Irish Folk Festival 2012

„Imaginary Bridges Tour“ am 10. November 2012 in der Nikolaikirche

The Fretless beim Irish Folk Festival 2012
The Fretless beim Irish Folk Festival 2012

Brücken sind starke Symbole. Sie faszinieren nicht nur durch kühne Architektur sondern auch durch die Fähigkeit Trennungen aufzuheben. Das Irish Folk Festival 2012 steht im Zeichen von musikalischen Brückenbauern. Die Iren sind im Stande, geistige Brücken zu schlagen, die in Realität kein Architekt zu träumen wagen würde. Ist das vielleicht übertrieben? Keineswegs.

Eine Brücke von Irland nach Amerika ist bisher noch nicht gebaut worden, aber geistig gesehen ist sie seit Jahrhunderten eine ganz feste Größe. Die Iren haben in ihrer Wahlheimat Amerika nie ihre Wurzeln vergessen und jede Generation hat die Bindung vertieft. Doch diese ist keine Einbahnstraße. Amerikanische Musikstile wie Country und Bluegrass, die ihren Ursprung zum Teil im Irish Folk haben, reflektierten zurück auf die grüne Insel. Dann gibt es die Brücke zu den „Celtic brothers and sisters“ in der Bretagne, Schottland, Galizien und wo auch immer. Damit nicht genug. In den letzten Jahren wurde intensiv an der Brücke zwischen Nord- und Südirland gebaut und Vorurteile wurden abgebaut. Irish Folk ist auch eine tragfähige Verbindung sowohl zwischen den Generationen als auch zwischen gestern und heute, also Tradition und Moderne. Die Iren lieben Geselligkeit. Trennung ist nicht ihr Ding. Wo auch immer eine Schlucht, ein Meer oder Ansichten die Iren trennen, ihre Kultur ist stark genug, um darüber eine Brücke schlagen zu können.

Das IFF und die „Imaginary Bridges Tour“ werden dieses Jahr ein starkes Zeugnis vom verbindenden Charakter irischer Musik abgeben. Da haben wir Ian Smith, der eigene und traditionelle Songs elegant unter einen Hut bringt. Matt & Shannon Heaton sind Enkel irischer Auswanderer. Das Streichquartett The Fretless bringt Klassik und Folk auf einen gemeinsamen Nenner. Ciorras mit ihrem Bigband Sound Tradition und Moderne. Wie immer wird das IFF mit einer gemeinsamen Session zu Ende gehen. Gibt es denn eine schönere Brücke als eine Session? Eine, die sowohl Künstler als auch Zuschauer als eine verschworene Gemeinschaft zusammenführt.

Ian Smith • The songsmith

Ian Smith hat Songs geschrieben, die das Zeug haben, zu neuen Hymnen der keltischen Szene weltweit zu werden. Unter dem Motto „Ian Smith the songsmith“ wird er sein Können als Feinschmied eigener Lieder und subtiler Interpret alter Traditionals zeigen. Ian sucht seine Inhalte in der irischen oder schottischen Geschichte oder im Alltag seiner Gemeinde Keadue im nördlichen Donegal. Seine Kompositionen haben durchaus starke Affinität mit traditionellen Liedern, aber doch sind sie irgendwie anders. Gerade deswegen prägen sie sich gleich ein. Ian wird uns in seinem Set fühlen lassen, wie homogen Traditionals und Singer/ Songwriting sein können. Vielleicht ist es aber auch das grandiose Gitarrenspiel, das eine Brücke über die beiden Pole schlägt? Ian ist ohne wenn und aber einer der besten Fingerpicker, die man weltweit in keltischer Musik hören kann. Für Gitarrenfreaks ein Muss! Ian Smith hat Ende 2011 das wunderbare Album „A Celtic Connection“ veröffentlicht, das zur Hälfte aus traditionellen und selbst geschriebenen Liedern besteht. Die Crème de la Crème der schottischen und irischen Musik hat sich im Studio versammelt, um einem bescheidenen und deswegen so sympathischen Kollegen eine Referenz zu erweisen. Mit dabei Musiker von Altan als auch Capercaillie. Das Irish Music Magazine hat das Album über den grünen Klee gelobt: “Not quite the end of the year but I’m content recommending “A Celtic Connection” as my album of the year.”

Matt & Shannon Heaton • These two are magic!

Die irische Folkszene verfügt über viele vorzügliche Sängerinnen, aber dass eine Sängerin auch meisterlich ein Instrument beherrscht, ist schon eher selten. Shannon Heaton ist eines dieser Multitalente. Sie hat eine samtig weiche Stimme, die einen Kritiker zu dem Vergleich mit einer leckeren Schokopraline hingerissen hat. Wie eine Praline auf der Zunge zergeht, so geht einem Shannons Stimme unter die Haut und man möchte einfach immer mehr davon haben. Schokolade löst bekanntlich Glücksgefühle aus und so auch Musik. Beim Gesang spielt die Atmung eine große Rolle und ist ebenfalls für die Qualität des Flötenspiels entscheidend. Wer einen beseelten Atem hat, der wird auch eine Querflöte leidenschaftlich spielen können. Also haben Matt und Shannon Heaton sowohl lebensfrohe Jigs & Reels als auch besinnliche Slow Airs im Repertoire. Und wenn man bei dem Vergleich mit einer Praline bleiben darf, dann gehört natürlich eine edle Praline in eine entsprechend schöne Verpackung. Analog dazu wäre dies das dekorative Gitarren und Bouzouki Spiel von Matt. Von filigranem „Finger-Picking“ bis zum energischen „Strumming“ hat Matt alle Finessen drauf, die man von einem

