Rathaus-Posse ums Neujahrsfeuer

Schmarler Weihnachtsbaumfeuer sorgt für Trubel – erst wird das Verbrennen der Tannenbäume untersagt, dann von Oberbürgermeisterin und Umweltsenatorin wieder erlaubt.

13. Januar 2024, von
Neujahrsfeuer/Tannenbaum verbrennen (Symbolfoto: Archiv)
Neujahrsfeuer/Tannenbaum verbrennen (Symbolfoto: Archiv)

Kontakte knüpfen, gesellig beisammen sein und nebenbei noch Öffentlichkeitsarbeit für den Nachwuchs der Freiwilligen Feuerwehr leisten – so sollte das 1. Schmarler Weihnachtsbaumfeuer heute Abend aussehen. Zusammen mit der Freiwilligen Feuerwehr Groß Klein hatte der neue Stadtteilmanager in Schmarl Christoph Lenz die Veranstaltung geplant, doch plötzlich entwickelte sich alles anders als erwartet.

Ankündigung für Weihnachtsbaumverbrennen auf X sorgt für Kritik

Am Donnerstagmorgen postete die Rostocker Verwaltung auf X (ehem. Twitter) eine Ankündigung fürs Weihnachtsbaumfeuer. Die negativen Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten.

„Kartoffelige Wohlstandsverwahrlosung in einem Tweet“, kommentierte Moderator und Wetterexperte Jörg Kachelmann in seiner auf der Plattform bekannt-charmanten Art die Rathaus-Ankündigung.

Reaktion von Jög Kachelmann auf das von der Stadt angekündigte Weihnachtsbaumfeuer in Rostock (Screenshot, X)
Reaktion von Jög Kachelmann auf das von der Stadt angekündigte Weihnachtsbaumfeuer in Rostock (Screenshot, X)

„Der Gesundheit der Menschen und dem Klima maximal in die Fresse hauen“, fand er klare Worte für das geplante Weihnachtsbaumfeuer und empfahl der Stadt: „Etwas weniger gesundheitsschädlicher wäre das 1. Schmarler Schwerölfeuer aus den Tankrest-Bodensätzen der Hafenschiffe“. Immer wieder weist Kachelmann auf die Klima- und Gesundheitsschäden durch den Feinstaub von Holz- und Pelletöfen hin.

Kehrtwende 1: Weihnachtsbaum-Verbrennen in Rostock verboten

Ob es an Kachelmann lag oder ein Verwaltungsmitarbeiter noch einmal in die Abfallsatzung geschaut hat: Kurz nach 11 Uhr kam gestern die Kehrtwende aus dem Rathaus: „Aus dem 1. Schmarler Weihnachtsbaumfeuer wird das 1. Schmarler KEINWeihnachtsbaumfeuer“, teilte die Verwaltung in einer Pressemitteilung mit. „In der Hanse- und Universitätsstadt Rostock dürfen kompostierbare Weihnachtsbäume nicht verbrannt werden“, so die Begründung.

Stattdessen sollte es ein Lagerfeuer in einer Feuerschale und mit Stockbrot geben sowie – ökologisch und nachhaltig korrekt – „Getränke aus dem Mehrwegbecher, die mit Lastenrad geliefert werden“.

Kehrtwende 2: Weihnachtsbaum-Verbrennen in Rostock ausnahmsweise doch erlaubt

Die FF Groß Klein verkündet die erneute Kehrtwende beim Weihnachtsbaumfeuer (Screenshot, X)
Die FF Groß Klein verkündet die erneute Kehrtwende beim Weihnachtsbaumfeuer (Screenshot, X)

Um 20:30 Uhr verkündete die Freiwillige Feuerwehr Groß Klein auf X überraschend die erneute Kehrtwende: Oberbürgermeisterin Eva-Maria Kröger (Linke) und Umweltsenatorin Dr. Ute Fischer-Gäde (Bündnis90/Die Grünen) hätten sie informiert, „dass für die morgige Veranstaltung ausnahmsweise abgeschmückte Weihnachtsbäume verbrannt werden können“.

Nach aktuellem Stand findet die Veranstaltung heute Abend ab 17 Uhr in der Hundsburgallee/Ecke Stephan-Jantzen-Ring statt – wie geplant mit dem Verbrennen der mitgebrachten Weihnachtsbäume. Es sei denn, das Wetter macht dem Feuer einen Strich durch die Rechnung. Es sind Windböen mit über 60 km/h vorhergesagt, der Kreis schließt sich.

Vielleicht nimmt Jörg Kachelmann sogar die Einladung des Fördervereins der Freiwilligen Feuerwehr auf einen gratis Kinderpusch oder Glühwein an, um „über die Bedeutung von Traditionen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt im Spiegel von Lagerfeuern als Klimakiller“ zu diskutieren, wie der Förderverein in einem Statement erklärte.

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