Wissensboje für die Südstadt-Bibliothek Rostock

„Rostock denkt 365°“ ehrt die Universitätsbibliothek Rostock

26. Januar 2010, von

Wissensboje vor der Universitätsbibliothek in der Rostocker Südstadt Geht man in unseren Breiten spazieren, trifft man schnell auf sie: Findlinge – einzelne große Steine, die geologisch meist so gar nicht in die Landschaft passen. In früheren Zeiten kaum erklärbar, wurden sagenhafte Riesen dafür verantwortlich gemacht. Riesen, die jene Felsbrocken mit leichter Hand durch die Luft geschleudert haben sollen.

Inzwischen sind wir natürlich schlauer und wissen, dass es die Eiszeit war, die uns diese Findlinge beschert hat. Nun liegt die letzte Eiszeit allerdings auch schon wieder ein paar Jahre zurück. Beim Blick aufs Thermometer mag der eine oder andere vielleicht zweifeln, es ist aber tatsächlich so.

Dennoch häufen sich in letzter Zeit im Stadtgebiet unheimliche Begegnungen. Nein, nicht der dritten Art, wir sind hier ja nicht in einem Spielberg-Film. Eher Begegnungen der blauen Art. Zwar sind es keine Findlinge, aber urplötzlich tauchen hier und da Bojen im Stadtgebiet auf.

Okay, die Eiszeit scheidet aus. Das Packeis der Warnow dürfte auch noch nicht ausreichen, um eine Boje bis in die Innenstadt zu treiben und von Flutwellen blieben wir bisher ebenfalls verschont. Aber sie sind da. Mitten in der Stadt, groß wie ein Findling, blau wie der Himmel und nicht zu übersehen.

Prof. Dr. Udo KraglSeit Kurzem steht solch eine Tonne auch in der Südstadt. Vielen dürfte dieses himmelblaue Ungetüm bestimmt schon aufgefallen sein – auf dem Weg zur Mensa, der Bibliothek oder zum Rechenzentrum. Einige fragen sich bestimmt: Was soll das?

Eines vorweg: Die Bojen sind echt. Echte Seezeichen, die normalerweise Schiffen in der Ostsee den Weg weisen. Es war aber nicht die Natur, die diese Bojen an ihren neuen Platz verfrachtet hat, sondern ein Verein – „Rostock denkt 365°“ sein Name.

Seit knapp 3 Jahren in Rostock aktiv, möchte der Verein auch 2010 nach dem Ende des „Rostocker Wissenschaftsjahres 2009“ an seinen Zielen arbeiten. Eines davon ist es, mit sogenannten Wissensbojen auf Rostocker Wissenschaftseinrichtungen aufmerksam zu machen.

Schöner hätten sich die Verantwortlichen das Wetter kaum wünschen können. Bei strahlendem Sonnenschein wurde heute die Wissensboje in der Südstadt vom Verein „Rostock denkt 365°“ offiziell an die Universitätsbibliothek übergeben.

Übergabe Wissenboje: Uni-Bibliothek RostockZu diesem Zweck wurde die an der Ecke Südring/Einsteinstraße befindliche Boje vom Vereinsvorsitzenden Prof. Dr. Udo Kragl übergeben.

Gemeinsam mit dem Rektor der Universität Rostock, Prof. Wolfgang Schareck, überreichte er das markante „See(h)zeichen“ an die amtierende Direktorin der Universitätsbibliothek Rostock, Renate Bähker.

Dazu wurde symbolisch der Schriftzug des Vereins vor die Boje gehalten, da aufgrund der Witterungsbedingungen ein festes Anbringen nur mit erheblichem Aufwand möglich gewesen wäre.

Renate BähkerRenate Bähker nahm diese Gabe dankend an, auch stellvertretend für alle universitären Bibliotheksstandorte. Aufgrund der Bedeutung für den Wissenschaftsstandort Rostock erhielt die Südstadt-Bibo diese „Auszeichnung“.

Die 590-jährige Geschichte der Universität ist seit genauso langer Zeit ein Wissensspeicher für Generationen gewesen. Unter anderem besitzt die Bibliothek das drittgrößte Buch der Welt, den „Großen Rostocker Atlas“, der mit 120 kg Gewicht nur von vier Leuten schwerlich bewegt werden kann.

Als erfahrener Bootsinhaber outete sich Rektor Schareck. Er klärte die Anwesenden auf, dass Bojen eigentlich nicht blau sind. Man kann an den fest verankerten Schwimmkörpern Halt suchen bzw. mit ihnen etwas signalisieren. Weiterhin meinte Schareck: „Manche haben ihre Bären oder Ähnliches, dann haben wir halt unsere Bojen“.

Prof. Wolfgang SchareckNachdem es trotz Sonne draußen etwas kalt wurde, bat Frau Bähker die Gäste in die Räumlichkeiten der Unibibliothek. Bei Kaffee, Tee und belegten Broten schloss sich nun eine lockere Diskussions- und Interviewrunde an.

Bereits die nunmehr achte Wissensboje ist damit im Rostocker Stadtbild zu erblicken. Schon seit dem April 2008 zieht die erste Boje die Blicke auf sich – auf dem Universitätsplatz, mitten im Herzen der Stadt. Spannend dürfte die Frage sein, wer die neunte Boje erhält.

Gemunkelt wird, dass sich Bürgerschaft und Oberbürgermeister seit Monaten intensiv darum bemühen, eine dieser Wissensbojen vor ihr Rathaus zu bekommen.

Wohl eher ein Gerücht. Allein der Gedanke, dass OB und Bürgerschaft gemeinsam derartig an einem Strang ziehen, fällt etwas schwer. Auf der anderen Seite – wo sonst in der Stadt ist so viel Weisheit, Wissen, Kompetenz und Sachverstand an einem Ort vereint, wie im Rathaus? Eine Wissensboje liegt da schon nahe. Irgendwie.

Vielleicht werden wir ja alle überrascht. Morgen ist wieder mal Bürgerschaftssitzung im Rathaus. Also, liebe Bürgerschaftler, strengt Euch an! Vielleicht schaut Euch der Vereinsvorstand tatsächlich längst auf die Finger und Ihr habt noch die Möglichkeit, Euch eine der begehrten Bojen zu verdienen.

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2 Kommentare

  • David sagt:

    Im Vorbeifahren immer wieder auf diese ‚Tonne‘ geschaut und mich nach dem Sinn gefragt. Nun weiß selbst ich es, danke! Zu meiner Entschuldigung sei angemerkt, dass ich selten ins Stadtzentrum komme und daher noch keine der anderen Bojen entdeckt habe.

    „Weisheit, Wissen, Kompetenz und Sachverstand … im Rathaus“ – herrlich diese Ironie!

    Im übrigen wirklich immer interessant, sehr aktuell und nicht so trocken geschrieben – Kompliment!

  • Olaf sagt:

    Ironisch? Wir? Mitnichten!

    Danke für die Blumen!

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