Wenn in Rostock der Notruf gewählt wird, endet der Anruf ab sofort in einem der modernsten Führungs- und Kommunikationszentren in ganz Mecklenburg-Vorpommern. Auf dem Gelände der Feuer- und Rettungswache 1 in der Erich-Schlesinger-Straße hat die Stadt heute ihre neue Integrierte Leitstelle in Betrieb genommen – nach über zehn Jahren Planung und Bau.

An der neuen, zentralen Anlaufstelle für alle Notrufe über die 112 und die 19222 koordinieren Disponenten rund um die Uhr sämtliche Einsätze von Feuerwehr und Rettungsdienst – und behalten auch im Katastrophenfall den Überblick. Wie groß die Bedeutung ist, zeigt die Bilanz des Vorjahres: Allein 2025 gingen 54.807 Notrufe ein, dazu 9.193 Anrufe für den Krankentransport und weitere 46.686 Anrufe – insgesamt über 100.000 Gespräche, bei denen es oft um alles ging.

„Mit der Inbetriebnahme der neuen Leitstelle stellen wir sicher, dass die Hanse- und Universitätsstadt Rostock auch in Zukunft bestens auf Notfälle vorbereitet ist", betont Oberbürgermeisterin Eva-Maria Kröger (Linke). „Die Investition stärkt nachhaltig die Sicherheit der Rostockerinnen und Rostocker sowie unserer Gäste und schafft gleichzeitig moderne Arbeitsbedingungen für die Disponentinnen und Disponenten, die 24/7 für uns erreichbar sind."

„Bis zur heutigen Inbetriebnahme der neuen Leitstelle verlangte das Projekt über die Jahre allen Beteiligten so einiges ab“, dankte Amtsleiter Michael Allwardt allen Beteiligten für ihr Durchhaltevermögen. „Mit der heutigen Inbetriebnahme verfügen wir über eine moderne und resiliente Leitstelle, die den Anforderungen der kommenden Jahrzehnte gerecht wird.“

Ausfallsicher konstruiert – auch wenn anderswo das Licht ausgeht

Das Besondere an der neuen Leitstelle liegt nicht im Sichtbaren, sondern im Verborgenen, in ihrer Widerstandsfähigkeit. Schon in der Planungsphase flossen die Anforderungen des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) ein – und wurden bei Bau und Ausstattung konsequent umgesetzt. Zwei voneinander unabhängige Serverräume, redundante Netzwerke, mehrere getrennte IT-Netze, erhöhte Firewall-Sicherheit und eine leistungsfähige Notstromversorgung sorgen dafür, dass die Technik selbst in außergewöhnlichen Schadenslagen weiterläuft. Fällt das eigentliche System aus, steht mit dem Einsatzleitwagen 2 (ELW 2) eine permanente, mobile Ausfallreserve bereit, die den Betrieb kurzfristig übernehmen kann.

Neue Leitstelle der Feuerwehr Rostock eingeweiht, rechts der Einsatzleitwagen 2
Neue Leitstelle der Feuerwehr Rostock eingeweiht, rechts der Einsatzleitwagen 2

Im August 2024 wurde das Gebäude fertiggestellt und an die Feuerwehr übergeben; seitdem sind dort bereits das zentrale Katastrophenschutzlager, die Atemschutz- und Gerätewerkstatt sowie die Bekleidungskammer in Nutzung. In den vergangenen Monaten folgte der technische Aufbau der Leitstelle selbst – mit einer hochverfügbaren IT-Infrastruktur und einer vollständigen Neustrukturierung von Hard- und Software.

Sieben Arbeitsplätze mit Kapazität für den Ernstfall

Im Herzen der Leitstelle stehen sieben reguläre Arbeitsplätze, jeder ausgestattet mit teilbaren Curved-Flatscreen-Monitoren, eigener Tastatur, Maus, Headset, Lautsprechern und Sprechfunkanlage. Normalerweise sind vier Plätze rund um die Uhr besetzt, zu bestimmten Tageszeiten auch mehr, erläutert Allwardt.

Eine Medienwand aus zwölf Einzelbildschirmen liefert jederzeit das Lagebild. Im Krisenfall lassen sich acht zusätzliche Notruf-Abfrageplätze für Sonderlagen und zwei weitere Arbeitsplätze im Kommunikationsraum aktivieren, wenn bei Sturm, Hochwasser oder Großschadenslagen plötzlich Hunderte Anrufe gleichzeitig auflaufen.

Auch an die Menschen an den Headsets wurde gedacht: Teeküche, Pantryküche, Ruheräume und eine Dachterrasse schaffen Rückzugsorte zwischen den Notrufen.

Räume für Führungsstab von Feuerwehr und Stadt

Kommunikationsraum für den Führungsstab der Feuerwehr
Kommunikationsraum für den Führungsstab der Feuerwehr

„Neben dem Tagesgeschäft gibt es Schadenslagen, die brauchen eine andere Führung“, erläutert Allwardt. In diesen Fällen wird das Szenario aus dem Tagesgeschäft der Leitstelle herausgenommen und direkt nach nebenan, in den Kommunikationsraum des Führungsstabs, verlagert. Die sogenannte Feuerwehr-Dienstvorschrift 100 regelt die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen, Einrichtungen und Behörden.

Einen weiteren Beratungsraum gibt es für den Führungsstab der Stadt: Hier werden oberhalb der Feuerwehrebene strategische Entscheidungen der Stadt getroffen, erklärt Rostocks Finanz- und Ordnungssenator Dr. Chris von Wrycz Rekowski (SPD). Geprobt wurde hier bereits ein großflächiger Stromausfall.

36,8 Millionen Euro investiert

Die Gesamtkosten des Projektes belaufen sich auf rund 36,8 Millionen Euro. Davon entfallen etwa 30,3 Millionen Euro auf den Bau des Gebäudes und rund 6,5 Millionen Euro auf die technische Ausstattung. „Wir haben es ein kleines bisschen größer gebaut als wir es für unsere Zwecke brauchen“, erläutert von Wrycz Rekowski, „weil immer noch im Hintergrund Forderungen des Landes mitschwingen, kann man das nicht gemeinsam machen.“ Gemeint ist eine gemeinsame Leitstelle von Stadt und Landkreis, der bislang auf eigenständige Strukturen setzt.

Beratungsraum für den Führungsstab der Stadt
Beratungsraum für den Führungsstab der Stadt

Rund die Hälfte der unmittelbaren Leitstellenkosten wird über die Krankenkassen im Rahmen der Rettungsdienstfinanzierung refinanziert.

Mit der Aufnahme des Leitstellenbetriebes ist zugleich der erste von vier Bauabschnitten der umfassenden Modernisierung der Feuerwache 1 in der Rostocker Südstadt erfolgreich abgeschlossen.