beschlagenen Gitarristen erwarten kann. Dürfen wir zum Schluss einen begeisterten Journalisten zitieren? “These two are magic. . .whether it be a driving reel or a gorgeous song, these two can do it all.”

The FRETLESS • A string quartet goes Folk

Irish Folk ist ein fruchtbarer Boden auf dem so manch seltene Pflanze gedeihen kann. So ist es auch, wenn ein Streichquartett sich für die irische Tradition begeistert und so raffiniert arrangiert, dass sie wunderschöne Blüten treibt. Klassik und Folk zu verbinden ist keine einfache Aufgabe. Die beteiligten Musiker müssen sowohl im Herzen die ungestüme Freiheit tragen, die der Folkmusik inne wohnt als auch die technische Perfektion besitzen, ohne die Klassik nicht denkbar wäre. Wenn sich das Können der klassischen Musiker mit der Authentizität der Folkmusik verbindet, dann entfaltet sich Faszination pur. Man sieht auf den ersten Blick, dass hier jedoch der Geist der Folkmusik den Ton angibt. Es wird auswendig gespielt. Die Künstler gehen in ihrer Musik völlig auf und lassen sich von ihrer Eingebung treiben. Zum Repertoire gehören ein Feuerwerk an Jigs & Reels, aber auch Herz berührende Slow Airs und mit Ivonne Hernandez hat man nicht nur eine feine Sängerin, sondern auch die fünfmalige „Grand North American Fiddle Championness“. Dass ein Streichquartett auch Lieder im Programm hat, hat es bisher wohl noch nicht gegeben. Damit sind die Grenzgänge noch lange nicht erschöpft. Wenn plötzlich zu fetzigen Jigs & Reels auch noch wie wild gesteppt wird, dann wird ein Konzert von THE FRETLESS zum ganz großen Kino.

Ciorras beim Irish Folk Festival 2012
Ciorras beim Irish Folk Festival 2012

Ciorras • Traditional innovators

Ciorras sind die erste gecastete Folk Band Irlands und erstaunlicher Weise sind sie tolle Musiker. Wie kann das sein? Das irische Fernsehen wollte mit der Zeit gehen und beschloss, eine Irish Folk Super Group nach dem Muster zusammenzustellen, wie es die Pop und Rock Branche schon lange macht. Damit das Projekt aber künstlerisch nicht auf eine schiefe Ebene gerät, beauftragte man keinen irischen Dieter Bohlen, sondern eine absolute Autorität in Sachen Irish Folk: Dónal Lunny, der Gründer von Planxty, Bothy Band und Moving Hearts zog mit einem TV-Team durch alle 36 Grafschaften und begegnete respektvoll jungen Talenten. Die Casting Idee hat die junge Generation irischer Musiker mobilisiert und zum Schluss hatte Dónal die Qual der Wahl. Er musste unter zahlreichen Bewerbern die Besten auswählen, die nicht nur eines oder sogar mehrere Instrumente beherrschen, eine besondere Stimme haben, mit innovativen Ideen glänzen und Charisma mitbringen. Jetzt, etwa drei Jahre später, kann man ein Resümee ziehen. Ciorras – gälisch für Cirrus – sind keine Schönwetterwolke, die kurz am Himmel erscheint und dann wieder verschwindet. Der alte Fuchs Dónal Lunny hat ein feines Händchen gehabt, die richtigen Leute zusammen zu bringen. Sie haben die musikalische Herausforderung angenommen und einen innovativen Sound geschaffen, der alte Traditionen mit modernen Arrangements verbindet und frisch tönen lässt. Besonders spannend sind die vielen eigenen Kompositionen. Fans irischer Musik, die Ciorras z.B. beim Temple Bar Music Festival in Dublin, den Celtic Connections in Glasgow oder am St. Patrick’s Day in der verbotenen Stadt in Beijing (China) gehört haben, sind von Irlands „Traditional innovators“ begeistert. Mit ihrer druckvollen und beschwingten Musik und markanten Eigenkompositionen haben Ciorras getreu ihrem Namen ihren Platz am Himmel irischer Musik eingenommen.

Das Irish Folk Festival 2012 findet am findet am 10. November ab 20 Uhr in der Nikolaikirche statt.

Karten gibt es an den bekannten Vorverkaufskassen, im Internet unter www.goliath-show.de und unter der Tickethotline 0381 – 60 93 50 (auch Kartenversand).

Quelle: GOLIATH Show & Promotion GmbH

Schlagwörter: Irland (2)Musik (322)Nikolaikirche (42)

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