Christoph Peters eröffnet LiteraTour Nord 2010 in Rostock

Autor stellt sein neues Buch „Sven Hofestedt sucht Geld für Erleuchtung“ in der anderen buchhandlung vor

27. Oktober 2010, von
"Sven Hofestedt sucht Geld für Erleuchtung" von Christoph Peters in der anderen buchhandlung
"Sven Hofestedt sucht Geld für Erleuchtung" von Christoph Peters in der anderen buchhandlung

Sven Hofestedt sucht Geld für Erleuchtung. Ein Titel, der wirkt. Nicht zu trivial, nicht zu wissenschaftlich. Sven Hofestedt jedoch als Titelhelden der Geschichte vorzustellen, wäre falsch. Denn bei dem neuen Buch von Christoph Peters handelt es sich um eine Sammlung von 13 Kurzgeschichten. „Wenn 13 für sie eine Unglückszahl ist, sind es 12+1 Geschichten. Ich will dem Buch ja keine Startschwierigkeiten bereiten“, erzählte der sehr redselige Autor zu Beginn seiner Lesung in der anderen buchhandlung.

Manfred Keiper, Inhaber der anderen Buchhandlung
Manfred Keiper, Inhaber der anderen Buchhandlung

Zuvor begrüßte Manfred Keiper, der Inhaber der Buchhandlung, die ungefähr 60 Zuschauer und erklärte, was es mit der LiteraTour Nord auf sich hat.

Diese Veranstaltungsreihe ist eine Lesereise, auf der sechs Autoren in sechs norddeutschen Städten aus ihrem aktuellen Buch lesen. Eine 18-köpfige Jury hat die sechs Schriftsteller zuvor aus über 100 Autoren ausgewählt. Am Ende wählen die Inhaber der Buchhandlungen, Uniprofessoren, aber auch das Publikum selbst ihren Favoriten. Wer die meisten Stimmen auf sich vereint, bekommt den mit 15.000 Euro dotieren Preis, der von der VGH-Stiftung ausgelobt wird. Die LiteraTour Nord findet in diesem Jahr zum 19. Mal statt.

Christoph Peters - LiteraTour Nord 2010 in Rostock
Christoph Peters - LiteraTour Nord 2010 in Rostock

Christoph Peters las zwei Geschichten aus seinem Buch. Zuerst „Lichtverhältnisse am Berg“, in der es um den Fotografen Färber geht, der ein besonderes Foto machen will. Dazu fährt er auf einen 3000 Meter hohen, verschneiten Berg. Durch ein Unwetter fallen die Lifte aus und er muss sich allein durch den Schnee kämpfen. Dabei versucht er weiter, das perfekte Foto zu machen, wird aber von Selbstzweifeln und der Kälte geplagt. Ob er am Ende erfriert? Das will ich hier nicht verraten.

Auftakt der LiteraTour Nord 2010 in der anderen buchhandlung
Auftakt der LiteraTour Nord 2010 in der anderen buchhandlung

In der zweiten Geschichte, „Im Morgengrauen Venedig“, spielt Vincent eine der Hauptrollen. Der Name tritt häufiger im Buch auf, ebenso der Beruf des Fotografen. Der Autor berichtete, dass er dies bewusst gemacht hätte. Der Leser kann Verbindungen herstellen, es bleibt aber im Dunkeln, ob Vincent wirklich der Fotograf aus der ersten Geschichte ist, oder ob nur der Name derselbe ist. Die Geschichte selbst beschreibt die Fahrt mit dem Zug in die italienische Stadt.

Bevor er anfing zu lesen, erklärte Peters, dass jenes Interrail-Ticket, welches die Protagonisten der Geschichte zum Reisen nutzen, in seiner Jugend sehr wichtig war. Damit konnte man fast durch ganz Europa mit dem Zug fahren. Die beiden Hauptfiguren des Textes reisen nach Venedig und lernen auf dem Weg dorthin zwei Engländerinnen kennen. Am Bahnhof ist jedoch alles schon wieder vorbei. Besonders zum Schmunzeln war es, als Peters im englischen Akzent der Mädchen sprach.

Schon die zwei vorgestellten Geschichten zeigen etwas Charakteristisches für das gesamte Buch. Es geht nicht um die großen Wunder oder um Außergewöhnliches. Es sind die kleinen Dinge, Momente, die man vielleicht auch schon selbst einmal in ähnlicher Form durchlebt hat. Die Besonderheiten, die gar nicht so besonders sind.

Literaturprofessor Lutz Hagestedt im Gespräch mit Christoph Peters
Literaturprofessor Lutz Hagestedt im Gespräch mit Christoph Peters

Das eigentliche Highlight kam, wie Kenner der letztjährigen LiteraTour Nord wissen, jedoch erst nach der Lesung. Literaturprofessor Lutz Hagestedt kam zum Gespräch auf die Bühne – bewaffnet mit einer Thermoskanne Tee und viel trockenem Humor.

Und er hat mit Christoph Peters den perfekten Dialogpartner gefunden. So eröffnete Hagestedt dem Autor gleich zu Beginn, dass er ja eigentlich gar keine Chance auf den Preis habe. Zum einen lese er als Erstes, zum anderen haben es Autoren von Erzählbänden eh immer schwer. Peters nahm das mit einem Lächeln hin und erwiderte, dass er gehofft hatte, als Erster mehr Presse zu bekommen.

Was folgte, war sehr unterhaltsam. So sinnierten die Männer, wann sie sich kennengelernt haben, es ging um Bob Dylan und der Schriftsteller verriet: „Ich wäre gern fahrender Sänger geworden.“

Lutz Hagestedt und Christoph Peters beim Auftakt der LiteraTour Nord 2010 in der anderen buchhandlung
Lutz Hagestedt und Christoph Peters beim Auftakt der LiteraTour Nord 2010 in der anderen buchhandlung

Peters, der sechs Jahre Malerei studiert hat, geht immer von der Optik aus, wenn er schreibt. „Ich beschreibe einen inneren Film“, was Hagestedt gleich damit belegte, dass der Autor beim nachmittäglichen Stadtrundgang Dinge in Rostock entdeckt hätte, die dem Professor noch nie aufgefallen wären. Zum Beispiel wild wachsende Weintrauben, welche von beiden Männern direkt verkostet wurden.

Abschließend gab es, wie für eine Lesung üblich, die Möglichkeit, sich ein Buch signieren zu lassen. Viele Gäste nahmen das Angebot wahr und kamen dabei auch noch mit Peters ins Gespräch, der, wie er selbst sagte, gerne redet. Das Rostocker Publikum hörte ihm gerne zu.

Am Ende bleibt ein rundum gelungener Auftakt der LiteraTour Nord 2010, an dem sich die fünf folgenden Autoren messen lassen müssen. Als Nächstes liest Rolf Lappert am 16. November um 20 Uhr aus seinem Roman „Auf den Inseln des letzten Lichts”, wieder in der anderen buchhandlung.

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