1. Maritime Tourismuskonferenz in Rostock

Seidel stellt Gutachten zum maritimen Tourismus in MV vor

8. April 2010, von

Kongresszentrum Hohe Düne Das Kongresszentrum der Yachthafenresidenz Hohe Düne, darüber ein strahlend blauer Himmel. Hier fand gestern die erste maritime Tourismuskonferenz statt. Jürgen Seidel, Minister für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus, sowie 150 Fachleute der Branche waren dazu eingeladen.

Das Kongressgebäude befindet sich genau an der Spitze der ‚Halbinsel‘ Hohe Düne. Es ist umgeben von der Ostsee. Gen Westen fällt der Blick auf die Silhouette von Warnemünde. Östlich erstreckt sich der Yachthafen Hohe Düne. Ich war beeindruckt von diesem wundervollen Rundblick. Die Konferenz wurde im Ballsaal des Gebäudes abgehalten.

Bernd Fischer Auf der Veranstaltung sollten die wichtigsten Ergebnisse des Gutachtens „Entwicklungschancen des maritimen Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern“ vorgestellt werden. Mit diesem hatte das Wirtschaftsministerium die dwif-Consulting GmbH Berlin sowie das Ostseeinstitut für Marketing, Verkehr und Tourismus der Universität Rostock betraut. Die Moderation der Fachkonferenz übernahm der Geschäftsführer des Tourismusverbandes Mecklenburg-Vorpommern, Bernd Fischer.

Zunächst begrüßte Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling die Konferenzteilnehmer und sprach über die abwechslungsreiche Natur in Mecklenburg-Vorpommern. Vor allem die Vielzahl verschiedener Gewässer, also die Ostseeküste, Flüsse, Binnenseen und Kanäle in unserem Bundesland seien Grundlage dafür, dass hier die verschiedensten Wassersportarten betrieben werden könnten. Er erinnerte an die Gründung des ersten deutschen Seebades in Heiligendamm, an die Hanse-Sail als größte Veranstaltung mit traditionellen Segelschiffen sowie an das Stralsunder Ozeaneum. Die Entwicklung der Kreuzschifffahrt durch AIDA Cruises in Rostock durfte ebenfalls nicht unerwähnt bleiben.

Jürgen Seidel Anschließend kam der Minister für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus, Jürgen Seidel, zu Wort. Unser „Land hat bereits ein hohes Niveau im maritimen Tourismus erreicht; um künftig im Wettbewerb mit anderen Anbietern mitzuhalten, gibt es noch viel zu tun. Wir wollen die Ressourcen des Landes optimal mit den Bedürfnissen der Wassersportler abstimmen. Dabei sind Service, technische und ökologische Standards sowie die Ausbildung der Mitarbeiter entscheidende Kriterien für das Qualitätsniveau im maritimen Tourismus“ sagte er. Mit einem Bruttoumsatz von fast 480 Millionen Euro spiele der maritime Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern, dem „Land des Wassers“, eine große Rolle. Er fügte hinzu: „Die Umsätze haben sich in den letzten zehn Jahren um das Dreifache erhöht“ und der „Tourismus ist als Wirtschaftsfaktor für MV … so wichtig wie in keinem anderen Bundesland.“ Doch der demographische Wandel, Klimaschutzfragen und neue Wettbewerbsbedingungen würden die Tourismusbranche vor neue Herausforderungen stellen.

Das Gutachten habe ergeben, dass der Bootstourismus in MV wettbewerbsfähig sei und sein Umfang zugenommen habe. Der Angeltourismus sei weiter ausgebaut worden und auch im Bereich des Surf-Tourismus geschah viel. Die Kreuzschifffahrt entwickelte sich gar überdurchschnittlich gut. Darüber hinaus böten sich den Touristen für schwierige Wetterlagen das Ozeaneum und das Müritzeum für einen Ausflug an. Dennoch müsse man sich einigen Problempunkten stellen.

Der Minister kam auf die schwierige Situation in Sachen „Prerow“ zu sprechen. Es seien zwar in den letzten Jahren viele Sportboothäfen entstanden, dennoch gilt es einige Netzlücken an der Ostseeküste zu schließen. Deshalb und um mehr Touristen ins Land zu holen, sollte in Prerow eine neue Marina als Ersatz für den bisherigen Nothafen Darßer Ort gebaut werden. Doch eine Bürgerinitiative wehrt sich seit Jahren dagegen.

Prof. Karl-Heinz Breitzmann Das von Prof. Dr. Karl-Heinz Breitzmann vom Ostseeinstitut für Marketing, Verkehr und Tourismus der Universität Rostock vorgestellte Gutachten beschreibt 7 Schlüsselstrategien und gibt 37 Handlungsempfehlungen vor, die eine erfolgreiche Entwicklung des maritimen Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern fördern können. So sollen etwa Marinas  und Wasserwanderrastplätze mit Wassertankstellen, W-LAN-Anschlüssen, Anlegemöglichkeiten für Kanuten und zusätzlichen Parkplatzmöglichkeiten versehen werden. Es bestehe des Weiteren die Möglichkeit, stark in Anspruch genommene Schleusen zu Informationszentren für Wasserwanderer umzubauen. Auch wäre es nur von Vorteil, wenn sich die Fahrgastschifffahrt mehr auf die Mitnahme von Fahrrädern einstellen könnte.

Hohe Düne, Kongresszentrum Mein Fazit des Tages: Der maritime Tourismus gehört zu Mecklenburg-Vorpommern, wie der Teepott nach Warnemünde. Schließlich verfügt unser Land über eine 1.945 Kilometer lange Ostseeküste, mehr als 2.000 Binnenseen und 26.000 Kilometer Fließgewässer, 350 Marinas, eine gute Badewasserqualität und maritimes Flair in den Hansestädten. Es wurde schon viel zur Entwicklung dieses Tourismusbereiches getan. Um aber auch in der Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben, sind weitere Schritte nötig. Umweltverträglich, versteht sich, denn die Natur dürfte für viele Touristen der entscheidende Grund sein, nach Mecklenburg-Vorpommern zu kommen.

Bevor ich an diesem Tag das Kongresszentrum verlassen sollte, kam ich nicht umhin, einen letzten Blick aus dem Fenster zu werfen. In diesem Augenblick fuhr ein Frachter vorüber. Ein besserer Tagungsort hätte für diese Konferenz wohl kaum gewählt werden können.

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