Ganz so hoch wie vorhergesagt ist die Ostsee in der Nacht zum Sonntag (18. Oktober 2026) in Warnemünde nicht gestiegen. Am Pegel im Seebad wurden gegen 3 Uhr maximal 97 Zentimeter über Normalhöhennull (NHN) gemessen. Damit blieb es bei einem erhöhten Wasserstand, 3 Zentimeter unter der Schwelle zur leichten Sturmflut. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) hatte für den Bereich westlich Rügens bis zu 105 Zentimeter erwartet. Eines der Vorhersagemodelle hatte für Warnemünde sogar gut 1,20 Meter berechnet.
Etwas höher stand das Wasser in der Unterwarnow. Am Pegel Rostock Mühlendamm wurden in der Nacht 101 Zentimeter über NHN erreicht. Das ist formal eine leichte Sturmflut, wenn auch nur ganz knapp. Bereits ab etwa 23 Uhr lag der Wasserstand dort durchgehend bei mehr als 90 Zentimetern.
Leichte Sturmflut von Wismar bis Kiel
Deutlich kräftiger fiel das Hochwasser weiter westlich aus. Bei Nord- bis Nordostwind staut sich das Wasser in den Buchten der westlichen Ostsee besonders stark. In Wismar stieg der Pegel auf 1,17 Meter über NHN, in Kiel-Holtenau auf 1,10 Meter. Am höchsten stand das Wasser in Travemünde in der Lübecker Bucht mit 1,23 Metern.
An allen drei Pegeln war das eine leichte Sturmflut. Travemünde lag dabei nur 2 Zentimeter unter der Schwelle zur mittleren Sturmflut. Die BSH-Vorhersagen trafen im Westen recht gut zu: In der Lübecker Bucht waren bis zu 125 Zentimeter erwartet worden, in der Kieler Bucht bis zu 115 Zentimeter.
Schön anzusehen, aber harmlos
Größere Schäden blieben in Rostock und Warnemünde aus. Für Schaulustige bot der Nordostwind am Morgen trotzdem ein sehenswertes Schauspiel. Die Wellen brachen sich an der Westmole und schwappten über den Weg. Wer bis nach vorn zum Leuchtfeuer wollte, musste mit nassen Füßen rechnen. Zwischen den Molenfeuern liefen derweil die Fähren planmäßig ein und aus.

Auch der Strand war am Sonntag deutlich schmaler als sonst. Wer trotz Wind und Wellen ein kurzes Bad in der Ostsee nehmen wollte, musste heute nicht ganz so weit laufen.
Am Vormittag lag der Wasserstand in Warnemünde noch knapp 90 Zentimeter über NHN. Bis zum Abend soll er laut BSH-Vorhersage auf rund 40 Zentimeter sinken.
Wasserstände und Sturmflutkategorien an der Ostsee
An der Ostsee spricht man ab einem Meter über dem mittleren Wasserstand von einer Sturmflut. Streng genommen handelt es sich um ein Sturmhochwasser, denn Gezeiten spielen an der Ostsee kaum eine Rolle. Der Begriff Sturmflut hat sich trotzdem durchgesetzt.
leichte Sturmflut ab 1,00 Meter
mittlere Sturmflut ab 1,25 Meter
schwere Sturmflut ab 1,50 Meter
sehr schwere Sturmflut ab 2,00 Meter
Den höchsten Wert der jüngeren Zeit erreichte der Pegel Warnemünde am 2. Januar 2019 während Sturmtief Zeetje. Damals stand das Wasser knapp 1,70 Meter über NHN, Strand und Westmole wurden überspült. Der höchste bekannte Wasserstand im Seebad stammt von der „Jahrtausendflut“ am 13. November 1872.
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