
Ab und zu sieht man doch mal jemanden der etwa im gleichen Alter ist, doch für Historisches scheinen sich generell nur die älteren Semester der Rostocker Einwohnerschaft zu interessieren. Schade eigentlich!

Der bundesweite Tag der Archive findet alle zwei Jahre statt und war zuletzt 2008 ein großer Erfolg gewesen, als in der Rostocker Rathaushalle die Vicke-Schorler-Rolle ausgestellt wurde. Die Wiederholung dieses Highlights war für 2010 zwar nicht geplant, doch mit einer Reihe von Vorträgen und den Führungen durch das Stadtarchiv wurde der Tag mindestens genauso interessant gestaltet. Aus Vorträgen, die mit Hilfe des Archivmaterials zusammengestellt wurden, konnte man lernen, „Wie die gute Stadt Rostock zu einem Archiv kam“ oder wie sich die Kultur des Briefschreibens in den letzten Jahrhunderten verändert hat.

Verschiedene Bürger haben sich im Laufe der Zeit im Ordnen und Sammeln der historischen Dokumente versucht - manchmal mit mehr und manchmal mit weniger Erfolg.
Zur endgültigen Anstellung eines Rostocker Archivars kam es laut einer Anekdote so: Der damalige Bürgermeister Ferdinand Crumbiegel suchte 1871 verzweifelt nach einem Folianten, der wie vom Erdboden verschluckt war. Drei Jahre später fand eine Putzfrau das Buch unter dem Sitz des Bürgermeisters, der dieses wohl als Sitzerhöhung, unter sein Kissen gelegt und dort vergessen hatte.

Dr. Karsten Schröder, Leiter des Rostocker Stadtarchivs, führte die Gäste auch in die sogenannte Trese, den Raum, in dem die wichtigsten und wertvollsten Dokumente untergebracht sind.
Man konnte ein jahrhundertealtes Einzugsbuch bewundern, in welchem früher Hausverkäufe und Umzüge schriftlich festgehalten wurden, oder eine mit Prunksiegeln verzierte Urkunde, die die Rostocker früher einmal an ein Bündnis gegen den dänischen König band.
Das Rostocker Stadtarchiv ist wesentlich mehr, als ein Parkplatz für alte Bücher. Vielmehr ist es eine Art Schatzkiste, die die bewegte Geschichte unserer Hansestadt dokumentiert. Ein Besuch, nicht nur im Rahmen des Tages der Archive, lohnt sich ganz bestimmt.