Wasserstoff-Hanse in Rostock gegründet

In Warnemünde wurde heute die „Wasserstoff-Hanse“ gegründet – sie soll Kräfte bei Produktion, Transport und Nutzung von grünem Wasserstoff bündeln

5. August 2021, von
Wasserstoff-Hanse - Gründung in Rostock-Warnemünde
Wasserstoff-Hanse - Gründung in Rostock-Warnemünde

„Mittlerweile ist Elektromobilität ein alter Hut, wir reden nur über das Thema Wasserstoff“, sagt Knut Schäfer, Geschäftsführer der Weißen Flotte. Als Beweis, wie grüner Wasserstoff bereits jetzt ganz konkret zum Einsatz kommen kann, wurde heute Mittag die zur Reederei gehörende Warnow-Fähre „Breitling“ mit einem symbolischen Fass E-Fuel betankt – synthetischer Kraftstoff, erzeugt aus Wasserstoff. Es war das erste Mal, dass eine Fähre des öffentlichen Personennahverkehrs in Deutschland mit E-Fuel betankt wurde.

„Es sind nicht die Verbrennungsmotoren, die das Klima belasten, es sind die Kraftstoffe“, bekräftigt Prof. Reinhard Hüttl, Geschäftsführer der Euref-Energy Innovation, einem Gründungsmitglied der „Wasserstoff-Hanse“, die heute Mittag am Rande der Hanse Sail in Rostock-Warnemünde besiegelt wurde. Das Bündnis soll der Herstellung und Nutzung von Wasserstoff vor allem in der Schifffahrt einen Schub verleihen.

Ein symbolisches Fass E-Fuel gab es für die Warnow-Fähre „Breitling“ zur Gründung der Wasserstoff-Hanse in Rostock
Ein symbolisches Fass E-Fuel gab es für die Warnow-Fähre „Breitling“ zur Gründung der Wasserstoff-Hanse in Rostock

E-Fuel – synthetischer Kraftstoff aus Wasserstoff

Synthetische Kraftstoffe unterscheiden sich kaum von fossilen und können in vorhandenen Verbrennungsmotoren eingesetzt werden. Bei dem als Power-to-Liquid (PtL) bezeichneten Verfahren entsteht aus Strom, Wasser und Kohlendioxid flüssiger Kraftstoff. Im ersten Schritt wird mittels Elektrolyse Wasserstoff erzeugt, anschließend wird CO2 zugeführt und per Synthese Benzin, Diesel oder Kerosin erzeugt. Kommt beim gesamten Prozess erneuerbare Energie zum Einsatz, sind synthetische Kraftstoffe CO2-neutral. Bei der Verbrennung entsteht genau so viel Kohlendioxid wie bei der Produktion eingesetzt wurde, der Kreislauf ist geschlossen.

Nachteil des Verfahrens ist der hohe Energiebedarf und die damit verbundenen Kosten. Dazu kommt der weiterhin schlechte Wirkungsgrad der Verbrennungsmotoren. Im Vergleich zum direkten Elektroantrieb gehen bis zu 80 Prozent der eingesetzten Energie verloren.

Auf der anderen Seite haben synthetische Kraftstoffe einige Vorteile. Im Gegensatz zu Batterien verfügen sie über die gleiche hohe Energiedichte wie fossile Treibstoffe und sind daher besonders für den Schiffs-, Flug-, oder Langstreckenverkehr geeignet. E-Fuels lassen sich einfach lagern und transportieren und erfordern weder neue Motoren noch neue Infrastruktur.

Chance für den Überseehafen Rostock

Der Überseehafen Rostock könnte beim Aufbau einer grünen Wasserstoffwirtschaft im Land eine große Rolle spielen. Wasserstoff oder synthetische Kraftstoffe sollen nicht nur über den Hafen umgeschlagen, sondern direkt vor Ort produziert werden.

Mit dem Pilotprojekt „HYTechHafen Rostock“ möchte die Hansestadt zum Energiehafen werden. Als eines von vier Wasserstoff-Projekten aus Mecklenburg-Vorpommern bewirbt es sich als IPCEI (Important Projects of Common European Interest) um 303 Mio. Euro aus dem EU-Förderprogramm. Geplant ist eine Wasserstoff-Elektrolyseanlage mit einer Leistung von 100 Megawatt. Sie soll aus Windenergie grünen Ammoniak für das Düngemittelwerk Yara sowie Fernwärme für die Stadtwerke erzeugen. Bis 2030 könnte die Leistung auf ein Gigawatt verzehnfacht werden. Dann sollen im Überseehafen auch synthetische Kraftstoffe erzeugt werden.

„Die Herausforderung bleibt, Produktionsstätten aufzubauen“, sagt Energieminister Christian Pegel (SPD). „Ich hätte gern genau so einen Standort in Rostock. Ich würde gern beweisen, dass man hier synthetischen Kraftstoff herstellen kann.“

Ob die Rechnung aufgeht, wird die Zukunft zeigen. In der Erklärung zur Gründung der Wasserstoff-Hanse heißt es nüchtern: „Der überwiegende Teil des in Deutschland benötigten Wasserstoffs oder seiner Derivate wird zukünftig importiert werden müssen.“

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig mit Altbundeskanzler Gerhard Schröder bei der Gründung der Wasserstoff-Hanse
Ministerpräsidentin Manuela Schwesig mit Altbundeskanzler Gerhard Schröder bei der Gründung der Wasserstoff-Hanse

Schwesig verteidigt Ostsee-Pipeline Nord Stream 2

Die Zeit der „großen, theoretischen, politischen Debatten“ sei vorbei, betonte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD). „Es geht darum, es ganz konkret zu machen.“ Doch noch sei die Technologie nicht komplett marktfähig. „Bis wir bei 100 Prozent sind, brauchen wir einen Übergang. Und der Übergang ist bisher Gas“, verteidigte Schwesig den Bau der Erdgas-Leitung Nord Stream 2. „Ich bin sehr froh, dass die Ostsee-Pipeline zu Ende gebaut wird.“

Geht es um Nord Stream 2, darf Gerhard Schröder (SPD) nicht fehlen. Der Altbundeskanzler war heute Mittag ebenfalls in Warnemünde zu Gast. Nicht im Auftrag russischer Energiekonzerne, sondern „in seiner Funktion als Vorsitzender des Beirats der Euref-Energy Innovation GmbH“, erklärte Geschäftsführer Hüttl. Das Unternehmen sieht sich als Bindeglied zwischen Forschung und Wirtschaft bei der Entwicklung und Umsetzung klimaneutraler Energielösungen.

Mit im Boot beim neuen Netzwerk sind der Hafenbetreiber Rostock Port, die Fraunhofer Gesellschaft und Unternehmen, wie der Pumpenhersteller Wilo. Ziel ist es, im gesamten Ostseeraum Partner zu gewinnen.

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