Künstlerisch gestalteter Gedenkort für NSU-Opfer Mehmet Turgut

Zwei Bänke mit eingelassenen Gedenktafeln sollen an den vor zehn Jahren in Rostock mutmaßlich von Mitgliedern des Nationalsozialistischen Untergrundes (NSU) ermordeten Mehmet Turgut erinnern

18. November 2013
Künstlerisch gestalteter Gedenkort für NSU-Opfer Mehmet Turgut
Künstlerisch gestalteter Gedenkort für NSU-Opfer Mehmet Turgut

Dem Gedenken an Mehmet Turgut, der im Februar 2004 mutmaßlich von Mitgliedern des Nationalsozialistischen Untergrundes ermordet wurde, wird zum 10. Jahrestag des Anschlages ein künstlerisch gestalteter Ort gewidmet, teilt das Amt für Kultur, Denkmalpflege und Museen mit. Der Gedenkort ist Ergebnis eines Wettbewerbs, den die Hansestadt nach einem Beschluss der Bürgerschaft vom Juli 2013 ausgelobt hatte. Der von Tobias-David Albert geschaffene Entwurf für den Tatort im Neudierkower Weg sieht zwei aus Beton gegossene, benutzbare Bänke vor, die sich versetzt zueinander gegenüber stehen. Sie sind so positioniert, dass das Sonnenlicht zur Tatzeit am 25. Februar um 10.20 Uhr genau parallel zu den Bänken verläuft. Herzstück der Arbeit sind zwei in die Rückenlehnen der Bänke eingelassene Tafeln mit einem Gedenktext in Deutsch und Türkisch. Der Entwurf thematisiert die Bedeutung von Distanz für die Möglichkeit echter menschlicher Begegnungen.

Der prämierte Vorschlag wurde am 4. November von einem Preisgericht aus insgesamt vier Arbeiten von Tobias-David Albert, Boran Burchhardt, Susann Donath und Özlem Günyol & Mustafa Kunt ausgewählt. Vorausgegangen war ein Gespräch zwischen den Künstlern sowie Yunus und Mustafa Turgut.

Dabei hatten die Brüder Mehmet Turguts von dessem größtem Wunsch berichtet, in Deutschland zu leben und ihrer Hoffnung auf Gerechtigkeit Ausdruck verliehen. Das Preisgericht unter der Leitung von Maria Linares hob hervor, dass die Arbeit des Leipziger Schriftgestalters Tobias-David Albert diesen Gedanken am nächsten komme, da sie ein Angebot der Kommunikation und friedlichen Verständigung mache.

Der Entwurf soll Anlass zur Reflexion über den rassistisch motivierten Mord bieten. Dabei stellt Albert den Gedanken ins Zentrum, dass sich in der Verachtung des Fremden die Verachtung menschlicher Beziehungen als solche widerspiegelt. „Der minimalistische Entwurf zielt auf eine leise und dialogische Form des Gedenkens an Mehmet Turgut”, unterstreicht Bürgerschaftspräsidentin Karina Jens, Leiterin der Arbeitsgruppe Gedenken.

Ein zweiter Preis wurde an das Künstlerduo Özlem Günyol & Mustafa Kunt vergeben. Alle Künstler hatten sich an dem Wettbewerb auf Einladung beteiligt. Ihre Entwürfe werden voraussichtlich im Februar 2014 in einer Ausstellung in Rostock zu sehen sein.

Fachpreisrichter des Wettbewerbs:
Oscar Ardila (Künstler, Berlin), Isolde Frey (Moniteurs, Büro für Corporate Design und Informa- tionsdesign, Berlin), Maria Linares (Künstlerin, Berlin) und Marc Wiesel (Künstler, Wismar).

Sachpreisrichter:
Hans Bolzmann (Ortsbeirat Dierkow-West), Dr. Gerdien Jonker (Religionswissenschaftlerin und -historikerin, Universität Erlangen) und Susan Schulz (Arbeitsgruppe Gedenken)

Quelle: Hansestadt Rostock, Pressestelle

Schlagwörter: Mehmet Turgut (7)Mord (4)Neonazis (9)NSU (10)Toitenwinkel (165)

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