„Der Meister und Margarita“ - Premiere in der HMT

Die Schauspielstudenten des dritten Studienjahres brachten das Stück frei nach dem Roman von Michail Bulgakow auf die Bühne der Hochschule

1. Mai 2011, von

"Der Meister und Margarita"Schon als das Publikum in den Katharinensaal der Hochschule für Musik und Theater (HMT) strömte, lag auf der Bühne eine reglose Person. Als das Licht im Saal dann erlosch und das Publikum verstummte, stellte sich heraus, dass es sich um Paul Hoffmann handelte, der die Rolle des Meisters übernommen hatte. Er ist, genau wie seine neun Schauspielkollegen im Stück, Student der HMT im sechsten Semester.

Ihre Studioproduktion „Der Meister und Margarita“ basiert auf dem gleichnamigen Roman des sowjetischen Autors Michail Bulgakow. Dieser besteht aus drei Handlungssträngen, die durch bestimmte Verknüpfungspunkte schlussendlich einen inneren Zusammenhang bekommen.

Christian Baumbach, Heisam Abbas und David NadvornikDa hätten wir zum einen die Handlung rund um den Meister und seine Margarita (Anna C. Ortmann). Er ist Autor und hat ein Buch über Pontius Pilatus geschrieben, das seine ganze Existenz geworden ist. Als es jedoch von den Kritikern verrissen wird, ist das ein Weltuntergang für ihn. Einzig Margarita glaubt noch an ihn und kämpft um ihn und ihre Liebe.

Eine zweite Ebene entführt den Zuschauer ins Moskau der 30er Jahre. Neben all den dekadenten und korrupten Bewohnern (Anne Riekhof, David Nádvornik, Marvin Rehbock, Christian Baumbach) residiert zu dieser Zeit außerdem der Teufel, genannt Woland (Heisam Abbas), höchstpersönlich in der Stadt. Er und seine drei Schergen Korowjew (Anne-Elise Minetti), Behemot (Sara Klapp) und Asasello (Lydia Wilke) treiben dort ihr Unwesen und verbreiten mit ihrer Schwarzen Magie allerhand Chaos.

In der IrrenanstaltDie dritte Handlungsebene ist dann die des Romans, den der Meister verfasst hat. Es handelt sich um eine Erzählung über Pontius Pilatus, der gerade darüber entscheiden muss, ob er den jungen Jeschua Ha-Nosri kreuzigen soll oder nicht. Schnell wird klar, dass es sich um eine etwas abgewandelte Form der Geschichte Jesus Christus handelt, ohne aber auf Religion zu basieren. Es geht vielmehr um die willkürliche Macht des Staates und deren Auswirkung auf die einzelnen Personen.

Das wirklich Beeindruckende an der Inszenierung ist, wie wenige Utensilien die zehn Jungschauspieler benötigten, um die Handlungen voneinander abzugrenzen und dann wieder miteinander zu verknüpfen. Auch wenn es am Anfang schwerfiel herauszufinden, was die einzelnen Szenen miteinander zu tun hatten, wusste man doch immer, wer zu welcher Handlungsebene gehörte. Denn auch wenn sich neben vier Mikrofonen nichts weiter auf der Bühne befand, waren die Kostüme aussagekräftig genug.

Paul Hoffmann und David NádvornikSo trug der Meister zum Beispiel immer eine Mütze, auf der ein gelbes „M“ prangte. Der Teufel hüllte sich in feine Hosen, Hemd und Weste und auch seine drei Schergen waren mit ihren roten und schwarzen Outfits gut zu erkennen. Bei der Zeitreise in die Antike durften Lakentoga und Besenbürste auf dem römischen Helm natürlich nicht fehlen.

Spätestens die Szenen in der Irrenanstalt verknüpfen dann die durch Kostüme und Handlungen abgespaltenen Stränge. Hier treffen die Bürger der Stadt, nachdem sie vom Teufel mit Schwarzer Magie in den Wahnsinn getrieben worden, auf den Meister, der nach dem Verriss seines Romans freiwillig dort residiert. Dieser ist wiederum mit dem Teufel verbunden, der behauptet Pontius Pilatus, eben die Hauptfigur, höchstpersönlich gekannt zu haben. So entsteht also ein Spinnennetz, durch das alle Figuren letztendlich doch in Zusammenhang stehen, auch wenn dies zunächst nicht den Eindruck macht.

Mara LiebscherNeben den Kostümen und den Schlüsselszenen war außerdem die Auswahl der russischen Musik, die an einigen Stellen ertönte, gelungen. So hatten zum Beispiel alle Szenen des Meisters und seiner Margarita die gleiche musikalische Untermalung und zeigten den Zuschauern so immer gleich, wer genau zu sehen war.

„Es war manchmal etwas kompliziert“, fand Mara Liebscher. „Da musste man dann drüber nachdenken, aber an sich konnte man gut folgen!“ Wer also einen Abend verbringen möchte, ohne seinen Kopf einzuschalten, der sei gewarnt. Ganz ohne Nachdenken erschließt sich das Stück von Regisseur Jens Poth und den zehn HMTlern dem Zuschauer nämlich nicht.

Wem das allerdings nichts ausmacht, der sollte unbedingt am 16. oder 17. Juni in den Katharinensaal der HMT kommen und sich nach Moskau entführen lassen. Am Ende wird die Zeile: „Moskau, Moskau, deine Seele ist so groß, nachts ist der Teufel los, ha ha ha ha ha, hey“, aus dem Klassiker von Dschingis Khan nicht mehr nur ausgelassene Partystimmung symbolisieren.

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