Eine Stadt liest Uwe Johnsons Jahrestage

Uwe Johnson-Gesellschaft gibt den Startschuss zum Ausstrahlungsbeginn der „Jahrestage“ – 366 Tage gibt es ab sofort täglich Johnson im Radio zu hören

21. August 2014, von
Eine Stadt liest Uwe Johnsons Jahrestage
Eine Stadt liest Uwe Johnsons Jahrestage

Ob auf dem Neuen Markt, im Klostergarten oder in Warnemünde – Rostock liest Uwe Johnsons „Jahrestage“. In den vergangenen zwölf Monaten haben zahlreiche Bürgerinnen und Bürger der Hansestadt Rostock das Werk Jahrestage eingelesen. Auch viele auswärtige Johnson-Begeisterte haben sich ein Tageskapitel des Romans ausgesucht und mitgelesen.

Grund für das Projekt ist der diesjährige 80. Geburtstag und 30. Todestag von Uwe Johnson. Mit der Lesung des knapp zweitausend Seiten umfassenden Werkes möchte die Uwe Johnson-Gesellschaft in Zusammenarbeit mit der Hansestadt Rostock die Jahrestage würdigen. Als kleinen Nebeneffekt erhoffen sich die Veranstalter außerdem, dass Uwe Johnson und sein Werk mehr in das Bewusstsein der Rostockerinnen und Rostocker rückt. Denn Uwe Johnson blieb als ehemaliger Student an der Universität Rostock nicht nur immer eng mit Mecklenburg verbunden, er hat mit dem Werk Jahrestage seiner Heimat auch ein literarisches Denkmal gesetzt.

Ehepaar Meyer-Strüvy
Ehepaar Meyer-Strüvy

Das gesteigerte Interesse an Uwe Johnson zeigte sich bereits heute. An die 150 Leser und Johnson-Liebhaber sind in das Arno-Esch-Gebäude der Universität Rostock gekommen, um den Ausstrahlungsbeginn von „Eine Stadt liest Uwe Johnsons Jahrestage“ zu feiern. Auch das Ehepaar Meyer-Strüvy nahm an der Veranstaltung teil. Frau Meyer-Strüvy verriet, dass sie leidenschaftliche Leserin von Uwe Johnson sei. „Ich bin durch meinen Sohn, der seine Examensprüfung über Jahrestage geschrieben hat, auf den Roman gestoßen und war sofort begeistert. Das Projekt ist eine tolle Idee. Ich habe gerne ein Kapitel übernommen.“

Gemeinsam konnten sie an diesem Abend auf die lange Zeit der Vorbereitung zurückblicken. Ein kleines Video gestattete einen Blick hinter die Kulissen im Tonstudio und zeigte, dass es gar nicht mal so einfach war, fehlerfrei und trotzdem mitreißend vorzulesen. Da waren schon mal mehrere Versuche nötig. Trotzdem bewiesen viele Rostocker Mut und lasen ein Kapitel ein. Der Jüngste unter ihnen war der achtjährige Benedikt Arndt. Nahezu auswendig konnte er seinen Text im Tonstudio präsentieren. Auch sieben Gäste aus den USA, Großbritannien, Italien, Schweden, Belgien, der Schweiz und Japan, die im Mai anlässlich der Internationalen Woche in Rostock waren, setzten sich die Kopfhörer auf, nahmen vor dem Mikrofon Platz und trugen ein Kapitel vor.

Eine Stadt liest Uwe Johnsons Jahrestage - Auftaktveranstaltung im Arno-Esch-Gebäude der Universität Rostock
Eine Stadt liest Uwe Johnsons Jahrestage - Auftaktveranstaltung im Arno-Esch-Gebäude der Universität Rostock

Prof. Dr. Holger Helbig, Leiter der Uwe Johnson-Forschungsstelle, ist von der großen Beteiligung an dem Projekt begeistert. „Uwe Johnson ist mit diesem Vorhaben bei den Rostockern angekommen. Mit der Lesung haben wir Johnson das schönste Geburtstagsgeschenk überhaupt gemacht. Denn es sind die Leser, die ihn und seine Werke am Leben halten.“

Zum Abschluss wurde das erste Kapitel der Jahrestage, das „Chapter without a date“ abgespielt. Gelesen wurde der Text von Erwin Kischel, dem 100. Mitglied in der Uwe Johnson-Gesellschaft. Kischel, der in seiner Jugend dieselbe Schule wie Johnson besuchte und großer Liebhaber seiner Romane ist, suchte sich bewusst das erste Kapitel aus. „Meiner Meinung nach ist das einleitende Kapitel hochintelligent verfasst und gibt dem Leser einen Panoramablick von dem, was ihn in den kommenden Kapiteln erwartet. Ich habe selten eine solche Einleitung zu einem so umfassenden Werk gelesen“, schwärmt Kischel.

Wer ebenfalls neugierig geworden ist, kann sich ab sofort täglich auf Radio Lohro ein Tageskapitel aus Jahrestage anhören. Jeweils um 10:00 Uhr wird das entsprechende Kapitel zudem auf der Homepage rostock-liest.de freigeschaltet.

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1 Kommentar

  • Malchow sagt:

    Danke, ich lausche gern.

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