17. Uwe Johnson Jahrbuch erschienen

Uwe Johnson-Gesellschaft veröffentlicht erstmals Rostocker Ausgabe

2. April 2011, von

„Das ist kein Deutsch, solche Sätze werden in unserem Hause nicht gesetzt“, schockierte Dr. Winfried Hellmann, Lektor beim Verlag Vandenhoeck und Ruprecht, bei einem mitternächtlichen Anruf Holger Helbig, nachdem dieser ihm die ersten Aufsätze für das erste Uwe Johnson Jahrbuch geschickt hatte.

Das Buch wurde nach einiger Überzeugungsarbeit schließlich doch gedruckt und ging sogar in Serie. Das war 1994. In diesem Jahr liegt nun bereits die 17. Ausgabe des Uwe Johnson Jahrbuchs vor, die am Donnerstag der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Es sei eine ganz besondere Ausgabe, betonte Professor Dr. Holger Helbig, Mitbegründer und langjähriger Herausgeber des Uwe Johnson Jahrbuchs. Handelt es sich doch um die erste, die im Auftrag der Uwe Johnson-Gesellschaft erscheint und die erste, die an der Universität Rostock entstanden ist.

Holger Helbig mit der neuesten Ausgabe des Uwe Johnson Jahrbuchs
Holger Helbig mit der neuesten Ausgabe des Uwe Johnson Jahrbuchs

Die Idee, das Wissen, das sich über den Schriftsteller Uwe Johnson angesammelt hatte, in einem Buch zu veröffentlichen, geht bis in das Jahr 1991 zurück. Bei einem Vortrag und gemeinsamen Unternehmungen, die sich mit Johnson beschäftigten, hatten sich Dr. Ulrich Fries, Holzhändler aus dem Westen und Holger Helbig, damals noch Student in Jena, kennengelernt und diesen Entschluss gefasst. „Wir sollten zehn Bücher über Johnson anbieten, dann können wir uns auf eins herunterhandeln lassen“, lautete die ursprüngliche Strategie von Ulrich Fries. Dieser Vorschlag stellte für Winfried Hellmann eine Unmöglichkeit dar. Jedoch ließ er sich auf ein Jahrbuch ein und schlug einen Vertrag für drei Jahre vor. Der Vertrag wurde nie verlängert. Beide Seiten hielten ihn jedoch zehn Jahre lang ein.

Für zehn Jahre hatte Holger Helbig auch diese Reihe geplant und zehn Bilder für die Einbände anfertigen lassen. Denn „Fotografien von Uwe Johnson waren knapp und teuer“, erinnert sich der Literaturwissenschaftler.

Das äußere Erscheinungsbild war den Machern der Jahrbücher von Anfang an wichtig, sollten „schöne Bücher“ doch den Sammlerinstinkt wecken und den alljährlichen Griff zur neuesten Ausgabe erleichtern. „Man soll den Büchern ansehen, dass sie für den Leser gemacht sind. Johnson hatte für Leser geschrieben und nicht für Germanisten“, begründet Helbig die Wahl des Layouts.

Jörg Schulze und Michael Ruchter lesen Briefe von Johnson, Frisch und Enzensberger im Rahmen der Präsentation des neuen Uwe Johnson Jahrbuchs
Jörg Schulze und Michael Ruchter lesen Briefe von Johnson, Frisch und Enzensberger im Rahmen der Präsentation des neuen Uwe Johnson Jahrbuchs

So soll das Uwe Johnson Jahrbuch der akademischen Lehre und der praktischen Ausbildung gleichermaßen dienen. „Wenn Rostocker Studenten und Doktoranden darin veröffentlichen, dann ist das, was sie schreiben, nicht nur für Rostocker Professoren bestimmt“, ist dem Literaturwissenschaftler wichtig. Das Hauptpublikum seien die gewöhnlichen Johnson-Leser. Auch als Lockmittel, um „unbescholtene Bürger“ zu Johnson-Lesern zu machen, wollen die Herausgeber das Jahrbuch verstanden wissen.

Nachdem die ersten zehn Jahre verstrichen waren, übernahm Michael Hofmann das Jahrbuch und profilierte es als Ort der neuesten Uwe Johnson Forschung.

Band 17 wird nun wieder von Holger Helbig und Ulrich Fries herausgegeben, die diese Aufgabe gemeinsam mit Bernd Auerochs und Katja Leuchtenberger im Auftrag der Uwe Johnson-Gesellschaft erfüllen.

Uwe Johnson Jahrbuch Bd.17
Uwe Johnson Jahrbuch Bd.17

„Mit dem Buch wird etwas fortgesetzt und zugleich etwas neu begonnen“, bemerkt Helbig zum Wechsel der Redaktion an die Uni Rostock. So haben die Herausgeber nicht nur den Verlag gewechselt, sondern auch Veränderungen im Layout und bei den Rubriken vorgenommen. Auf den Einbänden werden von nun an Fotografien des Schriftstellers zu sehen sein. „Eigentlich gibt es ausreichend Fotografien. Genug um die nächsten hundert Bände zu bestücken“, blickt Holger Helbig in die Zukunft.

Bleibt zu hoffen, dass der sichtbare Neuanfang dazu führt, noch mehr Leser auf Uwe Johnson neugierig zu machen.

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