Grünflächenbereisung 2011 in der Steintor-Vorstadt

Kriegsgräber, Straßenbäume und Spielplätze sind Schwerpunktthemen des diesjährigen Rundgangs zur Bestandsaufnahme des Amtes für Stadtgrün, Naturschutz und Landschaftspflege

17. September 2011, von
Soldatenfriedhof der Roten Armee am Puschkinplatz.Rostocks Kriegsgräber werden vom Amt für Stadtgrün gepflegt
Soldatenfriedhof der Roten Armee am Puschkinplatz.Rostocks Kriegsgräber werden vom Amt für Stadtgrün gepflegt

Das Grün hat es nicht leicht in unserer Hansestadt. Besonders die Stadtbäume leiden unter dem Straßenverkehr, der immer mehr Parkflächen beansprucht. Aber vor allem die zunehmende Fülle an Leitungen im unterirdischen Baumraum macht den grünen Riesen zu schaffen. Versiegelungen nehmen den Pflanzen die Luft und das Wasser zum Leben. Streusalz, Urin und ungünstige Wechselwirkungen mit benachbarten Gebäuden sind ebenfalls nicht gerade zuträglich und können das Absterben der Straßenbäume verursachen. Bevor totes Holz zur Gefahr für die Verkehrsteilnehmer wird, rückt das Amt für Stadtgrün, Naturschutz und Landschaftspflege mit seinen Sägen an. Aber nicht nur dafür ist das Amt zuständig.

Einblick in sein Tätigkeitsfeld gewähren seine Mitarbeiter alljährlich bei der Grünflächenbereisung. Themenschwerpunkte in diesem Jahr waren die Kriegsgräber, die Stadtbäume und die Kinderspielplätze in Rostock, für deren Pflege das Amt zuständig ist. Diese drei Aspekte wurden gestern bei einem Rundgang durch die Steintor-Vorstadt beleuchtet, an dem Vertreter aus Politik und Verwaltung sowie interessierte Anwohner teilnahmen.

Junge Silberlinden neben alte Winterlinden in der Rostocker Blücherstraße
Junge Silberlinden neben alte Winterlinden in der Rostocker Blücherstraße

Eigentlich gibt es in diesem Villenviertel Rostocks, das seit 1991 Denkmalbereich ist, vergleichsweise wenig öffentliche Grünflächen. Private Vorgärten und durchgrünte Hinterhöfe bringen hier das Grün ins Stadtbild. Aber auch viele Alleen säumen die alten Straßen, die ab 1887 angelegt wurden.

Seit einem Jahr liegt nun für diesen Stadtteil ein Straßenbaumentwicklungsplankonzept vor. Für jede einzelne Straße wurde der Baumbestand erfasst und bewertet. Es gibt Empfehlungen, wie mit den alten Bäumen und Neupflanzungen umzugehen sei.

Grünflächenbereisung in der Steintor-Vorstadt
Grünflächenbereisung in der Steintor-Vorstadt

In der Blücherstraße hat das „Team Stadtbäume“ von Steffi Soldan schon begonnen, es umzusetzen. Sie berichtet, dass die Straße ursprünglich komplett mit Altbäumen – vorwiegend einheimische Winterlinden – versehen war. In den letzten 15 Jahren wurde die Belastung für sie jedoch immer größer. Viele wurden zu „Intensivpatienten“, deren Zustand regelmäßig begutachtet wird. Im letzten Jahr mussten einige davon schließlich weichen. Sie machten Neupflanzungen von Silberlinden Platz. „Es gibt Baumarten, die wir nicht mehr pflanzen können. Wir müssen uns auf die besinnen, die funktionieren“, kommentiert die Teamleiterin ganz pragmatisch.

Amtsleiter Dr. Stefan Neubauer erläutert das Problem "Fugengrün"
Amtsleiter Dr. Stefan Neubauer erläutert das Problem "Fugengrün"

Auch in der anliegenden Dehmelstraße tut sich was. Eingestuft als Straße mit alleeartigem Charakter, ist sie eine der wenigen, für die Neupflanzungen empfohlen wurden. „Wir haben einen Antrag von Anwohnern, die gerne Bäume nachgepflanzt haben möchten. Die Fachprüfung des Leitungsbestandes, Abstimmung mit dem Tiefbauamt, ist jetzt fertig, sodass wir jetzt die Nachpflanzungen vornehmen“, berichtet Steffi Soldan. Erfreulich ist es für die Stadtgrünamtsmitarbeiter auch, dass sich ein Sponsor für einen Baum an der Ecke Georg-Büchner-Straße gefunden hat. Etwa 500 Euro kostet die Pflanzung eines Stadtbaumes, informiert Amtsleiter Dr. Stefan Neubauer, der aufgrund der Leitungsproblematik von eigenmächtigen Baumpflanzaktionen im öffentlichen Raum abrät.

Während die Bäume ums Überleben ringen, ist der Graswildwuchs auf dem Vormarsch. Wurde er zu DDR-Zeiten noch mit chemischen Mitteln bekämpft, beobachtet Stefan Neubauer seit etwa fünf Jahren verstärkt sogenanntes Fugengrün. „Das sieht nicht nur nicht schön aus, sondern macht auch richtig Straßen kaputt.“ Mittlerweile sei der Zustand besorgniserregend und in der ganzen Stadt ein Riesenproblem, so der Amtsleiter. Seit einiger Zeit gebe es einen eigenen Trupp bei der Stadtentsorgung, der versucht, das hohe Gras zwischen den Gehwegplatten zu bändigen. Doch es sei nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Für 45.300 Euro wird der Spielplatz auf dem Schillerplatz nach dem neuen Spielplatz- und Straßenbaumkonzept saniert. Die 17 Jahre alten Spielgeräte werden durch neue ersetzt.
Für 45.300 Euro wird der Spielplatz auf dem Schillerplatz nach dem neuen Spielplatz- und Straßenbaumkonzept saniert. Die 17 Jahre alten Spielgeräte werden durch neue ersetzt.

Hiervon zu wenig Grün, davon zu viel – Tatsache ist wohl, dass unsere Stadt immer grüner wird. Zumindest steigt die Fläche, für die das Amt für Stadtgrün, Naturschutz und Landschaftspflege zuständig ist, durchschnittlich um 30 ha pro Jahr. Im letzten sind es sogar 39 ha gewesen. Die Schattenseite des an sich erfreulichen Zuwachses ist, dass die Mittel, die für die Pflege nötig wären, nicht wachsen. So beklagt der Amtsleiter: „Es ist paradox. Das Grünamt tritt bei Bauaktivitäten auf die Bremse und sagt: Macht nicht so viel öffentliches Grün. Wir können das hinterher nicht pflegen.“

Von 800 ha Grünflächen konnten im letzten Jahr gut 100 ha vor allem in den Randbereichen Rostocks sowohl mit eigenen als auch mit fremden Kräften nicht gepflegt werden. Stefan Neubauer ist besorgt: „nicht nur, weil wir für eine ästhetische Stadtumwelt zu sorgen haben, sondern auch für Verkehrssicherheit.“

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