Wiro will Wohnblocks in der Südstadt um eine Etage aufstocken

Zwei Wiro-Viergeschosser in der Rostocker Südstadt sollen eine fünfte Etage bekommen – zwölf barrierefreie Wohnungen mit rund 1.150 Quadratmetern Wohnfläche sind geplant

8. Juli 2016, von
So soll der Wiro-Block in der Majakowskistraße in der Rostocker Südstadt aussehen (Quelle: Wiro/Architekturbüro Haß + Briese)
So soll der Wiro-Block in der Majakowskistraße in der Rostocker Südstadt aussehen (Quelle: Wiro/Architekturbüro Haß + Briese)

Rostock wächst, die Nachfrage nach Wohnungen steigt. Da Bauland knapp ist, will die kommunale Wohnungsgesellschaft Wiro (Wohnen in Rostock) jetzt in die Höhe bauen. Zwei Viergeschosser in der Rostocker Südstadt sollen aufgestockt werden und eine fünfte Etage bekommen. In der Majakowskistraße 34-37 sowie in der Lomonossowstraße 17-20 könnten so jeweils sechs neue Wohnungen mit insgesamt rund 1.150 Quadratmetern Wohnfläche entstehen. Gestern Abend stellte die Wiro ihre Pläne auf der Sitzung des Ortsbeirats vor.

„Wir möchten in der Südstadt auf moderne, zeitgenössische Art Wohnungen errichten, ohne das wunderschöne Grün, von dem der Stadtteil lebt, zu versiegeln“, umschreibt Thomas Dürre, bauleitender Architekt der Wiro, das Pilotprojekt, bei dem barrierefreie Wohnungen auf vorhandenen Häusern entstehen sollen, ohne zusätzliches Bauland zu verbrauchen.

Während es bislang in der Majakowskistraße zwölf und in der Lomonossowstraße acht Wohnungen pro Etage gibt, sollen im aufgestockten Geschoss nur jeweils sechs neue Einheiten entstehen. Ziel sei es, „bewusst andere, alternative Wohnungsgrößen und -grundrisse zu schaffen“, erläutert Rainer Briese, vom Architekturbüro Haß + Briese. In der Lomonossowstraße sollen die Wohnflächen 54 bis 83 Quadratmeter betragen, in der Majakowskistraße sind Wohnungen mit 67, 89 und 102 Quadratmetern geplant. Dazu kommt eine geräumige, zum großen Teil überdachte Terrasse (3,10 Meter breit, 2,50 Meter tief).

Aktuell hat das Wiro-Wohnhaus in der Majakowskistraße 34-37 noch vier Geschosse
Aktuell hat das Wiro-Wohnhaus in der Majakowskistraße 34-37 noch vier Geschosse

Technisch wird das Pultdach der Häuser entfernt, eine zusätzliche Zwischendecke eingezogen und auf dieser das neue Geschoss errichtet. Dieses kann jedoch nicht aus Stahlbeton sein, da man aus statischen Gründen nur die Last wieder auftragen darf, die man weggenommen hat, erläutert der Architekt. Daher werde die zusätzliche Etage komplett in leichter Holzbauweise errichtet. Optisch wird das neue Geschoss „wie eine Art Penthouse abgesetzt“, erklärt Briese, „um ganz bewusst zu zeigen, dass hier etwas Neues entstanden ist“.

Auf die bisherigen Mieter kommen durch die Aufstockung keine zusätzlichen Kosten zu, verspricht René Wigger, Leiter des Wiro-Kundencenters Mitte: „Das oberste Geschoss ist eine reine Investitionsgeschichte.“ Modernisierungsumlagen wird es jedoch geben, allerdings nur für den Mehrwert, den die Wohnungen bekommen, etwa durch Aufzüge. Aber auch diese Umlagen werden gekappt, so Wigger, die Wiro werde sich bei den Kaltmieten der Bestandswohnungen an den Mietspiegel halten.

Die Majakowskistraße 34-37 in der Rostocker Südstadt nach der Aufstockung - Schaubild von Südwest (Quelle: Wiro/Architekturbüro Haß + Briese)
Die Majakowskistraße 34-37 in der Rostocker Südstadt nach der Aufstockung - Schaubild von Südwest (Quelle: Wiro/Architekturbüro Haß + Briese)

Wie hoch die Miete der neuen Wohnungen sein wird, steht noch nicht fest. Durch die „deutlich günstigeren Baukosten“ sollen die Mieten aber „auf jeden Fall günstiger als in den Neubauten der letzten Jahre“ werden, so Dürre. Auch der Zeitplan sei noch sehr vage, erläutert der Wiro-Architekt, schließlich gibt es bislang noch keine Baugenehmigung. 2017 könnte es jedoch losgehen, dann soll nicht mehr als acht Monate gebaut werden. Wenn die neue Etage als Fertigteilbau in einzelnen Modulen aufs Dach gesetzt wird, könnte es vielleicht sogar „viel, viel schneller“ gehen – vier bis sechs Monate wären dann nicht unrealistisch. Die von den Bauarbeiten betroffenen Mieter sollen rechtzeitig informiert werden.

Bei den Einwohnern stießen die Planungen zum großen Teil auf Akzeptanz, sogar bei der Bürgerinitiative „Lebenswerte Südstadt erhalten“, die sich vor zwei Jahren gegründet hatte, nachdem es erste Überlegungen gab, Grünflächen im Stadtteil mit Hochhäusern zu bebauen.

Doch es gab auch kritische Stimmen, etwa dass es nicht bei den beiden Objekten bleibt und sich die städtebauliche Gestalt der Südstadt negativ verändern könnte, wenn weitere Gebäude aufgestockt werden. Überhaupt wollte Oberbürgermeister Roland Methling doch erstmal prüfen lassen, ob nicht die gesamte Südstadt als Mustersiedlung für die Großplattenbauweise unter Denkmalschutz gestellt werden könne – jetzt komme die Wiro durch die Hintertür, lauteten die Einwände.

„Wir haben zwei Seelen in der Brust gehabt“, musste auch Ralph Müller, Chef des Amts für Stadtplanung, bekennen. Wohnraum ohne zusätzliche Versiegelung zu schaffen, finde er gut, erklärte Rostocks oberster Stadtplaner, aber sie würden auch Probleme sehen, was „Architektur, Gestalt und Qualität des wunderschönen 60er-Jahre-Städtebaus“ und die Auswirkungen auf den Freiraum durch die zusätzlichen Stellplätze betrifft. Planungsrechtlich sei eine Angleichung der Höhe an vorhandene Fünfgeschosser derzeit jedoch zulässig, so Müller. Er hoffe mit den Wohnungsgesellschaften einen verträglichen Mittelweg zu finden – auch ohne langwierigen B-Plan, „denn der Druck ist da, wir brauchen mehr Wohnraum“.

Visualisierungen: Wiro/Architekturbüro Haß + Briese

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