Alexandre Tansman - Ausstellung und Konzert in der HMT

Berühmt und wieder vergessen – Das Schicksal des Komponisten Alexandre Tansman

8. Februar 2011, von
Ausstellung zu Alexandre Tansman in der HMT eröffnet
Ausstellung zu Alexandre Tansman in der HMT eröffnet

Ich gebe es zu: Alexandre Tansman war mir bis vor Kurzem kein Begriff. Allerdings bin ich mir relativ sicher, dass es nicht nur mir so geht. Denn Hand aufs Herz, wer von Euch ist wirklich mit dem Werk des Komponisten vertraut? Nicht umsonst trägt die neue Ausstellung in der Hochschule für Musik und Theater (HMT) den Titel „Berühmt und wieder vergessen – Das Schicksal des Komponisten Alexandre Tansman“. Diese wurde am Sonntagnachmittag eröffnet, gefolgt von einem Klavierkonzert.

Stefanie Schliebe
Stefanie Schliebe

Konzipiert wurde die Ausstellung von einer Gruppe von HMT Studenten um Stefanie Schliebe, die sich seit März des vergangenen Jahres mit Leben und Musik Tansmans auseinandergesetzt hatte. Das Ergebnis kann nun in den Kreuzgängen der HMT betrachtet werden. Die verschiedenen Lebensabschnitte Tansmans sind dabei farblich voneinander abgegrenzt. Musik darf natürlich ebenfalls nicht fehlen und so gibt es eine Auswahl an Hörbeispielen, die sich die Ausstellungsbesucher in aller Ruhe anhören können.

Prof. Christfried Göckeritz, Rektor der HMT
Prof. Christfried Göckeritz, Rektor der HMT

„Die Musik verfemter Komponisten ist wichtig, aber das ist nur das Eine. Dahinter stehen Schicksale“, betonte Professor Christfried Göckeritz, der Rektor der HMT, das Anliegen der Ausstellung in seinen einleitenden Worten.

Betrachtet man die Biografie Tansmans, dann ist es eigentlich unverständlich, dass dieser in Vergessenheit geraten konnte. Er gewann 1919 gleich die drei ersten Preise des nationalen Kompositionswettbewerbes in seinem Geburtsland Polen, ging wenige Jahre später erstmals auf Amerikatournee und wurde sogar einmal für einen Oskar in der Kategorie „Beste Filmmusik“ nominiert.

Volker Ahmsel und Mireille Tansman
Volker Ahmsel und Mireille Tansman

Allerdings musste Tansman aufgrund seiner jüdischen Herkunft auch vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten fliehen, wobei ihm seine Bekanntschaft mit Charlie Chaplin bei der Flucht in die USA eine große Hilfe war. Zuvor war ihm nur zwei Tage vor der deutschen Invasion die Flucht von Paris nach Nizza gelungen. Nach Kriegsende kehrte er mit seiner Familie wieder nach Paris zurück. Während seines Lebens schrieb der virtuose Pianist eine ganze Reihe Sinfonien und Orchesterwerke, die es wert sind, in Erinnerung gerufen zu werden.

„Es ist nicht ganz nachzuvollziehen, dass er vergessen wurde“, äußerte sich auch Volker Ahmsel, der Leiter des Zentrums für verfemte Musik an der HMT, über das Schicksal Tansmans. Darüber hinaus beschrieb er dessen Musik als sehr geistreich, spritzig, romantisch, jazzig und schön. Und damit die Gäste auch in den Genuss kommen konnten, diese live zu hören, wurde im Anschluss an die Ausstellungseröffnung gleich noch ein Klavierkonzert im Kammermusiksaal der HMT gegeben.

Aya Matsushita
Aya Matsushita

Dort spielten zunächst die beiden elfjährigen Rebecca Krause und Nguyen Hai Thao My, beides Schülerinnen am Konservatorium „Rudolf Wagner-Régeny“ Musikschule Rostock, vierhändig das Stück „En Tour la T.S.F.“. Jeder Teil des Stücks repräsentiert dabei verschiedene Radiostationen, zwischen denen gewechselt wird.

Anschließend spielte Aya Matsushita, die Klavier an der HMT studiert, das Stück „5 Capricen pour piano“. Die folgenden Stücke wurden von den Zwillingsschwestern Susan und Sarah Wang aufgeführt, wobei ein weiteres Stück von Tansman und je eines von Igor Strawinsky und Darius Milhaud gespielt wurde. Die beiden Pianistinnen, die 2010 beim internationalen Musikwettbewerb der ARD den 3. Platz belegt hatten, begeisterten mit ihrem virtuosen Spiel das Publikum.

Sarah und Susan Wang
Sarah und Susan Wang

Zwischendurch führte Volker Ahmsel kurze Gesprächsrunden mit Mireille Tansmann, der Tochter Alexandre Tansmans, die extra zur Ausstellungseröffnung angereist war. Dabei erzählte sie unter anderem aus Kindheitserinnerungen an ihren Vater. Wer die Ausstellungseröffnung verpasst hat, der hat noch bis zum 28. Februar die Möglichkeit, in der HMT vorbeizuschauen.

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