Internationale Uwe-Johnson-Tagung in Rostock

Identität des Autors zweifelhaft – Uwe Johnson. Werk und Leben

28. Mai 2010, von

Dr. Robert Gillet„Bei uns schrieb er seine letzten Werke und starb. Hier, wo er womöglich seine ersten verfasst hat, lebt er jetzt auf und lebt er weiter.“ So brachte es Dr. Robert Gillet von der Queen Mary University of London gestern in seinem Eröffnungsvortrag zum Ausdruck.

Die Rede ist von dem Schriftsteller Uwe Johnson, dessen Werk und Leben sich seit gestern eine viertägige internationale Tagung in Rostock widmet. „Ohne Werk, kein Leben. No writing, no life“, brachte Gillet es auf den Punkt. Und so steht die Tagung folgerichtig ganz unter dem Motto „Uwe Johnson. Werk und Leben“.

Ausgerichtet wird das Treffen von der gerade erst gegründeten Uwe Johnson-Gesellschaft in Zusammenarbeit mit dem Institut für Germanistik der Universität Rostock.

Prof. Dr. Holger HelbigProf. Dr. Holger Helbig, Gründungsmitglied und Inhaber der Uwe-Johnson-Stiftungsprofessur, hat die wissenschaftliche Leitung übernommen. Drei Monate nach der Gründung erlaube es die Tagung, „auf erfreuliche Art und Weise zeigen zu können, dass es uns gibt“. Möchte die Uwe-Johnson-Gesellschaft doch ebenso Anlaufpunkt für die Forschung wie auch für alle Fans des Schriftstellers sein.

Sein Dank ging an den Rektor der Universität Rostock, Wolfgang Schareck, der die Pflege und Förderung Uwe Johnsons zur Chefsache erklärt habe.

Nicht zu vergessen sei Dr. Ulrich Fries, der Stifter der Professur. Immer wieder habe er die Johnson-Forschung angeregt und unterstützt, „beileibe nicht nur mit Geld, aber auch damit“, so Helbig. Ohne ihn würde es weder das Johnson-Jahrbuch noch den Kommentar zu den „Jahrestagen“ geben.

„Man kann Wissenschaft nicht unter einer Glasglocke betreiben“, betonte Helbig. Ziel der Gesellschaft und der Tagung sei es daher, nicht nur die Ergebnisse der Forschung öffentlich zu machen, sondern das „Erlebnis Literatur“ zu vermitteln.

Roland MethlingUnterstützt wird die Tagung vom Literaturhaus sowie von der Hansestadt Rostock. Im repräsentativen Ambiente des Bürgerschaftssaals findet die Tagung im Rathaus statt und „wir sind tatsächlich eingeladen worden, die Räume zu nutzen und nicht etwa zu mieten“, so Helbig.

Für Roland Methling eine Selbstverständlichkeit. „Jetzt kommt zusammen, was zusammengehört“, fühlte sich der Oberbürgermeister an die Wendezeit erinnert. „Rostock war es Uwe Johnson wert, gut von dieser Stadt zu schreiben und vermutlich auch gut an sie zu denken.“ Aus diesem Grund will und wird Rostock das Andenken Uwe Johnsons bewahren, bekräftigte Methling.

Dazu gehöre auch weiterhin „der Traum des Oberbürgermeisters, an der Nordkante des Neuen Marktes ein Zuhause für die Literatur zu schaffen – mit Kempowski, mit Uwe Johnson und mit unserem Rostocker Literaturhaus“.

Prof. Dr. Wolfgang SchareckAuch für Rektor Wolfgang Schareck war die Umgebung eine neue Erfahrung: „Ich hab das erste Mal die Gelegenheit, von diesem Pult zu sprechen. Hier steht es sich gut, Herr Oberbürgermeister!“ Gibt es da etwa Ambitionen?

„Doctrina multiplex – veritas una“ – als das Motto der Universität entwickelt wurde, war mit Wahrheit sicher etwas anderes gemeint, als es Uwe Johnson getrieben hat. Und doch, so Wolfgang Schareck, sei es die Wahrheitsliebe gewesen, die Uwe Johnson hier in Rostock zum Schriftsteller werden ließ.

Rostock war es, wo Uwe Johnson sich gegen Schauprozesse stellte, wo er sich gegen das wandte, was die SED mit der Jungen Gemeinde machte und wo er der DDR Verfassungsbruch vorwarf. Auch wenn es von 1952 bis 1954 nur ein kurzer Abschnitt war, den Johnson an der Rostocker Universität verbrachte, sei es doch ein für ihn prägender gewesen.

Von allen Autoren, die mit Rostock verbunden sind, sei Uwe Johnson zweifelsfrei der gewichtigste, betonte Schareck. Johnsons Lebenslauf sei eine Reflexion der Zeit der deutschen Teilung mit all ihrer Problematik. Er ist auch der Nachkriegsautor, der international besondere Beachtung gefunden hat, wie man gut am Teilnehmerfeld dieser Tagung erkennen könne.

„Rostock möchte ein Ankerpunkt für die Uwe Johnson-Forschung sein“, so der Rektor. Mit der Gründung der Gesellschaft sowie der Tagung sei eine gute Basis geschaffen, denn hier werde „nicht auf Netzwerke und Strukturen gebaut, sondern auf Themen.“

Uwe Johnson-Tagung in Rostock„Nach Vollkommenheit hege ich wenig Sehnsucht”, schrieb Johnson im Jahre 1952 an seine ehemalige Deutschlehrerin, „aber glücklich möchte ich von Zeit zu Zeit schon sein.“

An diesen Tagen in Rostock hätte der Schriftsteller bestimmt seine Freude gehabt. Und wer weiß, vielleicht schaut er dieser Tagung auch von oben zu und muss ab und an ein wenig schmunzeln über all die Auslegungen und Interpretationen seiner Werke und seines Lebens. Denn immer noch gilt: „Identität des Autors zweifelhaft“.

Die Tagung läuft noch bis Sonntag. Interessierte sind herzlich willkommen, auf der Website der Gesellschaft gibt es das vollständige Programm.

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