Gregor Sander: „Winterfisch“

In seinem neuen Buch präsentiert Gregor Sander Geschichten aus dem Ostseeraum

27. März 2011, von
Büchertisch mit Winterfisch
Büchertisch mit Winterfisch

Freitagabend. Volles Programm im Peter-Weiss-Haus. Im großen Saal findet eine Buchvorstellung im Rahmen der Antirassistischen Aktionswoche statt. Und auch das Literaturhaus hat zu einer Lesung geladen. Im Möckelsaal präsentiert Gregor Sander seinen neuen Erzählungsband „Winterfisch“.

Gregor Sander ist gebürtiger Schweriner. Von 1990 bis 1992 lebte er in Rostock und begann ein Medizinstudium, welches er nach drei Semestern abbrach. Im Jahr 2002 veröffentlichte er seinen ersten Erzählungsband „Ich aber bin hier geboren“, fünf Jahre später folgte der erste Roman „Abwesend“.

Lektor Thorsten Ahrend
Lektor Thorsten Ahrend

Einen Tag nach der Buchpremiere in Berlin war Rostock nun also die erste Station der Lesereise. Doch bevor der Autor zwei Geschichten vorlas, gab Lektor Thorsten Ahrend noch eine kurze Einführung. Die Besonderheit von „Winterfisch“ ist, dass alle Geschichten im Ostseeraum spielen. Heiligendamm, Rerik, Kiel und auch Rostock sind die Kulissen für die neun Erzählungen. Die titelgebende Geschichte des Buches wurde vor zwei Jahren bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur mit dem 3sat-Preis ausgezeichnet.

Gregor Sander und Thorsten Ahrend
Gregor Sander und Thorsten Ahrend

„Weiße Nächte“ war die erste Geschichte, die Sander am Freitag las. Diese Geschichte ist deshalb besonders, weil sie auf der Ostsee spielt, während eines Segeltörns. Es ist die Geschichte zweier Freunde. Beide haben diesen Trip von ihren Frauen geschenkt bekommen. Und auch wenn scheinbar nicht viel passiert auf dem Schiff und auch im Verlauf der Geschichte, berührt sie doch sehr. Das liegt vor allem an der sehr genauen und glaubhaften Charakterzeichnung des Autors. Einer der Freunde ist Alkoholiker und es wird in Rückblenden der Umgang mit diesem Thema erzählt.

Im Gespräch mit dem Lektor verriet Sander, dass bei dieser Geschichte zum Beginn des Schreibprozesses das Ende nicht klar war. „Ich habe der Geschichte einfach ihren Lauf gelassen.“ Entstanden ist „Weiße Nächte“ wirklich auf einem Segelausflug, den der Autor mitgemacht hat.

Gregor Sander liest aus Winterfisch
Gregor Sander liest aus Winterfisch

Die zweite Geschichte war von Anfang an für die Lesung in Rostock gesetzt. Sie trägt den Titel „Stüwes Tochter“ und spielt im Rostock der 90er Jahre. Alles beginnt wie eine typische Liebesgeschichte. Der Protagonist Adam sucht eine Wohnung und findet ein Zimmer in der Wollenweberstraße bei Andrea, in die er sich sofort verliebt. Das Problem ist, dass es da noch einen Mann gibt, der um ihr Herz buhlt, nämlich Helge, der eine Wohnung im Dach der Nikolaikirche bewohnt. Adam erfährt, dass Andreas Vater bei der Stasi war und auch seine Tochter überwachen ließ, was zu einem Bruch von Vater und Tochter führte. Aus der Liebesgeschichte wird eine Geschichte, die den Umgang mit Altlasten aus der DDR thematisiert. Den Höhepunkt markiert ein Gespräch zwischen Adam und dem Vater, während gerade das neue Dach auf die Petrikirche gesetzt wird.

Winterfisch ist das ideale Buch für den Strand, auch wenn es momentan vielleicht noch ein bisschen zu kalt ist. Neun nicht zu lange Geschichten, die toll erzählt sind und von ihren einzigartigen Figuren leben. Dazwischen kann man den Blick immer wieder über die Ostsee wandern lassen und nachvollziehen, warum sie sich so perfekt als Kulisse eignet.

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