Mobile Assistenzsysteme für intelligente Räume

Intelligente Konferenzraumsteuerung – Institut für Informatik an der Uni Rostock stellt in der Langen Nacht der Wissenschaften sein SmartLab vor

28. April 2011, von
MAIKE - Mobile Assistenzsysteme für Intelligente Kooperierende Räume und Ensembles - Team des SmartLabs an der Uni Rostock
MAIKE - Mobile Assistenzsysteme für Intelligente Kooperierende Räume und Ensembles - Team des SmartLabs an der Uni Rostock

„Die Bären interessieren sich für Fisch und Wasser, die Kühe für Gras und Wasser und die Hasen, die interessieren sich für Möhren und Wasser.“ Kurz und knackig stellte Prof. Dr. Thomas Kirste heute im Institut für Informatik seine Protagonisten vor.

Wenn sich Bären, Kühe und Hasen bei den Informatikern treffen, dann steckt Hightech dahinter. Oder es ist mal wieder Zeit für die Lange Nacht der Wissenschaften. Oder beides.

Noch bevor die Nacht des Wissens so richtig anbrach, stellte die Universität Rostock bereits am Nachmittag ihr Forschungsprojekt MAIKE vor. MAIKE steht für Mobile Assistenzsysteme für Intelligente Kooperierende Räume und Ensembles. Vereinfacht ausgedrückt geht es dabei nur um eins, einen intelligenten Raum, der die Menschen versteht.

Prof. Dr. Thomas Kirste
Prof. Dr. Thomas Kirste

Dass sich Vorhänge schließen und das Licht erlischt, wenn der Projektor eingeschaltet wird, gehört dabei noch zu den leichteren Übungen. Und wie von Geisterhand kehrt sich alles um, sobald der Stift in die Hand genommen wird, um am Whiteboard zu schreiben. Derartige Intentionen des Nutzers vorausschauend zu erkennen, sei ein Schwerpunkt des Forschungsprojektes, erklärt Professor Kirste.

„Präsentation hier anzeigen“, lautete da schon einer der etwas anspruchsvolleren Zaubersprüche – denn welche Präsentation ist gemeint und wo ist „hier“? Erst die Verknüpfung von Sprache, impliziten (wo stehe ich?) und expliziten (Auswahl von Dateien mittels Smartphone) Interaktionen lässt eine Umgebung wirklich intelligent erscheinen.

Dass dies nicht nur lokal funktioniert, wurde in einer Verbindung mit der Hochschule Wismar gezeigt. Remotesteuerung von Licht, Kameras oder Präsentationen – alles kein Problem. Zwei geografisch verteile Konferenzräume, die miteinander kooperieren oder einfach „Videokonferenz++“, wie Professor Kirste es nannte.

Intuitiv mit der Umgebung zu interagieren und die Nutzung für den Endanwender möglichst einfach, transparent und elegant zu gestalten, ist das Hauptanliegen des Forschungsprojekts.

SmartLab an der Uni Rostock - Hasen möchten Möhren
SmartLab an der Uni Rostock - Hasen möchten Möhren

Doch zurück zu Bär, Kuh und Hase. Acht Projektoren und sechs Leinwände gibt es im SmartLab der Uni Rostock. Wo die drei Kuscheltiere im Raum auch Platz nahmen, immer wurde ihnen auf der passenden Leinwand das bevorzugte Futter angeboten – frischer Fisch, saftiges Gras oder knackige Möhren – und natürlich das Wasser. Ganz automatisch, ohne manuellen Eingriff.

Gewiss, eine Spielerei, doch lässt sie bereits erahnen, welche Möglichkeiten derartige intelligente Multi-Display-Umgebungen bieten. Eine Leitzentrale etwa, bei der jedes Teammitglied automatisch die benötigten Informationen angezeigt bekommt.

Aber auch ein umgebungsunterstütztes Leben (Ambient Assisted Living, AAL), bei dem beispielsweise automatisch ein Notruf ausgelöst wird, wenn der Bewohner auf dem Boden liegt und sich nicht mehr rührt, sieht Kirste als mögliches Einsatzgebiet seiner intelligenten Assistenzsysteme.

Im Bereich der Pflege und Gesundheitswirtschaft gibt es für ihn ein besonders großes Potenzial. Denkbar seien kleine mobile Assistenzsysteme, die automatisch die Dokumentation von Pflegeleistungen übernehmen könnten, aber auch Geräte, die über Bewegungsmuster in der Demenzdiagnostik helfen.

„Hier in Mecklenburg-Vorpommern wird die Nachfrage entstehen“, erklärte Kirste mit Blick auf das hohe Durchschnittsalter im Land und wünschte sich ein Pilotprojekt in diesem Bereich, in dem die bisher gewonnenen Erkenntnisse im Praxisbetrieb getestet werden können.

Mit Blick auf Länder wie Bayern oder Nordrhein-Westfalen, die hier erhebliche Mittel investieren, warnte er davor, den Anschluss zu verlieren. Sonst haben wir die Idee, so der Professor, aber nur die anderen Länder setzen diese in Nachfragenetzwerke um und verkaufen dann nach Mecklenburg-Vorpommern.

Mirko Gärber und Jürgen Seidel
Mirko Gärber und Jürgen Seidel

Wirtschaftsminister Jürgen Seidel, dessen Haus das Projekt im Rahmen der Verbundforschung mit fast 1,5 Millionen Euro unterstützt, hatte da eher die Kosten im Gesundheitswesen im Blick und möchte aus den bisherigen Ergebnissen lieber eine „direkte Nachfrage“ der Endkunden erzeugen.

Welcher Weg der richtige ist, dürfte noch für einigen Gesprächsstoff sorgen. Dass es durchaus bereits wirtschaftliche Effekte gibt, zeigte Mirko Gärber von der BASIS GmbH Wismar, einem der Verbundpartner. Die Weiterentwicklung von der Sprachsteuerung zum Sprachdialog zählte er ebenso zu den praktischen Ergebnissen für sein Unternehmen wie den Einsatz von Sensortechnik oder die Kopplung unterschiedlichster Technik an getrennten Standorten.

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