Die andere buchhandlung zum achten Mal in Frauenhand

Auch 2012 heißt es zum Internationalen Frauentag wieder Frauen lesen ander(e)s

9. März 2012, von
Frauen lesen ander(e)s 2012 in der anderen buchhandlung
Frauen lesen ander(e)s 2012 in der anderen buchhandlung

Gestern war wieder einmal fast das ganze Land in Frauenhand. Besonders deutlich zeigte sich dies bei der achten Auflage der Veranstaltung „Frauen lesen ander(e)s“ in der anderen buchhandlung. Zwar hatten sich über 100 Gäste in den kleinen Laden gezwängt, jedoch waren darunter mit mir nur insgesamt drei Männer, obwohl sie ausdrücklich eingeladen waren. Im letzten Jahr war sogar nur ein Mann dabei, es scheint sich also wenigstens ein bisschen rumgesprochen zu haben, dass die Reihe für alle Literaturinteressierten spannend ist, unabhängig vom Geschlecht.

Neben einer gefühlten Rekordbesucherzahl war es dieses Mal auch auf der Bühne so voll wie noch nie. Doch worum geht es eigentlich bei „Frauen lesen ander(e)s“? Jedes Jahr zum Internationalen Frauentag lädt das Team der anderen buchhandlung Frauen der Universität Rostock ein, um Bücher vorzustellen, die für sie besonders sind. Den Universitätsmitarbeiten steht es dabei frei, was sie vorstellen und wie genau sie es machen.

Von links nach rechts: Lydia Kraus, Heidi Reinholz, Gabi Linke, Petra Maier, Katja Koch, Annette Meier, Kathrin Baumgarten, Carina Hojenski - Vorne rechts: Petra Schulz und Viola von Oeynhausen
Von links nach rechts: Lydia Kraus, Heidi Reinholz, Gabi Linke, Petra Maier, Katja Koch, Annette Meier, Kathrin Baumgarten, Carina Hojenski - Vorne rechts: Petra Schulz und Viola von Oeynhausen

In diesem Jahr dabei waren Viola von Oeynhausen (Institut für Physik), Petra Maier (Mitarbeiterin im Bereich Landwirtschaftliche Betriebslehre und Management), Heidi Reinholz (Institut für Physik und kommissarische Gleichstellungsbeauftragte der Uni), Kathrin Baumgarten (Zentrum für Qualitätssicherung in Studium und Weiterbildung), Petra Schulz (Theologische Fakultät), Katja Koch (Institut für Sonderpädagogik), Annette Meier (Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Gleichstellungsbeauftragten), Carina Hojenski (Projektmitarbeiterin „Karrierewege für Frauen in Wissenschaft und Wirtschaft MV“) und Gabi Linke (Institut für Anglistik/Amerikanistik). Außerdem war Lydia Kraus von der HMT am Klavier für die musikalische Gestaltung des Abends zuständig.

alle vorgestellten Bücher
alle vorgestellten Bücher

Genauso vielfältig wie die Arbeitsfelder der Frauen waren die 13 vorgestellten Bücher. Es gab einige bekannte Autoren wie Daniel Kehlmann und Christa Wolf, aber auch junge Autorinnen wie Daniela Krien und Clara Norac. Auch thematisch war bestimmt für jeden was dabei. Neben einem Sachbuch über die Reaktorkatastrophen von Klaus Töpfer gab es Familiengeschichten, Abenteuer und gelegentlich auch etwas Erotik.

Man kann also nicht sagen, dass die Vorstellenden nur Frauenliteratur oder spezielle Texte zum Frauentag ausgewählt haben und das kam auch in ihren Begründungen durch. Viola von Oeynhausen wählte „Das lässt sich ändern“ weil es für sie „Wellness für die Seele war.“ Heidi Reinholz beeindruckte an Bernhard Schlinks „Sommerlügen“, dass die Geschichten so aus dem Leben gegriffen sein und Annette Meier wählte die autobiographischen Briefe von Sebastian Schlösser an seinen Sohn („Lieber Matz“), weil dieses Buch „ein Plädoyer für Ehrlichkeit im Umgang mit Kindern“ sei.

Lydia Kraus am Klavier
Lydia Kraus am Klavier

Besonders persönlich wurde Katja Koch, die Eugen Ruges „In den Zeiten des abnehmenden Lichtes“ präsentierte. Sie erzählte, dass ihre Mutter genau vor drei Jahren am Weltfrauentag gestorben sei. Der Roman erzählt eine Familiengeschichte in drei Generationen. So erinnerte sie dieser Roman auch sehr an ihre Mutter und damit an eine Generation „die leider wegstirbt“. Auch wenn es ihr schwerfiel, eine konkrete Textstelle zu finden, war es doch der Gesamteindruck, den sie so besonders fand: „Für mich erzählt dieses Buch von zu Hause.“

Silke Bull
Silke Bull

Am Ende des Abends wurde viel gelacht und einige Gäste nutzen auch noch die Chance, einige der vorgestellten Bücher zu erwerben. Silke Bull aus Rostock hat „Kleiner Matz“ schon gelesen und fand es ebenfalls sehr ergreifend. „Ich finde die Veranstaltung eine sehr gute Idee und ich mag es, dass es nicht nur thematisch, sondern auch menschlich so abwechslungsreich ist.“ Für sie war es nicht verwunderlich, dass so wenige Männer im Publikum saßen: „Irgendwer muss ja auch heute auf die Kinder aufpassen und den Haushalt machen.“

Angelika Wüstemann
Angelika Wüstemann

Buchhändlerin Angelika Wüstemann kann nicht genau sagen, ob Frauen wirklich anders lesen als Männer. „Ich glaube der Titel der Veranstaltung ist mehr ein Motto und keine Frage, die es zu beantworten gilt.“

So gebe es zwar Statistiken zum unterschiedlichen Leseverhalten, jedoch fiele es ihr durch die Erfahrungen im Laden schwer, die Statistiken komplett zu glauben. „Auf jeden Fall bin ich sehr zufrieden und freue mich auf das nächste Jahr.“ Auch da seien Männer wieder eingeladen, jedoch vermutet die Buchhändlerin, dass sie sich unter so vielen Frauen unwohl fühlen könnten. „Für die Damen geht es nicht nur um die Bücher. Es ist auch eine Gruppenveranstaltung, das haben wir auch an den Vorbestellungen gemerkt, da dort häufig gleich mehrere Karten reserviert wurden.

Für die nächsten Monate sollte also erst einmal wieder für Lesestoff gesorgt sein. Wer die Veranstaltung verpasst hat, kann in der andere buchhandlung vorbeischauen und sich die Bücher dort noch einmal persönlich zeigen lassen.

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