Ein reichweitenstarker Instagram-Kanal, hinter dem eine seit Jahren aktive Initiative gegen Rechtsextremismus im Netz steht, veröffentlichte am Dienstagabend einen Post, der sich direkt an einen namentlich genannten Arzt der Universitätsmedizin Rostock (UMR) richtet. Der Account gibt an, ihm seien Screenshots zugespielt worden. Die zugehörigen Links habe man selbst nachverfolgt, die öffentlich einsehbaren Profile geprüft und die Inhalte gesichert. „Von einem mysteriösen Hacker“ seien diese nicht übernommen worden, heißt es in dem Beitrag.
Was der Account behauptet
Zitiert werden dabei Kommentarfragmente, die nach Darstellung des Accounts über mehrere Wochen hinweg unter Beiträgen auf Social Media veröffentlicht wurden. Darunter sind Formulierungen wie „Remigrieren oder kremieren“ sowie eine Passage, in der Menschen als „Heizmasse“ bezeichnet und in „Lager“ gewünscht werden. Weitere zitierte Kommentare richten sich den Angaben zufolge gegen den Bundeskanzler sowie gegen Menschen, die als „Ölaugen“ diskriminiert werden, und enthalten unmissverständliche Anspielungen auf Schusswaffengewalt.
Der Account ordnet diese Formulierungen selbst als Anknüpfung an die nationalsozialistische Vernichtungspraxis ein und stellt sie dem beruflichen Umfeld des Mediziners gegenüber – einem Bereich, in dem es um Vertrauen, Würde und um Leben und Tod geht.
Wichtig: Wir konnten die Echtheit der Screenshots und die Zuordnung der Konten zu einer bestimmten Person bislang nicht eigenständig überprüfen. Es handelt sich um Vorwürfe, nicht um festgestellte Tatsachen. Das Konto des Betroffenen ist deaktiviert, er ist für uns nicht erreichbar gewesen.
Wie die Universitätsmedizin reagiert
Zeitnah zu dem Beitrag veröffentlichte die Universitätsmedizin Rostock auf ihren Kanälen eine Erklärung. Darin heißt es sinngemäß, man nehme die derzeit auf Social Media kursierenden rassistischen und menschenverachtenden Äußerungen mit großem Entsetzen zur Kenntnis. Vorstand und Mitarbeitende stellten klar: Aussagen, die Gewalt gegen Menschen billigen, nahelegen oder androhen, seien nicht akzeptabel und widersprächen den Werten des Hauses: Menschlichkeit, Respekt, Verantwortung und dem Schutz des Lebens. Der Schlusssatz der Erklärung lautet: „Wir werden die notwendigen Konsequenzen ziehen.“
Die Stellungnahme nennt keinen Namen, keine Funktion und keine konkrete Plattform. Ein ausdrücklicher Bezug zu den Vorwürfen des Instagram-Accounts wird darin nicht hergestellt. Auffällig ist allein die zeitliche Nähe. Welche Konsequenzen gemeint sind, lässt die Erklärung offen.

Methode der Anprangerung ist umstritten
Das öffentliche Anprangern mutmaßlicher Urheber von Hasskommentaren unter Klarnamen ist umstritten. Befürworter argumentieren, anders sei Hetze im Netz kaum mit Folgen verbunden. Kritiker verweisen auf das Risiko von Verwechslungen, auf fehlende Verfahrensgarantien und auf die Gefahr, dass eine falsch zugeordnete Anschuldigung eine Existenz zerstört.
Hinweis der Redaktion:
Wir berichten über den Verdacht, weil ein öffentliches Interesse an der Frage besteht, wie eine landeseigene Klinik mit solchen Vorwürfen umgeht. Wir nennen den vollständigen Namen des Betroffenen bewusst nicht und verzichten auf Details, die eine Identifizierung ermöglichen würden. Für den Betroffenen gilt die Unschuldsvermutung.