Volker Strübing eröffnet die 25. Rostocker Kulturwoche

Lesung mit Fleischsalat in der anderen buchhandlung

3. November 2011, von
Volker Strübing eröffnet die 25. Rostocker Kulturwoche
Volker Strübing eröffnet die 25. Rostocker Kulturwoche

„Never judge a city by its Bahnhofsviertel.” Dies ist nur eine der vielen Weisheiten, die Volker Strübing heute in der „anderen buchhandlung“ zu Gehör brachte. Der Schriftsteller, Musiker und Vorleser hatte die große Aufgabe, die 25. Rostocker Kulturwoche zu eröffnen. Mit viel Witz und tollen Texten meisterte er die Angelegenheit mit Bravour und sorgte für heitere Stimmung bei den rund 100 Gästen.

Volker Strübing bezeichnet sich selbst als einen „der weltweit unbekanntesten Popstars.“ Seit 15 Jahren singt und schreibt er schon bei verschiedenen Lesebühnen, unter anderem der LSD (Liebe statt Drogen), die er auch selbst mitgegründet hat. Und 15 Jahre hat es auch gedauert, bis er das erste Mal literarisch in Rostock zu Gast war. Zu seiner Premiere vor ausverkauftem Haus brachte er kurze Geschichten mit, die teilweise auch in seinen Büchern zu finden sind. Der Popstar blieb jedoch in der Schublade, möglicherweise wegen der Erkältung, die ihm sichtbar zusetzte.

Volker Strübing
Volker Strübing

Schon die erste Geschichte, die der Autor wie viele weitere als Geschichte mit dem Titel „Ohne Titel“ ankündigte, sorgte für viele Lacher im Publikum. Der Autor schildert darin eine typische Situation: Ein Pärchen sitzt morgens am Frühstückstisch und er hat ihren Geburtstag vergessen. Daraufhin bricht ein Streit los, in dessen Verlauf der Mann diverse Inventarteile an den Kopf geworfen bekommt. Die Frau ist enttäuscht: „Du hast gesagt, du änderst dich, aber du wurdest noch scheißer!“ Die Situation löst sich jedoch auf, als sie herausfinden, dass eine verwechselte Kontaktanzeige zu ihrer Beziehung geführt hat.

Der Berliner schaffte es nicht nur durch die genial beobachteten Erzählungen die Gunst des Publikums zu gewinnen, sondern auch durch eine überzeugende Vortragsweise. Er verlieh den Figuren durch Stimmnuancen einen ganz eigenen Charakter. Man merkte, dass er schon lange Poetry-Slam-Erfahrung sammeln und dabei auch schon diverse Preise gewinnen konnte.

Volles Haus in der anderen buchhandlung zur Eröffnung der 25. Rostocker Kulturwoche
Volles Haus in der anderen buchhandlung zur Eröffnung der 25. Rostocker Kulturwoche

Strübing hatte auch eine Geschichte über Rostock dabei, die er mit dem Satz „Rostock ist hässlich“ begann. Er relativierte jedoch relativ schnell, dass jede Stadt hässlich sei und der eigentliche Anlass auch nicht Rostock, sondern ein Besuch in Oldenburg gewesen sei. So könne man jede Stadt in den Text einsetzen und es sei auch überhaupt nicht schlimm, man müsse die Hässlichkeit nur akzeptieren. Die Erklärung dafür lieferte der Autor auch gleich mit: „Städte sind hässlich, weil der Mensch sie hässlich haben will!“

Im Laufe des sehr unterhaltsamen Abends erfuhr man auch viel über den Künstler selbst. So sei es für ihn besser, 40 statt 39 Jahre alt zu sein und „okay, an gebrochenem Herzen zu sterben, jedoch nicht als Jungfrau.“ Weiterhin erfuhren wir, warum er nicht mehr lange im Berliner Stadtteil „Prenzlauer Berg“ wohnen wird und wie er den Entschluss fasste, Serienmörder zu werden – beides hängt mit einer ausverkauften vegetarischen Tiefkühlpizza zusammen. Wie viele der vorgestellten Geschichten jedoch auf wahren Begebenheiten beruhen, wollte Strübing nicht verraten.

Als letzten Text vor den Zugaben las er „Fleischsalat.“ „Dieser Text ist für mich das, was Fiesta Mexicana für Rex Gildo war“, verriet der Autor. So wird er immer wieder darauf angesprochen und ein Zuschauer brachte dem Berliner sogar eine Packung Fleischsalat zur Lesung mit. In dem Text geht es darum, wie ein Mann seiner Freundin mit dem Satz: „Hier Schatz, Fleischsalat“ seine Zuneigung zeigen will.

Thomas Biener und Tom Seiler
Thomas Biener und Tom Seiler

Das Rostocker Publikum war auch ohne Fleischsalat begeistert, zum Beispiel Thomas Biener und Tom Seiler. Tom entdeckte vor drei Jahren den animierten Comic „Klos und Spinne“ von Strübing im Internet und wurde zum Fan. So brachte er auch seine Freunde auf Strübing, unter anderem Thomas, der ihn zur Lesung begleitete. Beiden hat es ausgesprochen gut gefallen. „Es ist allerdings schwer zu sagen, welcher Text der beste war, da ja die meisten ohne Titel waren.“ Die beiden Schüler werden am Montag noch zum Poetry Slam der Kulturwoche gehen.

Neben dem Poetry Slam gibt es auch noch viele weitere spannende Veranstaltungen im Rahmen der Kulturwoche. Und für die meisten gibt es sogar noch Karten. Der Auftakt mit Volker Strübing hat auf jeden Fall schon einmal Lust auf mehr gemacht.

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1 Kommentar

  • Peter sagt:

    Schöner Artikel. Kann auch nur das Buch „Ein Ziegelstein für Dörte“ von Strübing empfehlen, ich musste sehr lachen :-)

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