Stasi-Gedenkstätte: „Jugend in der DDR“

Zwischen Aufbegehren und Anpassen – Ausstellungseröffnung

24. Februar 2010, von
Rostock Dokumentations- und Gedenkstätte
Rostock Dokumentations- und Gedenkstätte

Am Dienstagabend wurde in der Dokumentations- und Gedenkstätte der BStU Rostock in den Räumen der ehemaligen MfS-Untersuchungs- haftanstalt eine Ausstellung eröffnet, die sich dem Leben von Jugendlichen in der DDR widmet. Die Zahl der Besucher war nicht sehr groß, an den vorbereiteten Sitzgelegenheiten konnte man jedoch ablesen, dass sie in etwa den Erwartungen der Veranstalter ensprach. Zur Einführung in das Thema hielt Dr. Volker Höffer, Leiter der Dokumentationsstätte, einen kurzen Vortrag, anschließend konnte man sich in Ruhe die Ausstellung ansehen und den Mitarbeitern Fragen zum Thema stellen.

Obwohl das Thema der Ausstellung durchaus für Jugendliche interessant ist, waren die meisten Besucher eher älteren Semesters. Während der Einführung in das Thema stellte sich auch heraus, dass es für diese Besucher nicht immer einfach ist, unter der heutzutage fast schon gewohnten medialen Beobachtung durch Fotografen zu stehen. Laut Dr. Höffer verständlich, weiß man bei Besuchern der Stasi-Gedenkstätte doch nie, welche Geschichte hinter den Gesichtern und den Reaktionen steckt.

Ausstellung Dr. Höffer bietet Musikbeispiele
Ausstellung Dr. Höffer bietet Musikbeispiele

Der genaue Titel der Ausstellung lautet „Zwischen Aufbegehren und Anpassen – Jugend in der DDR“. Als Auftakt seiner Einführungsrede spielte Dr. Höffer zwei Musikbeispiele aus der DDR-Zeit, die dieses Spannungsfeld in dem sich die Jugend damals bewegte, sehr gut verdeutlichten. Es gab junge Leute, die sich anpassten und sich für die DDR engagierten, jene, die relativ angepasst lebten und trotzdem die Grenzen austesteten und die Unangepassten, die sich im eigenen Land gefangen fühlten und immer wieder gegen die gesellschaftlichen und politischen Normen rebellierten.

Auch wenn die DDR sich selbst als weltoffen, humanistisch und fortschrittlich sah, so blieb sie doch eine Diktatur. Das Aufwachsen in der DDR war gesetzlich indoktriniert. Der Staatsapparat wollte keine selbständigen Persönlichkeiten sondern, salopp gesagt, „Parteisoldaten“ heranwachsen sehen.

BStU Leiter Dr. Volker Höffer
BStU Leiter Dr. Volker Höffer

Jugendliche begriffen schnell, dass man für die kleinsten und banalsten Dinge in Schwierigkeiten kommen konnte. So wurden laut Dr. Höffer in einem Jahr über 9000 Postsendungen von jungen Leuten konfisziert, bei denen es sich eigentlich nur um Autogrammwünsche ins Ausland handelte.

Die Staatssicherheit arbeitete mit direkter Repression, aber auch mit subtiler Zersetzungsarbeit. Zu diesen Themen und Methoden schrieben Mitarbeiter des MfS sogar diverse Doktor- und Diplomarbeiten.

Nach dem Vortrag von Dr. Höffer entwickelte sich ein kleines Gespräch mit einigen Gästen. Beim anschließenden Rundgang durch die Ausstellung standen Dr. Höffer und seine Mitarbeiterin Frau Jennings für die Fragen der Besucher zur Verfügung.

BStU Ausstellungsplakat Jugend in der DDR
BStU Ausstellungsplakat Jugend in der DDR

Die Ausstellung wurde von der Dresdner Außenstelle des BStU zusammengestellt, enthält jedoch Fallbeispiele, die für alle Bezirke der DDR exemplarisch sind. Wer wissen möchte, welche Jugendgruppen der Stasi als „negativ dekadent“ ein besonderer Dorn im Auge waren, wie es jungen Gläubigen in der DDR schwer gemacht wurde, oder wie man bereits sehr junge Jugendliche als IMs zu Mittätern machte, dem sei die Ausstellung in der Dokumentations- und Gedenkstätte empfohlen. Sie ist bis zum 31.03.2010 im Rahmen der Öffnungszeiten für jeden zugänglich.

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