125 Jahre Schmalspurbahn Molli

Großes Jubiläum der Schmalspureisenbahn zwischen Bad Doberan und Heiligendamm

5. August 2011, von
Seit 125 Jahre fährt er schon durch die Innenstadt Bad Doberans: der Molli
Seit 125 Jahre fährt er schon durch die Innenstadt Bad Doberans: der Molli

Der Molli bringt nicht nur Kinderaugen seit Jahrzehnten zum Staunen, sondern ist auch für viele andere die Attraktion in Bad Doberan, Heiligendamm und Kühlungsborn. Und selbst, wenn er schnaubt und manchmal etwas ruckelt, ist er für seine 125 Jahre noch äußerst vital. Jeden Tag bringt er seine Fahrgäste, ob Einheimische oder Touristen, an ihr gewünschtes Ziel. „Die Dampflok ist ein Stück Identität und Heimat“, bringt Rainer Karl, Oberbürgermeister von Kühlungsborn, die Gefühle auf den Punkt, die viele Menschen mit dem Molli verbinden.

Hans Peter Hahn als Friedrich Franz I., Gründer des Seebades Kühlungsborn
Hans Peter Hahn als Friedrich Franz I., Gründer des Seebades Kühlungsborn

Ende des 18. Jahrhunderts gründete der mecklenburgische Herzog Friedrich Franz I. das erste Seebad Deutschlands, Heiligendamm. In den folgenden Jahrzehnten erfreute sich der Ort besonders beim Hochadel großer Beliebtheit. Doch der Weg von Bad Doberan ans Meer konnte damals nur zu Fuß, auf dem Pferd oder mit einer Kutsche zurückgelegt werden. Als die erste Lokomotive 1836 durch Deutschland rollte, wandten sich daher auch die Bad Doberaner an den Herzog, um einen eigenen Schienenverkehr einzurichten. Doch der lehnte ab. Und so musste Heiligendamm noch fünfzig Jahre auf seine Eisenbahn warten.

Heute sind Dampflokomotive und Waggons nicht mehr nur Verkehrsmittel, sondern eine „Erlebnisbahn“. Auf ihr finden Konzerte oder auch Lesungen statt. Und nicht nur Angelika Münchow, Geschäftsführerin der Mecklenburgischen Bäderbahn Molli, freut sich über den stetigen Erhalt eines wichtigen Stücks Geschichte. Dass die Bahn vom Fortschritt nicht verdrängt wurde, sei, wie Herzogin Donata zu Mecklenburg von Soldokoff bemerkte, „nur dem konservativen Naturell der Mecklenburger zu verdanken“. Auch in Zukunft soll der Molli den modernen Transportmitteln trotzen und quietschend und dampfend durch Wald und Wiese fahren.

Die Jubiläumsbriefmarke hat eine Auflage von fünf Millionen Stück
Die Jubiläumsbriefmarke hat eine Auflage von fünf Millionen Stück

Zum 125. Geburtstag des Molli gibt es vom Bundesfinanzministerium ein ganz besonderes Geschenk: eine Jubiläumsbriefmarke, die bereits seit Juni erhältlich ist. Das ist eine große Ehre, denn für Briefmarkenmotive gehen laut Staatssekretär Werner Gatzer ungefähr 1.500 Vorschläge pro Jahr im Ministerium ein. Ein Gremium wählt dann die besten 50 bis 55 aus. So schmückt der Molli, oder zumindest eine farbenfrohe Grafik der Lok, nun Postkarten in ganz Deutschland. Im letzten Jahr erhielt bereits das 175-jährige Jubiläum der deutschen Eisenbahn solch eine Briefmarke.

Die Eröffnungsfeier des Jubiläumswochenendes fand heute im Doberaner Münster statt. Im Anschluss konnten sich die Gäste bei einer Fahrt im Molli selbst von seinem unnachahmlichen Charme überzeugen. In Heiligendamm wurden sie dann von Friedrich Franz I. begrüßt. Hans Peter Hahn, der seit sechs Jahren die Rolle des mecklenburgischen Herzogs bei Festveranstaltungen spielt, erzählte, wie dieser damals auf Anraten seines Arztes das Seebad Heiligendamm gründete. So wie Hahn sind viele, unter anderem auch berühmte Personen der Stadt Teil dieser privaten historischen Badegesellschaft, die das Flair der damaligen Zeit wieder aufleben lässt.

Kurt Meinert, Anita Ahnfeld und Wilfried Rettig (v.l.) lassen gerne die alte Zeit wieder aufleben
Kurt Meinert, Anita Ahnfeld und Wilfried Rettig (v.l.) lassen gerne die alte Zeit wieder aufleben

Einen Eindruck vom Leben Anfang des 20. Jahrhunderts geben Kurt Meinert, Wilfried Rettig und Anita Ahnfeld. Die beiden über 70-jährigen Männer stammen aus Minden und waren auch im wahren Leben bei der Bahn beschäftigt. Mit ihren Uniformen aus dem Jahr 1904 reisen sie zu besonderen Jubiläen, wie letztes Jahr in Nürnberg oder heute in Bad Doberan. Ihre Gastgeberin Anita Ahnfeld zeigte den beiden Herren den Weg zum Münster. Die Rostockerin trägt ein Gewand von 1910, mit Sonnenschirm und Spitzenhandschuhen, das der gehobenen Gesellschaft vorbehalten war. Zur Feier sind noch weitere Menschen in historischen Gewändern erschienen, was die Jubiläumsfeier, auch optisch gesehen, zu einem besonderen Ereignis werden lässt.

Bis Sonntag sind noch viele Attraktionen rund um den Molli geplant. Auf der Rennbahn Bad Doberan gibt es einen Nostalgie-Jahrmarkt, eine Modenschau mit Eisenbahnuniformen und natürlich den Jubilar, der dort stündlich vorbei fährt. Die vielen Gratulanten wünschen dem Molli nicht nur am heutigen Tag „immer Dampf im Kessel“, „volle Kraft voraus“ und „allzeit eine gute Fahrt“.

Auch am Bahnhof in Bad Doberan herrscht Feierstimmung. Das komplette Programm ist auf der Homepage der Mollibahn zu finden.

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