Philosophisches Kinderfest auf dem Ulmencampus

Mit Rätseln, Spielen und Kuchen laden Studierende des Philosophischen Instituts Kinder zum Nachdenken ein

6. Juni 2011, von
Höhlengleichnis
Höhlengleichnis

Kühle Temperaturen, Tropfgeräusche, stockdunkle Finsternis – wie in einer Höhle. Die Atmosphäre stimmt im alten Gewölbekeller in einer der historischen Backsteinkasernen auf dem Universitätscampus in der Ulmenstraße. Der sechsjährige Max sitzt mit dem Rücken an einer Bank vor einer Wand. Er darf sich nicht umdrehen. Dann knipst Philosophiestudent Paul Schulz den Tageslichtprojektor an. Zwei Schatten erscheinen auf der Wand. „Was siehst du?“, fragt er den Jungen. „Tongefäße“, antwortet dieser vorsichtig. „Bist du dir ganz sicher?“ Max beginnt nachzudenken. Es könnten auch Vasen oder Tassen sein.

Der direkte Anblick der Figuren bringt Klarheit. Eine Figur ist tatsächlich eine kleine Tasse. Bei der anderen handelt es sich jedoch lediglich um ein Stück Pappe mit den Umrissen einer Tasse. So kann man sich täuschen! Oder sind diese Dinge, die wir aus dem Alltag kennen, auch nur Schatten von irgendetwas anderem?

Philosophisches Kinderfest auf dem Ulmencampus der Universität Rostock
Philosophisches Kinderfest auf dem Ulmencampus der Universität Rostock

Bevor das Gehirn jetzt allzu stark rumpelt, halten wir erst einmal fest: Was die wahren Dinge sind, das kann man mit den Schattenfiguren nur schwerlich ausmachen. Eine Erkenntnis, die bereits der antike Philosoph Platon im Höhlengleichnis vermitteln will. Es gilt als Standardbeispiel, um in die Erkenntnistheorie einzuführen. Studenten des Instituts für Philosophie haben es aufgegriffen und für Kinder szenisch umgesetzt.

„Platons Höhle“ stellte eine von insgesamt zwölf Stationen dar, mit denen sie Kinder bis zu 12 Jahren am Kindertag ans Philosophieren heranführen wollten. Zum ersten Mal hatten sie dafür das „Philosophische Kinderfest“ organisiert und Aktionsstände auf der großen Rasenfläche des Ulmencampus aufgebaut. Hier konnte gespielt, gegrübelt, gemalt und gestaunt werden.

Eva, Rena, Florian, Annesophie und Julia Maria basteln ein Buch zum Glücklich sein
Eva, Rena, Florian, Annesophie und Julia Maria basteln ein Buch zum Glücklich sein

Eva, Rena, Florian, Annesophie und Julia Maria fertigten sich beispielsweise ein „Buch zum Glücklichsein“ an. Darin sammelten sie Bilder von Aktivitäten, die sie glücklich machen. Verreisen, Haustiere, Fernsehen, Fahrrad fahren, Malen, Lesen – das Büchlein wurde immer dicker. Es gibt eben kein einfaches Rezept zum Glücklichsein und außerdem komme es auf das richtige Maß an. Das wusste schon der antike Philosoph Epikur, wie sie an dieser Station in einem Rätsel erfahren konnten.

Viele weitere philosophische Experimente und Gedankenanregungen warteten auf die Besucher des Kinderfestes. So konnten sie sich auf die Spuren antiker Rätsel begeben, optischen Täuschungen auf den Grund gehen oder erforschen, welche Wahrheiten sich hinter selbst kombinierten Sätzen verbergen.

Optische Täuschungen beim Philosophischen Kinderfest
Optische Täuschungen beim Philosophischen Kinderfest

Philosophieren sei wichtig für Kinder, „weil sie dadurch das kritische Denken lernen und eine andere Sicht auf die Welt bekommen. Wenn man sich mit philosophischen Konzepten auseinandersetzt, kann man ganz viel für sein eigenes Leben mitnehmen“, erklärt Paul Schulz, der Gymnasiallehrer für Philosophie und Sozialkunde werden will.

Und weil das so wichtig ist, wird in unserem Bundesland ab dem ersten Schuljahr mit den Kindern in einem eigenen Unterrichtsfach philosophiert. „Mecklenburg-Vorpommern und Hawaii sind die einzigen Länder auf der Welt, in denen Philosophieren mit Kindern ab der 1. Klasse unterrichtet wird“, informiert Christian Klager, Didaktik-Dozent am Institut für Philosophie.

Aber auch außerhalb der Institution Schule lässt sich hervorragend philosophieren, wie am Kindertag auf dem Ulmencampus gut zu beobachten war.

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