1. Warnemünder Museumsabend im Heimatmuseum

Rostocker Brauerei- und Gastronomiegeschichte

14. April 2010, von

Rostocker Brauerei- und Gastronomiegeschichte Worum es an diesem ersten Museumsabend im Warnemünder Heimatmuseum gehen sollte, wusste jeder der Anwesenden spätestens in dem Moment, in dem er einen Blick auf das Rednerpult warf. Richtig! Das Thema der nächsten Stunde war „Bier“.

Obwohl diese wohlschmeckende Angelegenheit Männern, wie ich glaubte, eher noch am Herzen, beziehungsweise am Gaumen, liegen dürfte, waren mindestens ebenso viele Frauen erschienen. Wie ich später erfuhr, spielten Frauen in der Geschichte des Bieres ohnehin eine wichtige Rolle.

Warnemünder Museumsabend im Heimatmuseum So hatte etwa Hildegard von Bingen als Erste über den Nutzen des Hopfens im Bier geschrieben und die Ehefrau Martin Luthers, Katharina von Bora, sei Brauerin von  Beruf gewesen. Überhaupt hätten nicht die Mönche, sondern die Nonnen in den Klöstern das Bier gebraut.

Das goldig-schaumige Getränk beschäftigt und beschäftigte also Männer wie Frauen in gleicher Weise. Hach, schon wieder was dazugelernt.

Heimatmuseum Warnemünde Ich war schon reichlich früh an Ort und Stelle und hatte deshalb noch etwas Zeit, mich umzugucken. Das Heimatmuseum zeigt in liebevollem Arrangement unzählige Exponate und Informationen über die Geschichte von Warnemünde sowie die Fischerei und Seefahrt im Allgemeinen. Überdies werden den Museumsbesuchern das Lotsenwesen und die Seenotrettung anhand ausgewählter Ausstellungsstücke näher gebracht. Ich sah Modellschiffe, ein altes Fernrohr, Landkarten und historische Kleidungsstücke.

Zudem konnte ich kurz in eine sogenannte „Achterstuw“ schauen, ein Schlafraum wie er am Ende des 19. Jahrhunderts in Warnemünde aussah. So hatte man hier also damals geschlafen!? Es werden noch viel mehr Räume gezeigt. Doch ich hatte ja schon einen Termin. Der Vortrag sollte nun gleich beginnen. Also nahm ich Platz.

Uwe Heimhardt Zunächst begrüßte Uwe Heimhardt, Vorsitzender des Museumsvereins Warnemünde, die gespannte Hörerschaft. Nachdem er dann noch einmal klargestellt hatte, dass Bier ein Grundnahrungsmittel sei und nicht, wie häufig behauptet, dick mache, stellte er den Referenten des Abends, Jens Andrasch, vor. Dieser sei ein echter „Rostocker Jung“.

Er sei 46 Jahre alt und beschäftige sich neben dem Beruf als Stahlbauschlosser schon seit über 20 Jahren mit der Rostocker Brauerei- und Gastronomiegeschichte, so Andrasch.

Zudem habe er schon so manchen Artikel im Warnemünder Bäderjournal „Tidingsbringer“ veröffentlicht und „Das Rostocker Bierbuch“ sowie den Band „Die Trotzenburg. Vom Forsthaus zum Brauhaus“ verfasst. Beide erschienen im Rostocker Verlag „Redieck und Schade“.

Jens Andrasch Wie er zu diesem Thema fand? Begonnen habe alles mit seiner Sammelleidenschaft. Seit 1978 schon habe er Bieruntersetzer gesammelt. „Irgendwann kam dann das Interesse dafür, was hinter den Deckeln steht“. Fortan begab er sich in das Archiv der Rostocker Brauerei und viele weitere Archive, um mehr zu erfahren. Aus der Fülle des über die Jahre erarbeiteten Materials trug er an diesem Abend recht interessante Begebenheiten vor.

Zunächst gab es eine kleine allgemeine Einführung in die Geschichte des Bieres. Ausgangspunkt für die erste Herstellung eines Bieres sei höchstwahrscheinlich ein vergorener Brotteig gewesen, erläuterte Andrasch. Bereits in dem ältesten bekannten Werk der Weltliteratur, dem Gilgamesch-Epos, sei das Bier erwähnt worden. Doch das Gebräu jener Zeit muss ein „wildes und wirres Gepansche“ gewesen sein, fuhr der Redner fort. So verwendete man beispielsweise Ruß, um das Bier abzudunkeln. Der babylonische König Hammurabi habe dann die ersten Biergesetze erlassen.

„Wann und von wem wurde das deutsche Reinheitsgebot verkündet?“ Das wusste das Publikum. Am 23. April 1516, Wilhelm IV. war es. Es besagte, dass fortan nur Gerste, Hopfen und Wasser zur Bierherstellung verwendet werden sollten. Mein Lerneifer fand längst noch kein Ende.

Jens Andrasch und Uwe Heimhardt Nun wurde es erst so richtig interessant. Andrasch begann über die Geschichte der hiesigen Rostocker Brauerei, die 1869 als Julius-Meyersche Bierbrauerei gegründet worden war, zu berichten. Ich erfuhr, dass am 1. August 1967 ein verheerendes Großfeuer in der Brauerei ausbrach, weil ein Arbeiter sich nicht an das Rauchverbot gehalten hatte.

Dann berichtete der Referent von seinen Erlebnissen als „geheimnisvoller Biertester“ in Warnemünde. Er hatte einst innerhalb von sechs Stunden achtundsiebzig Warnemünder Gastronomiebetriebe besucht, um die dort angebotenen Biersorten in Erfahrung zu bringen. Dabei kam er zu dem Ergebnis, dass 44 Gastronomen regionale Biersorten im Angebot führten.

Schließlich wurde noch die Geschichte des Rostocker Brauhauses „Trotzenburg“ zum Thema. Ich erfuhr, dass diese einst ein Forsthaus gewesen war und sich dann nach und nach zu einer Schankwirtschaft entwickelt hatte. Ein vorgetragener Briefwechsel zwischen dem Besitzer des einstigen Forthauses, Friedrich Moll, und einem sogenannten Krugwärter zu Bramow gab Aufschluss über die erste Entstehungsphase des Brauhauses.

In Sachen Bier- und Brauereigeschichte bin ich nun also wirklich bestens informiert. Mit dem an diesem Abend erlangten Wissen werde ich in jeder geselligen Männerrunde auftrumpfen können.

Die Museumsabende des Heimatmuseums in Warnemünde gibt es übrigens schon seit 2005. Der Vorstand des Museumsvereins rief sie ins Leben, um mehr Menschen ins Museum zu locken. Bisher, erzählte mir Uwe Heimhardt, fänden sich auch immer wieder neue interessante Themen für diese Abende. Man darf also schon auf den nächsten Warnemünder Museumsabend gespannt sein.

Schlagwörter: Bier (1)Brauerei (2)Geschichte (86)Heimatmuseum (16)Warnemünde (917)

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