierchen mit den vielen darauf gedruckten Namen sei ein Stimmzettel. Die Klaviernacht werde nämlich durch einen kleinen Wettbewerb begleitet. Die vielen Namen gehören den Pianistinnen und Pianisten. Und mir, wie dem gesamten Publikum, wurde nun die schwierige Aufgabe zuteil, Kreuzchen auf dem Zettel zu vergeben – für sechs der insgesamt 18 Studierenden, deren Pianospiel ich am schönsten empfand. Am Ende des Abends sollten dann nach Auszählung der Stimmen in der Cafeteria des Hauses sechs sogenannte Publikumspreise von je 50 € übergeben werden. In diesem Jahr stiftete diese freundlicherweise das Pianohaus Möller. „Oh je“, ich wusste gleich, dass mir das nicht leicht fallen würde.

Ngyuen Hai Thao My
Ngyuen Hai Thao My

Die gerade einmal 10 Jahre junge Ngyuen Hai Thao My eröffnete den Konzertmarathon mit dem „Walzer e-Moll op. posth.“ von Frédéric Chopin. Wie flink die kleinen Hände und Fingerchen über die Tastatur glitten. Solch famose Darbietung hab ich nie zuvor erleben können. Unglaublich, welch großes Talent schon in so kleinen Kinderseelen steckt. Ich war hellauf begeistert. Das war ein grandioser Auftakt.

Ngyuen Hai Thao My ist, wie auch Charlotte Kuffer und Rebecca Krause, die nach ihr spielten, Schülerin der “young academy rostock”. Dieses „Internationale Zentrum für musikalisch Hochbegabte“ sieht sich der Frühförderung spitzenbegabter junger Musiker verpflichtet.

Eike Andreas Letzgus
Eike Andreas Letzgus

Was dann kam, erfüllte mich durchweg mit Begeisterung. Ich hörte Stücke von George Gershwin, Sergei Wassiljewitsch Rachmaninoff, Edvard Grieg und Franz Liszt.

Eike Andreas Letzgus spielte das Stück „Suggestion diabolique op. 4/4” von Sergei Sergejewitsch Prokofjew. Das gefiel mir sehr, konnte ich doch genau hören, wie diese „diabolischen Einflüsterungen“ zunächst zaghaft herantapsten und dann die Überhand gewannen.

Fussball im Foyer der HMT
Fussball im Foyer der HMT

Während der ersten der zwei Pausen konnte das bereits erwähnte unheimlich wichtige Fußballspiel im Foyer mit verfolgt werden. Daneben war für Speis und Trank gesorgt und viele Konzertbesucher nutzten die Pause für ein kleines unterhaltendes Zusammentreffen. Sicher wurden hier auch schon die ersten Prognosen für die Publikumspreise abgegeben.

Johann Sebastian Bach, Alexander Skrjabin, Claude Debussy – bald schon, das wusste ich, würde mir in Sachen Klaviermusik niemand mehr einen Schubert für einen Liszt verkaufen.

Sarah und Susan Wang
Sarah und Susan Wang

Vollkommen fasziniert hörte ich auch den von Sarah und Susan Wang vorgetragenen Stücken aus der „Rhapsodie Espagnole“ von Maurice Ravel zu.

Gegen 23:30 Uhr endete das fulminante Klavierkonzert und ich begab mich in die Cafeteria, wo der Publikumspreis bekannt gegeben werden sollte. Die Auszählung der Stimmen dauerte noch eine kleine Weile und so ward mir die Zeit gegeben, noch gemütlich einen Kaffee zu trinken. Etwas ermüdend hatten die 35 vorgetragenen Stücke trotz oder gerade dank ihrer Großartigkeit auf mich gewirkt.

Eike Andreas Letzgus - Publikumspreis
Eike Andreas Letzgus - Publikumspreis

Neben Eike Andreas Letzgus erhielten Nikolai Gerassimez, Andreas Hering, Stefan Veskovic, Jinho Moon und Vasyl Kotys den begehrten Publikumspreis. Prof. Matthias Kirschnereit übergab ihnen die Urkunden und bedankte sich noch einmal bei allen Mitwirkenden.

Ich beschloss am Ende der Klaviernacht, mir bald schon meine erste Klaviermusik-CD zu kaufen und fuhr, froh über die fulminante Erweiterung meines kleinen musikalischen Kosmos, nach Hause.

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