Online-Matrikel-Portal der Universität Rostock gestartet

Internetportal der Uni Rostock präsentiert Studenten aus sechs Jahrhunderten

24. November 2010, von
Angela Hartwig und Wolfgang Schareck mit der ältesten Matrikel der Universität Rostock
Angela Hartwig und Wolfgang Schareck mit der ältesten Matrikel der Universität Rostock

Stolz zeigt Dr. Angela Hartwig die älteste Matrikel der Universität Rostock. „Sie umfasst die Jahre 1419 bis 1760“, erläutert die Leiterin des Universitätsarchivs, „und beinhaltet 48.000 Eintragungen.“

Dass Hinricus und Hermannus Toke zu den ersten Studenten gehörten, die sich im Gründungsjahr 1419 an der Universität Rostock eingeschrieben haben, ist Teil der langjährigen Geschichte der Rostocker Alma Mater. Dass die beiden jetzt auch im Internet zu finden sind, zeigt die Verbindung von Tradition und Moderne, getreu dem Motto der Uni Rostock: Traditio et Innovatio.

Wolfgang Schareck schaltet das Online-Matrikel-Portal der Uni Rostock frei
Wolfgang Schareck schaltet das Online-Matrikel-Portal der Uni Rostock frei

Mit einem symbolischen Mausklick schaltete Rektor Prof. Dr. Wolfgang Schareck heute das Online-Matrikel-Portal der Universität Rostock frei. „Wir haben eine einzigartige Situation“, beschreibt es Wolfgang Schareck. „Wir können auf die Studierenden von 1419 bis 1927 zurückschauen, in den historischen Büchern, mit den historischen Matrikelkarten“ – all das jetzt ohne Archivbesuch, ganz bequem per Internet. Ein Projekt, das in dieser Form in Deutschland einzigartig ist, betont der Rektor.

Neben Dr. Hartwig brachte Prof. Dr. Kersten Krüger, Beauftragter des Rektors für die Universitätsgeschichte, den Stein ins Rollen. Unterstützung beim Aufbau der Datenbank kam aus dem Fachbereich Informatik. „Mein Freund, Herr Tavangarian, ist die Innovation und ich selber stehe für die Traditio“, drückte es der Historiker Krüger etwas salopp aus. „Aber wir verbinden uns auf das Glücklichste hier in der Matrikeldatenbank.“

Koordiniert hat das Projekt Karsten Labahn von der der Forschungsstelle Universitätsgeschichte. Zusammen mit Doreen Brandt, Robert Stephan und unzähligen studentischen Hilfskräften wurde im Mai 2008 mit der Übertragung der Informationen aus den Matrikeln begonnen.

Karsten Labahn
Karsten Labahn

Die älteste Matrikel mit den Einträgen bis 1760 wurde schon vor etwa 100 Jahren in 20-jähriger Arbeit durchforstet und gedruckt. „Diesen Teil konnten wir aus der Druckedition in die Datenbank übertragen“, erläutert Labahn.

Neben Namen, Herkunft und Datum der Immatrikulation finden sich ab dem 19. Jahrhundert vielfach weitere Informationen, wie Studienfächer, akademische Titel, Geschlecht, Religion oder auch die Berufe der Eltern.

Was die reine Datenbank zu einem Portal macht, so Labahn, sind die weiterführenden Links. So können etwa die digitalisierten Originalseiten mit den originalen Handschriften der Matrikelbücher eingesehen werden. Eine interaktive Karte zeigt den Herkunftsort des Studenten und über Links kann auf den Professorenkatalog und das Vorlesungsverzeichnis des jeweiligen Semesters zurückgegriffen werden.

„Eine ganz neue Möglichkeit bietet die PND-Nummer“, nennt Labahn eine weitere Besonderheit des Portals. Über diesen eindeutigen Personenidentifikator, der von der Deutschen Nationalbibliothek geführt wird, können Verknüpfungen zu anderen Portalen hergestellt werden, etwa zu Wikipedia oder zur Deutschen Biographie.

