Tag gegen Lärm: Lärmspaziergang in Rostock

Lärmspaziergang in der Rostocker Innenstadt mit dem Umweltamt

28. April 2010, von

Tag gegen Lärm - Rundgang am Brunnen der Lebensfreude in Rostock Heute, am „Tag gegen Lärm“, lud das Rostocker Umweltamt interessierte Bürgerinnen und Bürger zum ersten Lärmspaziergang ein. Auf dem Rundgang im Rostocker Stadtzentrum sollten Informationen zum Thema Schall und Lärm vermittelt und Schallpegel gemessen werden.

Treffpunkt war der Universitätsplatz. Als rasende Reporterin war ich pünktlich vor Ort. Am Brunnen der Lebensfreude hatte sich eine kleine Menschenansammlung gebildet. „Die sehen mir schon so lärm- und schallinteressiert aus“, dachte ich und gesellte mich zu ihnen. Alsbald erfuhr ich, wer mich in naher Zukunft über den Lehrpfad des Lärmes führen würde. Gisela Neumann, Janet Köhler und Steffen Nozon vom Umweltamt freuten sich schon auf viele Wissbegierige. Die Zeit blieb nicht stehen, doch es erschien niemand mehr. Pressevertreter waren allerdings reichlich zugegen. Die Tour sollte gerade losgehen, da fanden sich in letzter Minute noch zwei Neugierige ein – Hans-Georg Boye und Helmut Teichmann waren diese. Sie hatten aus der Zeitung von der Veranstaltung erfahren.

Rostocker Klostergarten, Lärmspaziergang Zusammen mit ihnen ging es nun auf zum Klostergarten.

Dort wollten wir eigentlich einen Ort der Ruhe vorfinden. Es wurde jedoch in unmittelbarer Nähe gebaut und so zeigten die Schallpegelmessgeräte der Lärm- und Schallexperten einen Pegel von 60 bis 65 dB(A) an, anstelle der für diesen Ort typischen 40 dB(A). Die Ruhe auf dem Klosterhof hänge mit der Entfernung zur Straße und der Abschirmung durch die Häuser zusammen, erklärte mir Janet Köhler.

Hans-Georg Boye, Helmut Teichmann und Janet Köhler Weiter ging es zum Oberwall. Hier konnten schon die Lärmquellen der August-Bebel-Straße gemessen werden. 55 dB(A) zeigten die Gerätschaften uns an. Wann aber wird ein bestimmtes Geräusch überhaupt zum Lärm? Was ist Lärm? Gibt es bestimmte Grenzwerte, mithilfe derer eine eindeutige Definition möglich wäre? Steffen Nozon erklärte, dass das Empfinden von Lärm auch eine höchst subjektive Angelegenheit sei. Darüber hinaus würden die äußeren Umstände das Lärmempfinden wesentlich mit beeinflussen. Lärm bedeute, ein Geräusch werde als störend empfunden. So könne beispielsweise während der nächtlichen Ruhe von 20 bis 30 dB(A) ein leise brummender Bass mit 35 dB(A) schon als negativ empfunden werden. In der Diskothek empfinde man die überaus laute Musik dagegen kaum als störend. Auch die Dauer des Geräuschvorkommens sei entscheidend, meinte Janet Köhler dann. Ein sehr lautes und kurz auftretendes Geräusch könne sehr schmerzhaft wirken. Ein über viele Stunden während der Arbeit in einer Werkhalle wahrgenommenes Geräusch könne jedoch ebenso gesundheitsschädigende Folgen mit sich bringen.

Janet Köhler, Helmut Teichmann und Steffen Nozon Welche können das sein? Eine empirische Untersuchung des Bundesumweltamtes habe ergeben, so Steffen Nozon , dass bei einer dauerhaften Lärmbelastung durch Straßenverkehr mit dem Schallpegel von 65 dB(A) am Tag und 55 dB(A) in der Nacht ein um 30 Prozent höheres Herzinfarktrisiko bestehe.

Am Unterwall hatte der Schallpegel im Vergleich zum Oberwall um 5 dB(A) abgenommen. Die Verkehrsgeräusche waren noch hörbar, doch nun wesentlich leiser, obgleich sich der Abstand zur Straße nicht verändert hatte. Grund für die Differenz in den Werten ist die lärmdämmende Wirkung des Walles. Steffen Nozon verriet noch, dass der gemessene Wert für diesen eher ruhigen Ort relativ hoch sei. Das läge einzig und allein daran, dass die Vögel sich gerade in der Brutzeit befänden.

Tag gegen Lärm: Lärmspaziergang in Rostock, Schallpegelmessgerät Gisela Neumann, Janet Köhler und Steffen Nozon vom Umweltamt kümmern sich in der Abteilung Immissionsschutz, Klimaschutz und Umweltplanung um die Überwachung und Minderung von Immissionen.

Zu ihrem Zuständigkeitsbereich gehört neben Straßen- und Schienenverkehrslärm auch Lärm, der von nicht genehmigungsbedürftigen Anlagen ausgeht. Gemeint sind damit der Einzelhandel, jegliche Formen von Gewerbebetrieben, Gaststätten und ähnliche Einrichtungen. Fühlt sich ein Bürger also durch eine ihrem Zuständigkeitsbereich entsprechende Lärmquelle beeinträchtigt, kann er sich an die drei Sachbearbeiter wenden.

Gisela Neumann und Hans-Georg Boye auf dem Hochaus in der August-Bebel-Straße Nachdem wir dann an der August-Bebel-Straße, die von ca. zwanzigtausend Fahrzeugen am Tag befahren wird, einen Pegel von 77 bis 80 dB(A) gemessen hatten, führte uns unser Weg ‘gen Himmel auf die Dachterrasse des Wiro-Hochhauses in der August-Bebel-Straße 36. Trotz des Höhenunterschiedes von 76 Metern wurde hier ein Schallpegel von 60 dB(A) gemessen, ein immer noch hoher Wert. Die Summe aller Lärmquellen der Umgebung war hier zu hören. Von der Dachterrasse des höchsten Wohnhauses Mecklenburg-Vorpommerns eröffnete sich im Übrigen ein wundervoller Ausblick über ganz Rostock und für einen Moment konnte ich zumindest gedanklich jeglichem Lärm entfliehen.

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