Rainald Grebe und das Orchester der Versöhnung

Eine Mischung aus Theater, Comedy und Konzert in der Stadthalle Rostock

13. Februar 2011, von
Rainald Grebe
Rainald Grebe

Ein Mann, in ein Brautkleid gehüllt, mit Schleier, betritt die Bühne. Dabei hat er handelsübliche Abflussrohre. Diese legt er ins Publikum und macht darauf Musik. Ist das Rainald Grebe? Nein, das ist erst der Anfang von einem Abend, der einen häufig ratlos zurücklässt, aber noch häufiger zum Lachen bringt.

Unter dem Schleier versteckte sich nicht Grebe, sondern einer seiner Mitmusiker. Der Protagonist betrat kurz darauf die Bühne, wie für ihn üblich, mit einem Indianerkranz auf dem Kopf. Überhaupt waren die Kostüme sehr gut gelungen. DJ Smoking Joe trug einen Anzug, der an Captain Jack erinnerte, Buddy Casino an der Orgel hatte einen aufgesetzten roten Irokesen, Serge Radke am Bass sah aus wie ein indischer Schlangenbeschwörer und Martin Brauer am Schlagzeug hatte mehrere unterschiedliche Kopfbedeckungen, unter anderem einen Karton und einen Fisch.

Martin Brauer am Schlagzeug
Martin Brauer am Schlagzeug

Martin Brauer wurde auch mit besonders tosendem Applaus von der fast ausverkauften Stadthalle begrüßt, ist er doch er ein Kind der Stadt.

Und das wusste Grebe, der sich überraschend gut in der Region auskannte und selbst auch schon mal im Moya gespielt hat, natürlich besonders herausragend anzumerken. Weiterhin waren auf der Bühne noch Marcus Baumgart an der Gitarre und ein Streichquartett.

Marcus Baumgart an der Gitarre und Serge Radtke am Bass
Marcus Baumgart an der Gitarre und Serge Radtke am Bass

Bis das Konzert so richtig anfing, verging erstmal eine gute halbe Stunde. So lange hat es gedauert, bis alle Musiker nach und nach die Bühne betraten, begleitet von Sprüchen und Geschichten von Grebe. Rahmenhandlung, wenn man es so nennen will, war die angebliche Burn-out-Syndrom Erkrankung von ihm, woraufhin er ein halbes Jahr nichts macht und dann noch Afrika besuchte. Von den gesammelten Eindrücken und Erfahrungen erzählte er häufig in Liedform, aber auch in kleinen Anekdoten.

Der Künstler zeichnet sich durch eine sehr genaue Beobachtungsgabe aus. Das zeigte sich vor allem in dem Lied „20. Jahrhundert“. Darin werden viele Sachen aufgezählt, die für uns heute noch ganz selbstverständlich sind, beziehungsweise vor einigen Jahren waren, mit denen aber Jugendliche in zehn Jahren nichts mehr anfangen können. Auch ein Lied über das Angeln und den damit verbunden Folgen fand sich im Programm wieder.

Rainald Grebe und das Orchester der Versöhnung
Rainald Grebe und das Orchester der Versöhnung

Wie ein Wirbelwind fegte Grebe während des dreistündigen Programms über die Bühne. Mal in einem alten Bürodrehstuhl, der auch als Klavierstuhl verwendet wurde und natürlich auch zu Fuß, unterstützt von kleinen Tanzeinlagen. Für eine große Tanzeinlage bedurfte es dann der Hilfe aus dem Publikum. Bei „Handtaschentanz im Haus der Kulturen der Welt“ sollten Damen (es kamen auch einige Herren) auf die Bühne kommen und dann mit Handtaschen tanzen. Das sah sehr merkwürdig, aber auch sehr lustig aus.

Rainald Grebe 2011
Rainald Grebe 2011

Natürlich durften auch Klassiker im Programm nicht fehlen. So gab es als zweite Zugabe Grebes vielleicht bekanntesten Song, nämlich „Brandenburg“. Das ganze Programm wurde auch durch sehr gute Lichteffekte unterstützt und auch die Bühne, die mit den angebrachten Girlanden ein wenig an das Deck eines Kreuzfahrtschiffes erinnerte, machte Eindruck.

Bühnenaufbau bei Rainald und seinem Orchester
Bühnenaufbau bei Rainald und seinem Orchester

Zum Abschluss gab es erst den Song „Landleben“, der angeblich durch den Besuch des Bauernhofs von Martin Brauer bei Wismar inspiriert wurde und als letztes Lied, sehr passend, „Doreen aus Mecklenburg“. „Dafür stehen wir, Ayurveda und Hartz 4.“ Ganz so schlimm ist es nicht, aber im Kern leider doch treffend. So gab es vor allem für dieses Lied viel Applaus und die Leute konnten zufrieden nach Hause gehen.

Wer das Konzert verpasst hat, muss nicht zu enttäuscht sein. Einerseits gibt es das Programm auch als CD zu kaufen, andererseits verriet Grebe während des Konzerts schon seine weiteren Planungen bis ins Jahr 2023. Und dabei war auch ein weiterer Besuch in Rostock. Wir sind gespannt, ob der Plan so aufgeht.

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