OB-Wahl 2019 in Rostock: Podiumsdiskussion zur Kulturpolitik

Vor den Oberbürgermeisterwahlen 2019 diskutieren sieben Kandidaten über die Kulturpolitik in Rostock

13. März 2019, von
OB-Kandidaten diskutieren Rostocks Kulturpolitik
OB-Kandidaten diskutieren Rostocks Kulturpolitik

Große Kontroversen gab es nicht. Vor dem an Rostocker Kultur interessierten Publikum waren sich alle einig: Kultur ist wichtig und muss gefördert werden, gerade Rostock müsse diesbezüglich einiges ändern und voranbringen. Also nicht unbedingt ein leichtes Unterfangen für Uwe Flachsmeyer, Dirk Zierau, Tom Reimer, Steffen Bockhahn, Chris Müller-von Wryzc Rekowski, Claus Ruhe Madsen und Sybille Bachmann sich als Oberbürgermeisterkandidat zu profilieren.

Die sieben Kandidaten waren der Einladung der AG Freie Kultur, des Vereins Freunde des Volkstheaters und des Kultur- und Kreativquartiers Warnow Valley gefolgt, ihre Positionen bei einem Podiumsgespräch in der Bühne 602 darzustellen. Das kleine 150 Sitze fassende Theater am Stadthafen platzte aus allen Nähten. Selbst im Foyer folgten die Gäste mittels Liveübertragung den Ausführungen der Kandidaten, deren Reihenfolge ausgelost war.

Während die Senatoren Bockhahn (Linke) und Müller-von Wrycz Rekowski (SPD) sowie die Fraktionssprecher der Bürgerschaft Flachsmeyer (Grüne) und Bachmann (Aufbruch 09) bereits als Lokalpolitiker in der Vergangenheit an Prozessen und Entscheidungen der Rostocker Kulturpolitik beteiligt waren und sich vor dem kritischen Publikum auch zu Rechtfertigungen veranlasst sahen, brachten der Personalchef der Rostocker Stadtverwaltung Zierau (UFR), der IHK-Präsident und Möbelhaus-Unternehmer Madsen (von CDU und FDP unterstützt) sowie der Naturwissenschaftler Tom Reimer (unabhängiger Kandidat) die Perspektive von Außenstehenden ein. Fleißige Besucher der Rostocker Kulturstätten sind jedoch alle Kandidaten ihren eigenen Aufzählungen zufolge.

Die gelte es auch weiterhin zu fördern. Betont wurde das Selbstverständnis, dass Politik dabei keine Inhalte vorgeben solle, aber Rahmenbedingungen für kreatives Arbeiten und kulturelle Angebote schaffen müsse. „Wir brauchen keine Vollalimentierung von Kreativen, aber es sollte möglich sein, als Kulturschaffender leben zu können“, meint etwa Steffen Bockhahn und hat dabei insbesondere die Bezahlung von Musikschullehrern im Blick. Für eine tarifgebundene Bezahlung eines 86 Musiker starken A-Orchesters spricht sich Dirk Zierau aus. „Das Mantra der schwarzen Null hat in den letzten Jahren einen wirklichen Schaden angerichtet.“ Sowohl bei der Finanzierung geförderter Einrichtungen als auch bei Neubauten von Theater und Museen sei die Stadt auf Gelder des Landes angewiesen, weist Uwe Flachsmeyer hin, der „Gelder für Kultur nicht als Subventionen, sondern als Investitionen“ verstanden wissen will. Chris Müller-von Wrycz Rekowski sieht mit der erreichten schwarzen Null ein gutes Fundament für weitere Entwicklungen der wachsenden Hansestadt. Die Soziokulturelle Infrastruktur sei jedoch zu klein. Kultur sei zentral beim „Kampf um die jungen Köpfe“, so der Finanzsenator weiter. Doch bei den anstehenden Investitionen sei nicht alles gleichzeitig möglich und müsse auch Qualitätsstandards standhalten können. Einen Masterplan für Rostock fordert Claus Ruhe Madsen. Besonders er betonte die Bedeutung von kultureller Bildung bei Kindern und Jugendlichen für die Entwicklung von Kreativität und Integration. Dass es ein Konzept geben müsse, dem stimmt auch Sybille Bachmann zu. „Nachdem die Spardebatte abgenommen hat, brauchen wir eine Profildebatte“, sagt die Aufsichtsratsvorsitzende des Volkstheaters. Von einem eigenen kulturpolitischen Konzept spricht auch Tom Reimer. „Das muss nicht groß aufgezogen werden“, so der Rohrstock-Kabarettist. Auch Graswurzelinitiativen müssten ausreichend gefördert werden. Initiativen unterstützen – dafür spricht sich auch Steffen Bockhahn aus, einen großen Plan bedürfe es dafür jedoch nicht. Lieber solle man „Dinge einfach mal möglich machen“, wirbt er für weniger Bürokratie und unkonventionelle Herangehensweisen auch in der Kulturverwaltung.