Online-Matrikel-Portal der Universität Rostock - Prof. Dr. Djamshid Tavangarian, Karsten Labahn, Dr. Angela Hartwig, Prof. Dr. Kersten Krüger, Prof. Dr. Wolfgang Schareck
Online-Matrikel-Portal der Universität Rostock - Prof. Dr. Djamshid Tavangarian, Karsten Labahn, Dr. Angela Hartwig, Prof. Dr. Kersten Krüger, Prof. Dr. Wolfgang Schareck

„Und wir haben etwas sehr Pfiffiges gemacht“, lädt Dr. Krüger alle zum Mitmachen ein. Es gibt ein Kommentarfeld, über den jeder, der seine Vorfahren hier findet, der Datenbank weitere Informationen hinzufügen kann.

Historisch Interessierte können einzelne Semester durchstöbern, die Datenbank kann aber natürlich auch nach vielfältigen Kriterien durchsucht werden. Im Matrikel-Portal finden sich nicht nur weitgehend bekannte Studenten wie Fritz Reuter, Tycho Brahe oder Erich Kästner. So gehört etwa auch Jakob Ulffson, Erzbischof von Uppsala und Mitbegründer der ältesten schwedischen Universität, zu den Ehemaligen.

Matrikel der Uni Rostock
Matrikel der Uni Rostock

Etwa 72.000 Einträge sind bisher in der Datenbank erfasst. Bis 1927 sind die Daten bereits komplett, bis 1945 sind sie fast fertig, so Dr. Krüger. Bis zum 600-jährigen Jubiläum im Jahre 2019 soll die Datenbank vollständig sein – bis 1994. Seit diesem Jahr werden die immatrikulierten Studenten bereits elektronisch erfasst.

Fest eingeplant sei auch die Anbindung an die Alumni-Datenbank. Tradition soll greifbar werden und „wir wollen unsere Studis an die Universität binden“, erklärt Krüger seine Motivation für das Projekt.

Schlagwörter: Geschichte (87)Internet (43)Studenten (143)Universität Rostock (337)Wissenschaft (73)Wolfgang Schareck (56)

Das könnte dich auch interessieren:

2 Kommentare

  • Hagen sagt:

    Wie sieht das denn mit aktuellen Daten noch lebender Personen aus? Finde ich (und jeder andere) mich dort ohne mein Einverständnis bald selbst?
    Hagen

  • Olaf sagt:

    Wenn Du an der Uni Rostock studierst oder studiert hast, dann wohl ja ;)

    Die Frage des Datenschutzes wurde am Rande auch kurz erörtert. Nach den Informationen von Karsten Labahn kann 10 Jahre nach dem Tod bzw. speziell in M-V alternativ auch 90 Jahre nach der Geburt (fast) alles über Dich veröffentlicht werden.

    Es wird aber, so wurde versichert, alles nur im Einklang mit den geltenden Datenschutzbestimmungen veröffentlicht – ggfs. werden weitere Daten zwar jetzt schon erfasst, aber dann erst sukzessive Jahr für Jahr freigeschaltet.
    Ansonsten kann sich natürlich jeder über das Alumni-Projekt selbst freischalten, ebenso wie jeder aktuell immatrikulierte Student und wie auch Erben ihre Eltern.

    Für die Forschung dürften sowieso eher die früheren Jahrgänge von Interesse sein. So erfasse das MPI aktuell (unkritische) Volkszählungsdaten fürs 19. Jahrhundert, bei denen dann auch eine Verknüpfung beider Datenbestände für Verbleibstudien durchaus interessant wäre – das ist aber lt. Labahn „Zukunftsmusik“.

    Sollte so etwas in der Zukunft überhaupt und dann auch für aktuellere Jahrgänge in Angriff genommen werden, müsste man allerdings in der Tat doppelt genau darauf achten, dass alles sauber anonymisiert wird …

    Gruß, Olaf

Hinterlasse einen öffentlichen Kommentar

Hiermit stimme ich der Veröffentlichung meines Kommentars sowie der Speicherung und Verarbeitung meiner Daten incl. meiner IP-Adresse gemäß der Datenschutzerklärung zu.