Das Wetter hat nicht mitgespielt. Nach dem spätsommerlichen Wetter der letzten Woche gab es zur Eröffnung am Freitag graues Herbstwetter. Die lange Tafel, zu der die Gastronomen am Stadthafen zum Feiern eingeladen hatten, fiel deshalb aus. „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben“, hofft Oberbürgermeisterin Eva-Maria Kröger. Das Band wurde trotzdem durchgeschnitten und das Kempowski-Ufer gehört jetzt wieder den Rostockern.
Ein ordentlicher Schluck aus der Pulle
Billig war das nicht. „Für 450 Meter 22 Millionen auszugeben – holla! Das ist ein ordentlicher Schluck aus der Pulle, den wir hier als öffentliche Hand genommen haben“, sagte Kröger. Fast die Hälfte, nämlich 11,9 Millionen Euro, hat das Land gezahlt. Staatssekretär Jochen Schulte aus dem Wirtschaftsministerium verabschiedete sich deshalb gut gelaunt: „Bis zum nächsten Grußwort, wenn wieder Geld in der Hansestadt Rostock ausgegeben wurde.“ Finanzsenator Chris von Wrycz Rekowski antwortete trocken: „Geld ausgeben können wir gut.“
Die Sanierung war allerdings dringend nötig. Die alte Kaikante stammte aus den 1960er-Jahren und ließ sich zuletzt nicht mehr voll nutzen. Verbaut wurden jetzt unter anderem 1.365 Tonnen Spundwandstahl und 20.500 Tonnen Sand. Die neue Kaikante soll lange halten. „Mindestlebensdauer 80 Jahre – es wird für die meisten von uns also schwer, die nächste Sanierung noch mitzuerleben“, sagte der Senator. Weil die neuen Spundwände vor die alten gesetzt wurden, ist das Ufer insgesamt etwas breiter geworden.
Näher an der Warnow

Am meisten fällt die rund 200 Meter lange Gehebene auf, die tiefer liegt als die Promenade, zusammen mit den großen Sitzstufen. Hier sitzt man fast direkt auf Wasserhöhe. Ralf Mertz von der Ed. Züblin AG, die die Kaikante zusammen mit Colcrete Wasserbau gebaut hat, sprach in seiner Rede fast poetisch über den Ort: „Wir laden alle Rostocker ein, sich auf die Stufen zu setzen und den uralten Geschichten, die der Fluss erzählen kann, zu lauschen.“ Nebenan ist aus vier einzelnen Steganlagen die Marina „Ocean's End“ geworden. Sie hat 120 Liegeplätze für Boote bis 20 Meter Länge.
Laut von Wrycz Rekowski ging es auch darum, die Leute am Stadthafen zu halten, während dort in den nächsten Jahren an vielen Stellen gebaut wird. Man wolle vermeiden, „dass wir uns nach zehn Jahren über alles freuen, was fertig ist, aber keiner mehr hier ist, weil sich alle einen neuen Platz in der Stadt gesucht haben“.
Noch viel Beton, aber bald grüner

Wer heute über das neue Ufer läuft, sieht vor allem eins: sehr viel Beton. Noch gibt es keine Außengastronomie, und so wirkt die große Fläche ziemlich leer. Kröger nahm es mit Humor und nannte den Stadthafen die „schönste Betonmeile der Welt“. Das soll sich zumindest teilweise ändern. Im November werden an den Sitzstufen elf Bäume gepflanzt, das bestätigte Bausenatorin Dr. Ute Fischer-Gäde vor Ort. Vor den Restaurants auf der anderen Seite kommt dagegen kein Grün dazu. Dort soll in einigen Jahren die neue Hochwasserschutzwand gebaut werden und erst sie soll dann begrünt werden.
Eine Liebeserklärung hat die neue Promenade übrigens schon bekommen: Kröger erzählte, dass dort bereits jemand ein Graffiti gesprüht hat. „So ist das in fast allen Städten“, sagte sie gelassen. „Die Menschen werden diesen Ort jetzt annehmen und etwas damit machen.“ Für die Sonnenuntergänge an der Warnow, die laut Kröger im Sommer hier am längsten dauern, muss man jetzt nur noch auf besseres Wetter warten.