Wladimir Kaminer: „Russische Nachbarn und andere Alltäglichkeiten“

Mehr als nur eine Lesung – Wladimir Kaminer

19. Dezember 2009, von

Wladimir Kaminer im Rostocker Audimax Der Popstar der Gegenwartsliteratur – Wladimir Kaminer – war gestern zu Besuch in Rostock. Der gut gefüllte Hörsaal „Audimax“ sprach für seine außerordentliche Popularität. Veranstaltet wurde diese Lesung vom Literaturhaus Rostock und dem MAU Club. Teetrinkend und grinsend schlenderte der Autor vor seiner Lesung entspannt durch die Massen und lauschte der russischen Popmusik, die aus den Lautsprechern schallte.

Am großen Merchandising-Stand drängten sich die Besucher, um „Russendisko-T-Shirts“ oder eines seiner vielen Bücher zu erwerben. Auch im Jahr 2009 veröffentlichte der sympathische Deutschrusse zwei Werke. „Es gab keinen Sex im Sozialismus“ sowie „Meine russischen Nachbarn“ erschienen im Buchhandel. Das Thema des Abends lautete „Russische Nachbarn und andere Alltäglichkeiten“, aber der Literatur-Entertainer schob – passend zur Zeit – ab und an eine lustige Weihnachtsgeschichte ein.

Wladimir Kaminer Die Erwartungen an den Abend waren sehr groß, zumal die Eintrittspreise eher an Konzerte als an Lesungen erinnern. Mal abwarten, ob es sich lohnt. In der zweiten Reihe außen sitzend kam ich mit einem netten Paar ins Gespräch. Diese erwarteten einen „unterhaltsamen Abend mit Witz und Anekdoten der russischen Lebensweise“. Nicht zum ersten Mal stand Wladimir Kaminer in Rostock auf der Bühne und überzeugte ab der ersten Sekunde. Sein einzigartiger Humor gepaart mit russischem Akzent sorgte für unzählige Lacher.

Die Geschichte von Olga und dem Kater „Johann Wolfgang“, welcher aufgrund seiner Zuckerkrankheit des Öfteren in die Klinik musste, strapazierte ordentlich die Bauchmuskeln. Mit Wendungen wie „Lametta aus dem Arsch ziehen“, „Deutsche Gemütlichkeitsbehörde“ oder „Händchen haltend fette Vögel essen“ traf er ein ums andere Mal das Lachzentrum der Hörer.

Zuschauer im Rostocker Audimax bei Wladimir Kaminer Mit seinem trockenen, herrlich frischen Humor zog er die Gäste in seinen Bann. In der anderen Geschichte wollte er am liebsten „dem Kreml-Weihnachtsmann den geschenkten weißen Hasen in den Arsch schieben“ und führte weiter aus: „Als Kind habe ich nur Scheiße vom Weihnachtsmann bekommen“. Aber auch Völker verbindende Ereignisse wurden auf komische Art dargestellt.

So hieß es: „Die Franzosen glauben, dass Enten gestopft werden wollen“ und den sogenannten „Kreml-Opel“ kürzte er zum „Krempel“. Das Thema Flugangst und die Strategie Cognac wurden ebenso diskutiert wie die Anwendung dieser Therapieart von zu Hause aus.

Wladimir Kaminer in Rostock Der 1967 in Moskau geborene Literat avanciert mittlerweile zu einem der beliebtesten Autoren in Deutschland. Die Basis seines Schreibens ist ungeniert und offenkundig sein eigenes Leben. Fleißig und abwechslungsreich ist sein Schaffen von vielen kleinen Erzählungen geprägt.

Nach knapp zweistündiger Vorstellung beendete er den Abend mit der „Eisfisch-Geschichte“. Unter anderem bezeichnete er die Fischsorten Scholle oder Dorade als „kapitalistisch angepasste Tellerfische“. Die Besucher strömten sichtlich zufrieden zum Buchstand, um sich ihre erstandenen Werke signieren zu lassen. Auf jeden Fall haben sich die Investition des Eintrittspreises und der beschwerliche Fußmarsch bei – 10 °C gelohnt. Wer Wladimir Kaminer noch nicht live erlebt hat, sollte dies unbedingt tun.

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