Peter Waterhouse liest bei der LiteraTour Nord 2011

„Der Honigverkäufer im Palastgarten und das Auditorium Maximum“

13. Januar 2011, von

Auch im Jahr 2011 müssen Buchfreunde nicht auf die LiteraTour Nord verzichten. Und den Startschuss für die zweite Hälfte der Tour gab am Dienstag Peter Waterhouse, der in der anderen buchhandlung sein Werk „Der Honigverkäufer im Palastgarten und das Auditorium Maximum“ vorstellte. Doch bevor es richtig losging, erst noch das übliche Prozedere: die Begrüßung durch Manfred Keiper, die wie immer etwas länger ausfiel, damit die Gäste ihre Handys ausstellen konnten.

Die erste Lesung der LiteraTour Nord im Jahr 2011 in der anderen buchhandlung
Die erste Lesung der LiteraTour Nord im Jahr 2011 in der anderen buchhandlung

Dann übernahm Peter Waterhouse das Wort, der ein wenig überrascht war, dass Literaturprofessor Lutz Hagestedt nicht noch eine kurze Einführung zu seinem aktuellen Buch gab. „Ich lese aus diesem Buch, das wahrscheinlich eine Erzählung ist“, sagte der Wiener im symphatischen österreichischen Akzent. Er gab auch einige Randinformationen, was sehr von Vorteil war, denn der Honigverkäufer ist vielleicht das sprachlich bisher anspruchsvollste Buch der LiteraTour Nord 2010/2011.

Peter Waterhouse liest aus "Der Honigverkäufer im Palastgarten und das Auditorium Maximum"
Peter Waterhouse liest aus "Der Honigverkäufer im Palastgarten und das Auditorium Maximum"

Die Geschichte des Buchs kurz zu erläutern, fällt mir daher auch nicht ganz leicht. Auch wenn es eine Rahmenhandlung gibt, in der ein Wiener Schriftsteller und Übersetzer die Hauptrolle spielt, steht doch die Sprache im Mittelpunkt. Egal, an welche Stationen der Ich-Erzähler kommt, fast immer wird über das gesprochene oder das geschriebene Wort sinniert, teilweise über mehrere Seiten.

Dies zeigte sich auch bei der Lesung, in der Waterhouse das zweite Kapitel vorstellte. In diesem bekommt der Protagonist eine Einladung. In ausufernden Worten analysiert der Ich-Erzähler die Schrift auf dem Couvert, philosophiert über den Absender und lässt die Gedanken schweifen, wo manch anderer den Umschlag einfach öffnen würde. So war auch eine hohe Konzentration nötig, um nicht den roten Faden zu verlieren.

Peter Waterhouse und Lutz Hagestedt
Peter Waterhouse und Lutz Hagestedt

Nach den monologischen Diskursen gab es wie immer bei den Lesungen der Tour das Gespräch mit Literaturprofessor Lutz Hagestedt. Möglicherweise orientierten sich die zwei Männer an den Figuren im Buch, denn das Gespräch war eher ein wechselnder Monolog und meiner Meinung nach kein guter Abschluss für die Lesung.

So philosophierte Hagestedt über die Fragen, ob der Text nicht vielleicht Lyrik sei, wer der Erzähler ist und was dieser überhaupt erzählt. Auch ging er häufig auf das begleitende Uniseminar ein, in dem jedes Buch in der Woche vor der Lesung von einer Gruppe Studenten vorgestellt wird. Sehr schade fand ich es auch, dass auf den Einwand eines Gastes im Publikum gar nicht eingegangen wurde. Dieser äußerte, dass die vielen Worte vielleicht ein Zeichen von Sprachlosigkeit sind und er die Geschichte, die der Autor erzählt hat, nicht verstanden habe. Und obwohl man merkte, dass der Mann vielleicht nicht der Einzige im Publikum war, der so dachte, wurde von Hagestedt einfach das nächste Thema aufgenommen.

Peter Waterhouse
Peter Waterhouse

Zum Ende hin wurde es noch einmal kurz spannend, als aus dem Publikum die Frage kam, was mit den Verbündeten gemeint sei, die der Autor während der Lesung immer wieder erwähnt hat. Waterhouse wurde etwas ungehalten, da er dies doch bei der Lesung lang und breit erklärt hätte – für mich wirkte die daraus resultierende Diskussion so, als ob der Autor und der Gast einfach aneinander vorbeiredeten, sodass auch diese Frage nicht befriedigend beantwortet wurde.

Und obwohl Peter Waterhouse zu Beginn der Lesung scherzhaft ankündigte: „Wenn ich das Gefühl habe, ich bin zu lang, dann höre ich auf“, war es mit etwas über zwei Stunden doch der längste Abend bisher. Weiter geht es am 25. Januar, wie immer in der anderen buchhandlung, mit Anna Mitgutsch und ihrem Roman „Wenn du wiederkommst“.

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