In der Stadtverwaltung müsse die Kultur stärker verankert werden, beispielsweise durch einen eigenen Senator, meint Sybille Bachmann. Der Kunstbeirat sei vernachlässigt worden, kritisiert Flachsmeyer. „Die Zeit der alleinigen Entscheidungen ist vorbei“, moniert er das Agieren der Verwaltungsspitze beispielsweise beim Aufstellen von Kunstwerken im öffentlichen Raum. Generell – so die Kandidaten recht einhellig – müsse sich im Umgang mit der Kultur in der Stadt etwas verändern. Eine bessere Kommunikation und Bürgerbeteiligung werden von vielen explizit angemahnt. Claus Ruhe Madsen möchte einmal im Jahr alle Rostocker in den IGA-Park einladen, um lokalpolitische Themen gemeinsam zu beraten. Für andere ist das zu wenig.

Im Blick haben auch alle die Bedeutung von kulturellen Projekten bei der Stadtteilentwicklung. Viele sprechen sich für eine dezentrale Kulturförderung aus, die sich eben nicht ausschließlich auf die Innenstadt fokussiert. Inwieweit das Megainvestitionsprojekt BUGA 2025 diesbezüglich einen Beitrag leisten kann, bleibt umstritten.

Froh scheinen alle hingegen, dass es mit dem Theaterneubau vorangeht. Elf Bewerbungen seien nun für den Hochbauwettbewerb am Bussebart eingegangen. Während Bachmann kritisiert, dass der Kompromiss (statt ursprünglich geplanten 8000qm ist der Platz für das neue Gebäude auf 5000qm geschrumpft) die multifunktionalen Möglichkeiten und damit die Nutzung des Theatergebäudes auch für andere Kulturinitiativen einschränkt, vertraut Bockhahn auf die Wettbewerbsarchitekten, das doch noch zu ermöglichen und trotzdem Platz für den beliebten Weihnachtsmarkt zu haben.

Der Raum für Kultur in Rostock ist zu knapp, das ist nicht nur am Bussebart so. Das ist ein weiteres Problem, was auf der Podiumsdiskussion angesprochen wurde. Tom Reimer möchte Künstlern und Kulturschaffenden bestehende Gebäude dafür zur Verfügung stellen. Ähnlich sieht es Steffen Bockhahn, der sich vorstellen kann, temporär freistehende Gewerberäume Künstlern zur Verfügung zu stellen. Einen Kunstkubus wie im grünregierten Greifswald möchte Uwe Flachsmeyer auf den Neuen Markt stellen und dann durch die Stadtteile wandern lassen. Chris Müller-von Wrycz Rekowski sieht Entwicklungsmöglichkeiten im Osthafen, Groter Pohl und im Umland der Stadt. Schließlich sei Rostock eine Kulturregion und zwar nicht nur für seine über 200.000 Einwohner der Stadt, sondern für 400.000 Menschen in der Umgebung.

Die Podiumsdiskussion fand am Tag des Bewerbungsschlusses für die Wahl des Oberbürgermeisters 2019 Ende Mai statt. Insgesamt elf Bewerbungen seien eingegangen, teilte die Stadtverwaltung am Nachmittag mit. Noch mehr als ein Dutzend weitere Politiktalks stehen in den nächsten Wochen an.

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