Erste Großsektionen für Mega-Kreuzfahrtschiffe werden in Warnemünde gebaut

MV Werften hat Produktion auf der Warnow Werft in Warnemünde begonnen und sucht noch Personal

12. Juli 2018, von
Auf der Warnow Werft in Warnemünde schweißt MV Werfen die Mittelteile riesiger Kreuzfahrtschiffe zusammen.
Auf der Warnow Werft in Warnemünde schweißt MV Werfen die Mittelteile riesiger Kreuzfahrtschiffe zusammen.

Vor einigen Tagen wurde der Namenszug auf dem 90 Meter hohen Bockkran auf der Warnow Werft geändert. Jetzt steht auf der weithin sichtbaren Landmarke Warnemündes, wer darunter arbeitet: MV Werften. Fast auf den Tag genau vor zwei Jahren wurde das Unternehmen gegründet. Neben den Standorten Wismar und Stralsund gehört seitdem auch die Warnow Werft dazu. Die malaysische Genting-Gruppe hatte die traditionsreiche Warnemünder Werft von Nordic Yards übernommen. Für ihre eigene Reederei Genting Cruise Line werden hier nun riesige Kreuzfahrtschiffe mitgebaut.

Neben den Kaufpreis von 240 Millionen hat das Unternehmen ein Investitionsprogramm von über 200 Millionen für die drei Standorte der MV Werften aufgelegt. Mehr als 90 Millionen fließen nach Rostock, wo allein für 80 Millionen eine neue 400-Meter-lange Schweißhalle gebaut wird. Parallel zum Bau des Gebäudes wird gerade – um Zeit zu sparen – die Paneellinie eingebaut. Im Herbst soll der Startknopf der modernen Schweißanlage gedrückt werden. Doch schon jetzt wird in den neu ausgestatteten alten Hallen auf herkömmliche Weise produziert. „Wir sind schon mitten in der Produktion von Global. Auch in Warnemünde gibt es schon Großsektionen“, informiert MV-Werften-Marketingchef Stefan Sprunk, der beim Ortsbeirat aus erster Hand berichtete, was hinter dem Werftzaun vor sich geht. Die erste feierliche Kiellegung in Warnemünde kündigte er für den 11. September an.

Global heißt die Schiffsklasse, auf der der Fokus in Warnemünde liegt. Von weltgrößten Schiffen spricht die Werft selbst. Gemeint ist damit weniger die Bruttoraumzahl, sondern die Anzahl der Passagiere. 10.000 Menschen sollen in 2500 Kabinen Platz finden. Sprunk erläutert, dass diese Schiffsklasse vor allem für den asiatischen Markt konzipiert sei. „Drei bis vier Personen in einer Kabine – was für uns schwer vorstellbar ist, bedeute für Asiaten keine Enge.“ Vor allem die Logistik auf dem Schiff sei die Herausforderung.

In Warnemünde wird der mit gut 220 Meter längste mittlere Teil des Schiffes zusammengeschweißt. Im März gab es den ersten Brennstart. Wenn die Arbeiten am Stahlbau, den Rohrleitungen und der Maschine abgeschlossen sind, wird das Mittelstück nach Wismar verschifft und dort mit Bug und Heck verheiratet. In Wismar werden auch die hier produzierten Kabinen – 25 bis 30 am Tag – eingesetzt und die Endausrüstung bis zu 99 Prozent vorgenommen. Solange der Hafen noch nicht vertieft wurde, wird das letzte ein Prozent in Bremerhaven ausgerüstet, wohin auch die Probefahrt geht, erläutert Stefan Sprunk.

655 Mitarbeiter sind auf der Warnemünder Werft derzeit schon beschäftigt. Doch es wird noch Personal gesucht. 1000 Mitarbeiter sollen es am Ende allein an in diesem Standort werden. An allen drei zusammen etwa 3000. Extra Wohnungsbau sei dafür nicht notwendig, erklärt der MV-Werften-Vertreter auf Nachfrage der Warnemünder angesichts der in der Stadt heiß debattierten Wohnungsknappheit in Rostock. Viele Angestellte seien Ehemalige, die schon hier leben. Diejenigen, die noch herkommen, werden hier eine Wohnung finden. Anders hingegen sieht es im 43.000 Einwohner großen Wismar aus, wo bis zu 1500 Mitarbeiter eingestellt werden sollen. Für ihre Unterbringung wird gerade ein ausrangiertes Kreuzfahrtschiff an die Kaikante geholt und eine Beherbungsstätte gebaut.

Während in Wismar und Rostock an der Global Class gebaut wird, hat sich die Stralsunder Werft auf die sogenannte Endeavor-Class spezialisiert. Mit dieser kleineren Schiffsklasse – Yachtdesign und eistauglich – möchte das Unternehmen die sogenannten High-End-Klientel ansprechen. Hier ist die erste Kiellegung im August geplant.

Seit 2016 im Auftragsbuch standen auch Luxus-Flusskreuzfahrtschiffe, speziell für die amerikanische Kundschaft, die auf Rhein und Donau schippern wollen. Die wurden bereits fertiggestellt und in den letzten Monaten getauft.

Insgesamt neun Schiffe sollen bis 2021 in den MV Werften gebaut werden. Während Global 1 und 2 noch mit konventionellen Schiffsdieselantrieb ausgestattet werden, wird daran gearbeitet Global 3 mit LNG zu betreiben. Zehn Jahre habe man jedenfalls schon vorgeplant. Auch für den Zeitraum danach gibt sich Stefan Sprunk zuversichtlich.

Er betont, dass die Leistung der Werft nicht nur darin besteht den Stahlkoloss zusammenzuschweißen, sondern auch das Projekt zu leiten und die Zulieferer zu koordinieren. Deren Anteil am Schiffbau mache etwa 70 Prozent aus.

Der Name MV Werften, so erklärt Stefan Sprunk, sei ausdrücklicher Wunsch des asiatischen Gesellschafters gewesen. Die Mecklenburger selbst hätten vor zwei Jahren noch versucht dies zu verhindern. Es solle nicht nach staatlich unterstützter Werft klingen, so ihr „schmaler Blick“. Der Gesellschafter hingegen wollte, dass jeder, der die Global sieht, nach der Bedeutung von MV fragt. „Ein besseres Standortmarketing kann es gar nicht geben“, so Sprunk. Der Begriff Werften sei in der Welt ein deutscher Qualitätsbegriff.

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