Lärmkarten für Rostock - Lärmbelästigung visualisiert

Karten zeigen, wo die Lärmbelästigung durch den Straßenverkehr in Rostock am meisten stört – sie sollen als Grundlage für Lärmschutzmaßnahmen dienen

28. Juni 2012, von
Auf der L22 stört der Lärm am meisten
Auf der L22 stört der Lärm am meisten

Es ist zu laut! Vor allem an der L 22, wo täglich ungefähr 44.000 Fahrzeuge lang brausen. Aber auch an anderen Hauptverkehrsstraßen macht den Anwohnern der Lärm zu schaffen. Insgesamt etwa 5000 Rostocker sind von hohen Lautstärkepegeln in ihren Wohnungen betroffen. Das ergab eine Untersuchung des Landesamtes für Umwelt, Naturschutz und Geologie M-V (LUNG). Die Ergebnisse wurden in Lärmkarten und drei dicken Ordnern festgehalten und gestern der Stadt übergeben.

Neben dem Straßenverkehrslärm stellen sie auch die Lärmbelastung durch den Seehafen, die Straßenbahnlinien, bestimmte Gewerbebetriebe, wie die Brauerei und Energieerzeugungsanlagen, und anderen Lärmquellen dar. Auch die Belastung von Krankenhäusern und Schulen sei wegen ihrer besonderen Schutzwürdigkeit berücksichtigt worden, erklärt Hermann Lewke vom LUNG. Nicht mit eingeflossen in die Lärmkarten seien Gebiete, für die der Bund zuständig ist, wie die Bahnschienen oder der Seekanal. Auch Lärmquellen, für die es andere Verordnungen gibt, wie etwa für Sportstätten oder Diskotheken spielten hierbei keine Rolle.

Die Lautstärkepegel wurden in Tag- und Nachtwerte unterschieden und mit verschiedenen Farben auf der Karte markiert. Auch ihre Ursachen und die Anzahl der Betroffenen sind aus dem Material ablesbar.

Lärm beeinträchtigt Gesundheit und Bildungschancen

Die Lärmkarten sind Bestandteil der Umgebungslärmrichtlinie, die von der EU in Kraft gesetzt wurde, und werden alle fünf Jahre erstellt. Ziel ist es, auf dieser Grundlage Lärmschutzmaßnahmen zu ergreifen. Denn Lärm kann zu gesundheitlichen Schäden wie Herzinfarkt, Schlaf- und Kommunikationsstörungen oder bei Kindern zu Störungen in der sprachlichen Entwicklung führen. Auch Wertverlust von Bauland und Immobilien kann durch Lärm verursacht werden. Dies könne auch zu einem sozialen Problem werden, deutet Hermann Lewke an. Denn gerade dort, wo die Mieten lärmbedingt günstig seien, werden Schüler in ihrer Konzentration gestört und in ihren Bildungschancen benachteiligt.

Hermann Lewke vom Lung übergibt die Lärmkarten an Gisela Neumann vom Amt für Umweltschutz
Hermann Lewke vom Lung übergibt die Lärmkarten an Gisela Neumann vom Amt für Umweltschutz

Innerhalb eines Jahres will das Amt für Umweltschutz auf dieser Grundlage Lärmschutzmaßnahmen in einem Lärmaktionsplan entwickeln. „Es ist nicht so, dass wir jetzt erst anfangen. Bestimmte Sachen haben wir schon angeschoben. Man wird aber nicht erwarten können, dass wir alle Beeinträchtigungen mit Maßnahmen vermeiden können“, dämpft Gisela Neumann vom Amt für Umweltschutz die Hoffnungen. Das Hauptaugenmerk liege vielmehr auf den Schwerpunkten, dort wo die meisten Betroffenen wohnen und die dank der Karten gut erkennbar seien. Diese sollen zuerst abgearbeitet werden.

Auf der L22 stört der Lärm am meisten

Lärmkarte für Rostock
Lärmkarte für Rostock

Bei der Entwicklung von Lärmschutzmaßnahmen gehe es nämlich nicht um die Frage, wo es am lautesten ist, sondern wo es die meisten Betroffenen gebe, erläutert die Immissionsschutzexpertin. Deshalb werde der Seehafen nicht als Problem eingestuft. Auch bei der verkehrsreichen und lauten Stadtautobahn ist der Abstand zu den betroffenen Wohngebieten groß genug, um keine Belastung darzustellen. Anders als bei der L22, etwa in der Hamburger Straße, wo eine enge Wohnbebauung die Schallwellen auch noch reflektiert.

„Die L22 ist natürlich eine Lärmquelle, die sich durch die Stadt wälzt“, sagt Hermann Lewke. Wegen ihrer Notwenigkeit sei durch planerische Maßnahmen jedoch nicht mehr viel machbar, man müsse sie dann schon verlegen oder untertunneln.

Weitere Problemstraßen seien die Lübecker Straße, die Parkstraße, Richard-Wagner-Straße, Dethardingstraße oder August-Bebel-Straße.

Mautverkehr konterkariert Lärmschutzmaßnahmen

Lärmkarte der Innenstadt
Lärmkarte der Innenstadt

Sorge bereitet den Umweltschutzbehörden auch die Einführung der Lkw-Maut auf vierspurigen Bundesstraßen, die ab 1. August in Kraft tritt. In Rostock ist die B103 als Westzubringer der A20 davon betroffen. Dies führe zu einem Ausweichverkehr vom Rostocker Haupttangentennetz in die Stadt und belaste hier die Bewohner. „Wir haben die Vermutung, dass dies unsere Bemühungen zur Luftreinhaltung und zur Lärmminderung konterkariert“, sagt Steffen Nozon.

Dem Lärm will das Amt für Umweltschutz gemeinsam mit anderen Ämtern und Beteiligten mit einem ganzen Maßnahmebündel den Garaus machen. Stadt der kurzen Wege, Stadt-Umland-Verbindungen verbessern, Fahrbahnbeläge, Optimierung der „Grünen Welle“, um Anfahrten zu vermeiden und – als ultima ratio – auch Lärmschutzwände, allerdings passen diese nicht so ins Stadtbild, zählt Steffen Nozon einige Ansätze auf.

Bürgerbeteiligung ab Herbst

Auch die Rostocker sollen sich an der Planung von Lärmminderungsmaßnahmen beteiligen können. Ab Herbst werden die Lärmkarten und ein erstes Maßnahmekonzept in mehreren Bürgerforen vorgestellt. Außerdem soll im Internet eine interaktive Seite eingerichtet werden, auf der sich die Besucher nicht nur die Karten anschauen, sondern auch schützenswerte Ruhezonen und Lärmkonflikte eintragen und Maßnahmen vorschlagen können.

Schlagwörter: Gesundheit (38)Lärm (7)Umwelt (124)Verkehr (395)

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