Wladimir Kaminer liest auch 2011 wieder im Audimax

„Rotwein-Russe“ sendet „Liebesgrüße aus Deutschland“

23. Dezember 2011, von
Wladimir Kaminer liest aus "Liebesgrüße aus Deutschland"
Wladimir Kaminer liest aus "Liebesgrüße aus Deutschland"

Gestern war der erste Tag der Weihnachtsferien für die Rostocker Studenten. Trotzdem gab es noch eine besondere Vorlesung im größten Hörsaal der Universität. Wladimir Kaminer war auch in diesem Jahr wieder zu Gast in Rostocks Audimax, um Geschichten aus seinem Leben zu erzählen und ganz nebenbei auch noch sein neuestes Buch „Liebesgrüße aus Deutschland“ vorzustellen.

Seit über 20 Jahren lebt Wladimir Kaminer nun schon in Berlin und schreibt dort nicht nur Bücher, sondern macht auch Musik. Sein erster Erzählband „Russendisko“ prägte den Begriff für neue russische Volksmusik mit Popeinschlägen. Unter dem Titel veranstaltet er auch regelmäßig Partys, auf denen er selbst als DJ auflegt. Vor der Lesung lief zur Einstimmung auch die – von dem Autor mit zusammengestellte – Schallplatte „Ukraine do Amerika“, die mit ukrainischen Hits für gute Stimmung unter den Gästen sorgte.

Das Publikum im Audimax
Das Publikum im Audimax

Gut 450 Zuhörer waren zu der vom M.A.U. Club organisierten Lesung gekommen – und das sogar ganz ohne Anwesenheitspflicht. Da können sich einige Dozenten der Uni sicher noch eine Scheibe abschneiden. Gut gelaunt betrat dann pünktlich um 20 Uhr der Autor die Bühne und begrüßte die Gäste herzlich: „Wo habe ich beim letzten Mal aufgehört“, fragte er das Publikum. Sowohl im letzten Jahr als auch 2009 begeisterte er kurz vor Weihnachten die Rostocker.

Zuerst erzählte der selbst ernannte „Rotwein-Russe“, der während der Lesung nur Wasser trank, von seinen Reisen. Viel rumgekommen sei er in diesem Jahr. „Ich werde immer häufiger eingeladen, etwas über neue deutsche Literatur zu erzählen. Jetzt gerade war ich in Mexiko“, berichtete der Autor. Für den April ist er ins Konsulat in St. Petersburg eingeladen, wo er einen Literaturlehrgang leiten soll.

Volles Haus im Foyer in der Pause
Volles Haus im Foyer in der Pause

„Mein neues Buch ist das dickste und lustigste Buch, das ich je geschrieben habe“ urteilte Kaminer selbst. In „Liebesgrüße aus Deutschland“ zeigt er wieder mit viel Witz, wie unterschiedlich Deutschland und Russland sind. Viele kurze Geschichten über große und kleine Kulturverschiedenheiten sind in dem Buch versammelt. Unter anderem erklärt er die Besonderheiten der russischen Sprache, in der es keine Wörter für Versöhnung, Rettungsweg und Pfadfinder gäbe.

Aber auch viele persönliche Begebenheiten hat der Autor zu Papier und gestern Abend auch zu Gehör gebracht. Erlebnisse mit dem frisch erworbenen Führerschein („das Auto ist eine Kapsel des Todes“) oder von einem Ausflug in den Kletterpark brachten das Publikum immer wieder zum Lachen. Zwar ist die letzte Geschichte schon älter, jedoch wurde sie in der Pause von einigen Gästen gewünscht. Und der sympathische Entertainer kam diesem Wunsch gerne nach.

Wladimir Kaminer 2011 in Rostock
Wladimir Kaminer 2011 in Rostock

Neben Textwünschen und Gesprächen mit Kaminer konnte man in der Pause auch eins der vielen Bücher kaufen. Das hatte den Vorteil, dass man sie sich direkt signieren lassen konnte. Und auch die Schallplatten der Russendisko waren gefragt und verkauften sich sehr gut. Vielleicht hat der eine oder andere so noch ein kurzfristiges Weihnachtsgeschenk gefunden.

Eine besondere Ankündigung machte Kaminer am Ende der Lesung. Im nächsten Jahr wird sein Debüt „Russendisko“ ins Kino kommen. Die Hauptrolle wird Matthias Schweighöfer übernehmen. „Ich hab den Film schon gesehen und finde, er ist sehr gut geworden.“ Wie die Zuschauer ihn finden, wird man dann im nächsten Jahr sehen. Und wenn der Autor wieder nach Rostock kommt, wird man sicher auch die Gelegenheit haben, mit ihm darüber ins Gespräch zu kommen.

Julia Harder
Julia Harder

Als Studentin konnte Julia Harder schon einige Vorlesungen im Audimax erleben und kann sich so ein Urteil erlauben: „Ich glaube als Dozent wäre Kaminer nicht so gut. Er könnte sicher gute Anekdoten erzählen, aber der Stoff würde sicher zu kurz kommen.“ Trotzdem fand sie die Lesung selbst sehr unterhaltsam. Sie und ihre Mutter schenken sich immer gegenseitig die Bücher Kaminers, auf einer Lesung habe sie ihn aber noch nie erlebt. „Und trotzdem liest man die Bücher in dem gleichen Modus, wie er spricht“, sagte sie.

Eine tolle Lesung also und ein schöner Jahresabschluss für alle Beteiligten.

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