5. Tag der Archive auch im Rostocker Stadtarchiv

Vorträge und historische Dokumente im Kerkhoffhaus zu sehen

7. März 2010, von
Stadtarchiv Rostock - Eingang zum Archiv im Kerkhoffhaus
Stadtarchiv Rostock - Eingang zum Archiv im Kerkhoffhaus

Langsam halte ich es fast für symptomatisch: Besucht man als Mittzwanziger eine Veranstaltung, die sich mit Geschichte oder Geschichte im weitesten Sinne befasst, senkt man das Durchschnittsalter der Besucher nicht unwesentlich um einige Jahre…

Ab und zu sieht man doch mal jemanden der etwa im gleichen Alter ist, doch für Historisches scheinen sich generell nur die älteren Semester der Rostocker Einwohnerschaft zu interessieren. Schade eigentlich!

Stadtarchiv, Trese Rostock
Stadtarchiv, Trese Rostock

Der Besuch des Rostocker Stadtarchivs im Kerkhoffhaus anlässlich des 5. Tages der Archive am Samstag war auf jeden Fall sehr interessant und hat mir persönlich wieder einmal gezeigt, wie viel man doch über Rostock noch lernen kann.

Der bundesweite Tag der Archive findet alle zwei Jahre statt und war zuletzt 2008 ein großer Erfolg gewesen, als in der Rostocker Rathaushalle die Vicke-Schorler-Rolle ausgestellt wurde. Die Wiederholung dieses Highlights war für 2010 zwar nicht geplant, doch mit einer Reihe von Vorträgen und den Führungen durch das Stadtarchiv wurde der Tag mindestens genauso interessant gestaltet.
Aus Vorträgen, die mit Hilfe des Archivmaterials zusammengestellt wurden, konnte man lernen, „Wie die gute Stadt Rostock zu einem Archiv kam“ oder wie sich die Kultur des Briefschreibens in den letzten Jahrhunderten verändert hat.

Rostocker Stadtarchiv Dr. Karsten Schröder
Rostocker Stadtarchiv Dr. Karsten Schröder

Die Anfänge des Rostocker Archivs reichen bis ins Mittelalter zurück. Früher wurden die Urkunden und Stadtbücher in einem Geheimarchiv in der Ratsstube aufbewahrt, später dann in einem eigens dafür eingerichteten Raum im Rathausgebäude.

Verschiedene Bürger haben sich im Laufe der Zeit im Ordnen und Sammeln der historischen Dokumente versucht – manchmal mit mehr und manchmal mit weniger Erfolg.

Zur endgültigen Anstellung eines Rostocker Archivars kam es laut einer Anekdote so: Der damalige Bürgermeister Ferdinand Crumbiegel suchte 1871 verzweifelt nach einem Folianten, der wie vom Erdboden verschluckt war. Drei Jahre später fand eine Putzfrau das Buch unter dem Sitz des Bürgermeisters, der dieses wohl als Sitzerhöhung, unter sein Kissen gelegt und dort vergessen hatte.

Stadtarchiv Rostock: Historische Urkunde
Stadtarchiv Rostock: Historische Urkunde

Die Mitarbeiter des Stadtarchivs führten interessierte Gäste auch durch ihre heiligen Hallen bzw. Regalreihen und informierten über Art, Geschichte und Umfang der Rostocker Sammlung.
Etwa 3000 Urkunden, 2500 laufende Meter Amtsbücher und Akten, 2600 Karten und Pläne, 2500 Bauzeichnungen, 3000 Plakate und Flugblätter, 9000 Theaterzettel sowie 22000 Bilder und Fotos lassen das Gebäude allerdings langsam aus allen Nähten platzen. Und das, obwohl das Rostocker Stadtarchiv der größte Archivzweckbau Mecklenburg-Vorpommerns ist.

Rostocker Stadtarchiv: historische Bücher in den Archivregalen
Rostocker Stadtarchiv: historische Bücher in den Archivregalen

Dr. Karsten Schröder, Leiter des Rostocker Stadtarchivs, führte die Gäste auch in die sogenannte Trese, den Raum, in dem die wichtigsten und wertvollsten Dokumente untergebracht sind.

Man konnte ein jahrhundertealtes Einzugsbuch bewundern, in welchem früher Hausverkäufe und Umzüge schriftlich festgehalten wurden, oder eine mit Prunksiegeln verzierte Urkunde, die die Rostocker früher einmal an ein Bündnis gegen den dänischen König band.

Das Rostocker Stadtarchiv ist wesentlich mehr, als ein Parkplatz für alte Bücher. Vielmehr ist es eine Art Schatzkiste, die die bewegte Geschichte unserer Hansestadt dokumentiert. Ein Besuch, nicht nur im Rahmen des Tages der Archive, lohnt sich ganz bestimmt.

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