„Tag der Archive 2012“ im Rostocker Stadtarchiv

Das Rostocker Stadtarchiv gewährt Einblicke in seine Sammlung und die Arbeit der Archivarinnen und Archivare

3. März 2012, von
Bodo Keipke zeigt Archivarien
Bodo Keipke zeigt Archivarien

Mehr als nur staubige Folianten und alte Besitzurkunden beherbergt das Rostocker Stadtarchiv. Davon konnten sich heute die Besucher des  „Tages der Archive“ überzeugen. Bei den Führungen durch die Magazine der Stadt erhielten sie nicht nur Einblicke in die Arbeit der Rostocker Archivare, sondern auch in historische Kriminalfälle der Hansestadt.

Mit dem „Tag der Archive 2012“ veranstaltete der Verband der deutschen Archivarinnen und Archivare in diesem Jahr bereits zum sechsten Mal einen bundesweiten Tag der offenen Tür. Als größter Archivzweckbau Mecklenburg Vorpommerns präsentierte sich natürlich auch das Rostocker Stadtarchiv im Kerkhofhaus zu diesem Anlass. Mit der diesjährigen Ausstellung zum Thema „Feuer, Wasser, Krieg und andere Katastrophen“ wurde das Archiv am Samstag zum Besuchermagneten.

Die Ausstellung im Lesesaal des Rostocker Archivs gewährte Einblicke in die großen Katastrophen der Stadtgeschichte Rostocks, wie etwa „Der große Stadtbrand 1677“, „Die große Sturmflut 1625“, „Der Ausbruch der Cholera 1832“ und die „Schneekatastrophe 1978/79“. Die historischen Katastrophen wurden von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Archivs durch viele Original-Dokumente, Bilder und andere Exponate aus dem Rostocker Archiv aufgearbeitet und veranschaulicht.

Brandakten im Rostocker Stadtarchiv
Brandakten im Rostocker Stadtarchiv

Die Besucher drängten sich um die thematisch eingerichteten Tische. Doch eine Station schien besonders beliebt zu sein, obwohl es hier nur um eine „Beinahe-Katastrophe“ ging: die Rettung des Stadtarchivs selbst, während des Viertagebombardements vom April 1942. Beim verheerenden Bombenangriff wurde auch das damals durch ein Pappdach geschützte Archivgebäude getroffen. Mitten im Chaos und mit einfachsten Mitteln gelang es den Einsatzkräften, die in die Magazine eingeschlagenen Bomben und Brände zu löschen, bevor größerer Schaden verursacht werden konnte. Daran, wie nah das 700 Jahre alte Gedächtnis Rostocks vor der völligen Vernichtung stand, erinnerten die Besucher selten ausgestellte Archiv-Fotos zerstörter Gebäude und Originale der schwer vom Feuer geschädigten Dokumente, sogenannte „Brandakten“.

Neben der geschichtsträchtigen Ausstellung bekamen die vielen Besucher die Möglichkeit an Führungen durch die heiligen Hallen des Archivs teilzunehmen. Archivar Bodo Keipke und andere Mitarbeiter des Rostocker Archivs kamen hier mit den Besuchern über die Stadtgeschichte, Archivarien und vor allem die Arbeit im Rostocker Archiv ins Gespräch.

Archivarien im Magazin des Rostocker Stadtarchivs
Archivarien im Magazin des Rostocker Stadtarchivs

„Wir freuen uns sehr über den regen Zuspruch zur Arbeit der Archive, die ja zugegebenermaßen doch im verborgenen stattfindet“, gab der Archivar Bodo Keipke mit einem Lächeln zu, als er eine Besuchergruppe zum Rundgang begrüßt. Während des Rundgangs zeigte der Archivar die Trese, den Raum, in welchem die wichtigsten Urkunden und Ratsprotokolle lagern. Natürlich durften die Besucher auch einen Blick auf einige der mittelalterlichen Urkunden, Schriften, Einbände und Sigel werfen. Auch zu Fragen der Beschaffenheit, Aufbewahrung und Restaurierung stand Bodo Keipke den Besuchern seines Rundgangs Rede und Antwort und gab so auch interessante Einblicke in den Beruf des Archivars.

Auch das Magazin zeigte Bodo Keipke den Besuchern. Dort lagern unter anderem 20.000 Fotoaufnahmen und Postkarten der Hansestadt. Diese Sammlung würde der Archivar gern erweitern, „gerade um auch das aktuelle Stadtbild in weniger zentralen Teilen wie zum Beispiel Evershagen zu dokumentieren“. Dafür fehlen dem Archiv aber leider die Honorarmittel. Besonders interessant im Magazin sind die eingelagerten, historischen Verwaltungsakten, die manchmal „dramatische Fälle schildern“, wie der Archivar erklärt. Hierzu zeigte Bodo Keipke den interessierten Besuchern die Akte eines Dienstmädchens, das wegen Kindsmord in Rostock festgehalten und befragt wurde. Immer noch in der Akte enthalten ist das Strumpfband des Mädchens, mit welchem es sich damals in seiner Zelle erhängte.

Bodo Keipke führt Besucher durch das Magazin
Bodo Keipke führt Besucher durch das Magazin

Das Rostocker Stadtarchiv beherbergt eine Menge Schätze, die nicht nur das Stadtbild und die Rostocker Politik historisch dokumentieren, sondern auch menschliche Schicksale unserer Hansestadt nachzeichnen. Ein Besuch der Rostocker Archive und ein Gespräch mit den Archivaren lohnen sich ganz bestimmt auch außerhalb des „Tages der Archive“ für jeden Rostocker.

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